https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/goldschatz-aus-manching-gestohlen-viele-fragen-offen-18520358.html

Goldschatz aus Manching : Diebstahl in einer Stunde und vier Minuten

Ein Polizeitaucher sucht einen Weiher in der Nähe des Museums ab. Bild: dpa

Zwei Wochen nachdem ein Millionen Euro teurer Goldschatz aus einem bayerischen Museum gestohlen wurde, finden Polizeitaucher Brechstangen und ein Strommessgerät. Es bleiben jedoch viele Fragen offen.

          3 Min.

          Gerade mal eine Stunde und vier Minuten brauchten die Täter in der Nacht vom 22. November, um den Goldschatz aus dem Kelten Römer Museum im bayerischen Manching zu stehlen. Zwei Tatorte waren dabei von Bedeutung, um an die 483 Münzen und einen sogenannten Goldkuchen zu kommen, die aus der Zeit um 100 vor Christus stammen. Zunächst wurden um 0.31 Uhr an einer Glasfaserverteilerstelle der Telekom in Manching die Kabel durchtrennt. Dadurch waren tausende Bewohner ohne Telefon und Internet – und das Museum ohne Alarmsystem. Denn die Funkübertragung des Alarmsignals an die zuständige Sicherheitsfirma wurde gestört, wie das Bayerische Landeskriminalamt am Donnerstag zum Stand der Ermittlungen mitteilte.

          Karin Truscheit
          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Nachdem die Kabel durchtrennt waren, fuhren die Täter den rund drei Minuten langen Weg zum Museum und öffneten gewaltsam die Eingangstür. Es war jetzt 1.26 Uhr. Vier Minuten später, um 1.30 Uhr: Die Diebe öffneten mit Gewalt auch die Innentür. 1.31 Uhr: Die Täter schlugen die in den Boden eingelassene Glasvitrine mit den Münzen ein. Zusätzlich zerschlugen sie noch eine Standvitrine und nahmen drei weitere Goldmünzen mit. 1.35 Uhr: Die Täter verließen das Museum mit dem wertvollsten Exponat der Ausstellung durch die Eingangstür.

          Eingeschmolzen oder beim Privatsammler?

          Was danach mit den Münzen geschah, die einen Wert von rund zwei Millionen Euro haben – ungewiss. Über zwei Optionen kann man spekulieren: Vielleicht hat ein Privatsammler den Diebstahl in Auftrag gegeben, um die Münzen im heimischen Keller auszustellen, für den privaten Kunstgenuss. Denn verkaufen lassen sich die Münzen kaum. Oder die Diebe haben den Keltenschatz direkt eingeschmolzen: für einen geschätzten Goldwert von rund 200.000 bis 250.000 Euro.

          Ein Foto des Museums zeigt den Goldschatz vor dem Diebstahl.
          Ein Foto des Museums zeigt den Goldschatz vor dem Diebstahl. : Bild: AFP

          Das LKA versichert, es werde alles getan, die Täter zu ermitteln und „den wertvollen Goldschatz wieder zu beschaffen“. Die Ermittlungen werden von der Staatsanwaltschaft Ingolstadt sowie 25 Kriminalisten der Sonderkommission Oppidum des LKA geführt. Benannt ist die Sonderkommission nach der um 300 vor Christus von Kelten gegründeten Großsiedlung von Manching, auf deren Gelände 1999 die Münzen gefunden worden waren.

          Die Sicherheitssysteme werden jetzt überprüft

          Eine der vielen ungeklärten Fragen dreht sich dabei um die Alarmanlage. Wie gewissenhaft arbeitete das beauftragte Wach- und Sicherheitsunternehmen? Das LKA spricht davon, dass die Firma „die Unterbrechung der Alarmanlage“ nicht bemerkt habe. Doch bei der Unterbrechung des Funksignals hätte bei der Firma eine „Störmeldung“ eingehen müssen. Wieso also die gekappte Verbindung zur Alarmanlage nicht bemerkt wurde, ist laut LKA „Gegenstand weiterer Untersuchungen“.

          Zudem stellt das LKA klar: Zwar ist die Polizeibehörde für die „sicherheitstechnische Prävention und die Objektberatung“ bei staatlichen Museen zuständig und somit auch für das Kelten Römer Museum Manching, das eine Außenstelle der Archäologischen Staatssammlung ist. Aber ob die vertraglich vereinbarten Leistungen der Sicherheitsfirma tatsächlich erfüllt würden, sei nicht „Gegenstand der polizeilichen Beratung“.

          Das LKA hatte das Museum schon in der Planungsphase ab 2002 beraten, weitere Beratungstermine folgten, zuletzt im Jahr 2020. Doch das LKA hebt hervor, dass die Beratungen „lediglich Empfehlungscharakter“ hätten. Die Entscheidung, ob die Empfehlungen der Polizei auch umgesetzt würden, „obliegt den jeweiligen Betreibern“. Zudem habe das LKA auch „grundsätzlich keinen Einfluss auf die Vertragsgestaltung mit einer beauftragten Sicherheitsfirma“. Die bestehenden Sicherungssysteme soll jetzt eine Arbeitsgruppe des Museums, unterstützt vom LKA, überprüfen und einschätzen, ob „Modifikationen“ notwendig sind.

          Keine Bilder vom Tattag vorhanden – oder den Wochen davor

          Das Museum hatte jedoch nicht nur ein Alarmsystem, sondern auch eine Videoanlage. Der Videoserver sowie die Festplatten wurden im kriminaltechnischen Institut des LKA untersucht. Aufgrund des Alters des Kamerasystems konnten die Festplatten jedoch nach LKA-Angaben nur durch eine Spezialfirma ausgewertet werden. Das Ergebnis: „Es sind keine Bilder vom Tattag auf den sichergestellten Festplatten vorhanden.“ Doch auch von den Wochen davor gibt es nach Angaben des LKA keine Aufnahmen. Die hätten vielleicht Hinweise geben können, ob sich manche Besucher besonders intensiv für die Vitrine interessierten. Warum das Museum zwar eine Videoanlage hat, jedoch keine Aufnahmen abgerufen werden können – auch das gehört zu den Fragen, die das LKA untersucht. Es könnte an dem veralteten System liegen, heißt es.

          Gegenstände, die auf die Tat deuten könnten, haben jedoch gerade erst Polizeitaucher gefunden. Am Dienstag und Mittwoch hatten sie den Fluss Paar sowie Weiher in der nahen Umgebung abgesucht. Dabei fanden sie unter anderem zwei Brechstangen und ein Strommessgerät, die jetzt kriminaltechnisch untersucht werden.

          Die Polizei bittet zudem weiter um Hinweise aus der Bevölkerung: Wer die entscheidenden Informationen liefert, die zu den Tätern führen, wird mit 20.000 Euro belohnt.

          Topmeldungen

          Am vergangenen Wochenende demonstrierten in London Anhänger des schottischen Selbstidentifikations-Regelung für Trans-Rechte.

          Debatte über Transrechte : Vergewaltiger im Frauengefängnis

          Die schottische Ministerpräsidentin Nicola Sturgeon ist im Streit um Transrechte in die Defensive geraten. Nachdem ein Vergewaltiger in ein Frauengefängnis sollte, beugte sie sich jetzt Protesten.
          Bernard Arnault (vierter von links) im Kreise der Familie

          Wer leitet künftig LVMH? : Der Schatz der Arnaults

          Der reichste Mann der Welt hätte allen Grund, sich zur Ruhe zu setzen – tut es aber nicht. Seine Nachfolgeplanung bleibt ein wohlbehütetes Geheimnis.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.