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Großbritannien : Nicht nur Sauereien für Erwachsene

  • -Aktualisiert am

Vor dem Gerichtssaal mochte Max Clifford keine Reporterfragen beantworten Bild: AFP

Jahrelang hat der britische PR-Guru Max Clifford gut daran verdient, andere bloßzustellen. Nun wurden seine dunklen Seiten aufgedeckt. Wegen mehrfacher sexueller Nötigung ist er zu acht Jahren Gefängnis verurteilt worden.

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          In seinen Erinnerungen brüstete sich Max Clifford damit, er sei ein mächtiger Strippenzieher, und mit den Schlüsseln an seinem klirrenden Bund könne er die Pforten zu vielen Geheimnissen öffnen und schließen. Der prominente PR-Mann hatte bei den großen Skandalgeschichten der vergangenen Jahrzehnte oft die Finger im Spiel. Politikerkarrieren endeten nach Enthüllungen aus dem Privatleben, die er vermittelte. Stars wurden bloßgestellt. Es traf etwa David Mellor, den Kulturminister in der Regierung Major, es traf Gary Glitter, Sven-Göran Eriksson und David Beckham, es traf den Bestsellerautor und ehemaligen Vorsitzenden der Konservativen Partei, Jeffrey Archer.

          Gina Thomas
          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Clifford hat Millionen verdient mit ihren Geschichten. Er behauptete oft, er habe mehr Skandale aus der Presse ferngehalten als er der Presse preisgegeben habe. Nun ergeht es dem 71 Jahre alten Max Clifford wie den Prominenten, die er bloßstellte. Der Meister der „Kiss-and-tell“-Geschichte ist für schuldig befunden worden, zwischen 1966 und 1984 vier junge Frauen und minderjährige Mädchen missbraucht zu haben. Clifford hat die Opfer und ihre Eltern mit seinen Beziehungen zum Showgeschäft geblendet und den Frauen im Austausch für sexuelle Gefälligkeiten versprochen, ihre Karrieren zu fördern.

          Im Schatten von Jimmy Savile

          Seine dunklen Geheimnisse kamen im Zuge des 2012 aufgedeckten Missbrauchsskandals um den verstorbenen BBC-Moderator Jimmy Savile zutage. Kurz nachdem Savile als Serientäter demaskiert worden war, trat Clifford in einer Fernsehsendung auf und sagte, dass noch viel mehr herauskommen werde; viele Namen seien noch gar nicht genannt. Das brachte das Fass zum Überlaufen bei den Opfern, die bislang nicht in die Öffentlichkeit getreten waren. Einige der Verführten sagten aus, sie hätten nur deshalb so lange geschwiegen, weil sie ihren von Clifford umgarnten Eltern die Schande ersparen wollten.

          Clifford ist einer von 17 Männern, die bei den Ermittlungen im Savile-Skandal festgenommen wurden. Angeklagt wurden nicht alle. Bei den meisten ergab sich keine Verbindung zum Missbrauch Minderjähriger, dessen Savile postum beschuldigt wurde.

          „Grundsolide Sauereien“ für Erwachsene

          Clifford gab zu, er habe außereheliche Affären gehabt und in den siebziger Jahren „legendäre Sexpartys“ organisiert - „grundsolide Sauereien für Erwachsene, die alt genug waren, um zu wissen, was sie taten“. Den gegen ihn klagenden Frauen warf er vor, sie hätten es bloß auf Entschädigungen abgesehen. Die sieben Klageführerinnen aber und die sechs Zeuginnen der Anklage zeichneten vor Gericht ein verheerendes Bild des PR-Gurus. Max Clifford habe in seinem Büro in der Londoner New Bond Street wie ein sexueller Lehnsherr residiert. Clifford soll den von der Welt der Stars faszinierten Opfern Rollen in Bond-Filmen oder Modelkarrieren versprochen haben. Im Gegenzug mussten sie seine sexuellen Wünsche erfüllen.

          Der Mann, der sich rühmte, Pädophile wie Gary Glitter bloßgestellt zu haben, soll auch eine Zwölfjährige missbraucht haben, mit deren Eltern er sich angefreundet hatte. Besonders belastend für Clifford war ein Brief, den die Polizei bei der Hausdurchsuchung fand. Darin schildert eines seiner Opfer, eine Fünfzehnjährige, wie Clifford ihr das Leben zur Hölle machte. „Ich konnte mich an niemanden wenden. Du warst sehr schlau. 1-A im Grooming“, schrieb sie. Der Brief war 2011 geschrieben, also vor den Savile-Enthüllungen.

          Obwohl Clifford die Unterstützung einiger Prominenter erfährt, wenden sich viele Kunden von seiner Agentur ab. Clifford versuchte sich nach dem Schuldspruch an einem trotzigen Lächeln, aber man sah ihm den Schock an. Am Freitag ist Clifford zu acht Jahren Haft verurteilt worden. Das Lächeln wird ihm endgültig vergangen sein.

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