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„Goldfinger“ ohne James Bond : Sean Connery versäumt Gerichtstermin in Marbella

  • Aktualisiert am

Vor Gericht geladen, aber nicht erschienen: Sean Connery und Frau Michelle weilen lieber auf den Bahamas Bild: dpa

Der britische Filmstar Sean Connery hat am Freitag einen Gerichtstermin in Marbella an der Costa del Sol platzen lassen. Das Ehepaar Connery steht im Verdacht, dort in einen Immobilienskandal verwickelt gewesen zu sein.

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          Der schottische Schauspieler Sean Connery, der im Fall „Goldfinger“ am vorigen Freitag von einem spanischen Richter in Marbella als Zeuge vorgeladen worden war, ist nicht zu dem Gerichtstermin erschienen. Der 80 Jahre alte erste James Bond und seine ebenfalls vorgeladene 81 Jahre alte Frau Micheline gaben Alter, Gesundheit und fehlende Zeit als Gründe an. Sie erklärten sich jedoch bereit, an ihrem Wohnort auf den Bahamas auszusagen.

          Ermittlungsrichter Ricardo Puyol erwägt nun seinerseits eine Reise in die Karibik. Bei dem von den spanischen Justizbehörden mit dem Kodenamen „Goldfinger“ versehenen Fall geht es um den Verkauf einer Villa von Schauspieler Connery am Strand von Marbella. Er verkaufte 1998 das Anwesen über spanische Mittelsleute für angeblich umgerechnet sieben Millionen Euro. Ihn hatte vor allem gestört, dass der in Korruptionsaffären verwickelte und inzwischen gestorbene ehemalige Bürgermeister von Marbella Jesús Gil neben seinem Haus einen fünfstöckigen Wohnblock errichten ließ.

          Wer hat vom Verkauf profitiert?

          Nach dem Verkauf der Villa „Malibu“ wurden auf dem Grundstück nicht etwa, wie von der Stadtplanung eigentlich vorgeschrieben, einstöckige Häuser, sondern große Blöcke mit mehr als 70 profitablen Luxuswohnungen zum Preis von jeweils mehr als einer Million Euro gebaut. Die „Neubewertung“ des Baugeländes und die Frage, wie viel Geld extra gegründete Immobiliengesellschaften daran verdienten, ist neben dem Verdacht auf Geldwäsche Gegenstand der „Goldfinger“-Ermittlungen. Die Behörden wollen unter anderem klären, ob die Gesellschaften eventuell zumindest zum Teil Connery gehörten und wie durch komplizierte rechtliche Konstruktionen bei den Neubauten der Gemeinde Marbella ihr eigentlich zustehende Millionenbeträge an Einnahmen entgangen sein könnten.

          So groß wurden die Apartmenthäuser in Marbella, die auf dem Gelände gebaut wurden, das früher Connery gehörte
          So groß wurden die Apartmenthäuser in Marbella, die auf dem Gelände gebaut wurden, das früher Connery gehörte : Bild: REUTERS

          Der Schauspieler hat bislang darauf beharrt, dass er nur den Kaufpreis für sein Haus erhalten habe. Er protestiert außerdem dagegen, dass die Untersuchungen überhaupt publik geworden seien. Das schade seinem „öffentlichen Image“ und sei für ihn auch finanziell nachteilig. Er behalte sich daher rechtliche Schritte vor. Der Fall „Goldfinger“ wurde noch pikanter, seit bekannt wurde, dass die Schlüsselfigur in dem Großprozess „Malaya“, Juan Antonio Roca, auch in das Immobilienprojekt „Malibu“ verwickelt gewesen sein soll. Roca gab inzwischen an, damals zwar nicht direkt mit Connery aber im Auftrag des Bürgermeisters Gil mit einem seiner spanischen Anwälte verhandelt zu haben. Im Fall „Malaya“ sind insgesamt 95 Personen, unter ihnen mehrere ehemalige Bürgermeister und Städträte von Marbella, der Bestechlichkeit, Geldwäsche und des Missbrauchs öffentlicher Mittel angeklagt. Leo Wieland

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