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„Von Dämonen besessen“ : Lebenslange Haftstrafe für Mord an Dresdner Forscherin

  • Aktualisiert am

Die amerikanische Forscherin Suzanne Eaton reiste zu einer Konferenz auf die griechische Insel Kreta. Bild: AP

2019 wurde eine in Dresden tätige Forscherin auf der Insel Kreta vergewaltigt und ermordet. Bis zuletzt behauptete der nun verurteilte Täter, es habe sich bei der Tat um einen Unfall gehandelt.

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          Auf Kreta ist am Dienstag ein 28 Jahre alter Mann lebenslänglich für den Mord an der Dresdner Max-Planck-Forscherin Suzanne Eaton verurteilt worden. Das Gericht in der kretischen Küstenstadt Rethymno sah es als erwiesen an, dass der Mann die zum Tatzeitpunkt 59 Jahre alte amerikanische Biologin im Sommer 2019 vergewaltigt und getötet hat. Mildernde Umstände, die die Verteidigung vorgebracht hatte, waren vom Gericht nicht angenommen worden.

          Der Verurteilte hatte während des Verfahrens geltend gemacht, es habe sich um einen Unfall gehandelt, und hatte die Vergewaltigung stets bestritten, berichtete die griechische Zeitung „To Proto Thema“. Er habe seine ursprünglichen Aussagen auf Druck der Polizei hin gemacht. Nach Angaben eines Polizisten sagte er im Verhör aus, er sei „von Dämonen besessen“ gewesen.

          Eatons Leiche war rund eine Woche nach der Tat in der Nähe der Stadt Chania gefunden worden. Ihr Tod löste große Bestürzung aus. Den Angaben der Ermittler zufolge hatte der zweifache Familienvater und Sohn eines Priesters die Neunundfünfzigjährige mit dem Auto zweimal angefahren und sie zu einem entlegenen Höhlensystem gebracht, den die deutschen Besatzer im Zweiten Weltkrieg als Bunker nutzten.

          Dort habe er sie vergewaltigt. Anschließend warf er sie in eine Lüftungsöffnung an der Decke des Bunkers. Eaton starb nach Angaben eines Gerichtsmediziners durch Ersticken. Während des Prozesses beteuerte der Mann, er habe die Forscherin versehentlich angefahren, bei der Tat handle es sich um einen Unfall. Die Vergewaltigung hatte er stets bestritten.

          „Wir leben in einem Rechtsstaat, und es muss einen Prozess geben“

          Die aus den Vereinigten Staaten stammende Biologin hatte unter anderem eine Forschungsgruppe am Dresdner Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik geleitet. Sie war zu einer Konferenz auf die griechische Insel gereist und am Tag ihrer Ermordung zu einer Wanderung aufgebrochen.

          Eaton war mit dem britischen Wissenschaftler Anthony Hyman verheiratet und hatte zwei Söhne. Hyman sagte dem MDR am Montag, er werde nicht am Prozess teilnehmen. „Wir leben in einem Rechtsstaat, und es muss einen Prozess geben. Aber das hilft nicht für mich persönlich“, sagte der Wissenschaftler. Seine Frau fehle ihm jeden Tag, es sei „sehr schwierig, ohne sie zu leben“.

          Eine griechische Anwältin werde ihn als Nebenkläger im Prozess vertreten. Vom Prozess erhoffe er sich eine gerechte Strafe für den mutmaßlichen Täter.

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