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Großbritannien : Im Fall Maddie werden Tausende Anrufe überprüft

„Maddie“ am 3. Mai 2007, dem Tag ihres Verschwindens Bild: AFP

Vor gut sechs Jahren verschwand Madelein McCann aus einer portugiesischen Ferienanlage. Nun überprüft die britische Polizei Tausende Mobilfunknummern. Auch deutsche Urlauber, die Anfang Mai 2007 in Portugal waren, könnten bald einen Anruf bekommen.

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          Die britische Polizei hat mit der Überprüfung Tausender Mobilfunknummern begonnen, die zur Zeit des Verschwindens von Madeleine McCann im Einsatz waren. Das drei Jahre alte Mädchen war im Mai 2007 aus einer portugiesischen Ferienanlage verschwunden und wird bis heute vermisst. Im Zuge der Ermittlungen untersucht die Polizei eine Liste mit dem örtlichen Telefonverkehr, die von der portugiesischen Polizei offenbar nicht abgearbeitet worden war. Scotland Yard hat bei Polizeidienststellen in anderen europäischen Ländern um Mithilfe gebeten.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          Ein Londoner Polizeisprecher kündigte an, dass jeder, der Anfang Mai 2007 in Praia da Luz gewesen ist, mit einem Anruf rechnen muss. Man wolle herausbekommen, wer sich aus welchen Gründen in der Region aufgehalten habe. Es gehe nicht nur darum, Tatverdächtige zu ermitteln, sondern auch Zeugen. Allerdings gestand er ein, dass es schwierig werden wird, alle Anrufer zu identifizieren. Nach sieben Jahren haben sich viele Telefonnummern geändert, auch dürften zahlreiche „pay-as-you-go“-Nummern im Einsatz gewesen sein. Zu den Feriengästen des Ortes gehören auch zahlreiche Deutsche.

          Madeleine war nach Angaben der Mutter, Kate McCann, aus dem Familien-Apartment verschwunden, als die Eltern mit Freunden am 3. Mai in einem Restaurant zu Abend aßen. Verschiedene Teilnehmer der Dinner-Runde hätten regelmäßig nach Madeleine und deren beiden kleineren Geschwistern geschaut, bis Kate McCann gegen zehn Uhr das leere Bett bemerkt habe. Die Ermittlungen der portugiesischen Polizei wurden 14 Monate später ohne Ergebnisse eingestellt. Zwischenzeitlich waren die Eltern selbst in Verdacht geraten.

          In Britannien waren die Ermittlungen im Mai 2011 auf Anordnung von Premierminister David Cameron wiederaufgenommen worden. Die „Operation Grange“ verfügt über einen Etat von sechs Millionen Euro. Fast 40.000 Dokumente werden durchgearbeitet. Bislang hat die Polizei 41„Personen von Interesse“ ausgemacht, unter ihnen 15 Briten. Festgenommen wurde noch niemand. Am 14. Oktober wollen die Eltern des Mädchens in der BBC-Sendung „Crimewatch“ um Unterstützung für die Ermittlungen werben. In britischen Zeitungen wurde spekuliert, dass Kate und Gerry McCann gemeinsam mit einem Ermittler von Scotland Yard eine neue Theorie über das Verschwinden des Mädchens entwickeln wollen.

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