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Gladbecker Geiseldrama : Degowski kann nicht mit baldiger Entlassung rechnen

  • -Aktualisiert am

Degowski während der Geiselnahme am 17. August 1988 Bild: dpa

Der Geiselnehmer Dieter Degowski wird vorerst nicht aus dem Gefängnis entlassen. Das wurde bei einem Haftprüfungstermin entschieden. Dennoch macht sich Degowski Hoffnung auf ein Leben in Freiheit.

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          Knapp eine Stunde hat am Mittwochvormittag der Anhörungstermin in der Haftsache Dieter Degowski gedauert. Die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Arnsberg befasst sich schon seit einigen Monaten mit der Frage, ob Degowski, der im August 1988 gemeinsam mit seinem Freund Hans-Jürgen Rösner eine Bank überfallen hatte und mehr als zwei Tage lang mit wechselnden Geiseln durch Deutschland irrte, aus der Haft entlassen werden kann.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Bei dem spektakulären Verbrechen starben drei Menschen: Degowski und Rösner erschossen zwei Geiseln, ein Polizist verlor während der Täterverfolgung bei einem Verkehrsunfall sein Leben. Degowski hat die für ihn „wegen besonderer Schwere der Schuld“ auf 24 Jahre festgesetzte Mindesthaftzeit mittlerweile hinter sich gebracht.

          Zum konkreten Verlauf der Anhörung wollte sich eine Sprecherin des Gerichts nicht äußern. Zu dem Termin, der im umfunktionierten Besuchsraum der Justizvollzugsanstalt (JVA) Werl stattfand, sagte Degowskis Anwältin Lisa Grüter der Nachrichtenagentur dpa, eine kurzfristige Haftentlassung ihres Mandanten stehe nicht an. Die Kammer habe aber immerhin deutlich gemacht, „dass jetzt endlich die Entlassungsvorbereitung losgehen muss. Das dauert üblicherweise zwischen zwei und drei Jahren.“ Degowski sei „froh, dass er nun eine Chance auf Freiheit hat“.

          Am Nachmittag ließen die drei Berufsrichter der Strafvollstreckungskammer dann mitteilen, dass Degowski erst nach „umfangreichen Entlassungsvorbereitungen“ frei kommen könne. Dabei handle es sich um einen „mehrjährigen Prozess“. Degowski müsse durch Lockerungen im Vollzug nach und nach auf ein Leben in Freiheit vorbereitet werden.

          Die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Arnsberg hatte über eine Haftentlassung Degowskis zu entscheiden.
          Die Strafvollstreckungskammer des Landgerichts Arnsberg hatte über eine Haftentlassung Degowskis zu entscheiden. : Bild: dpa

          Die Strafvollstreckungskammer hatte am Mittwoch auch den forensischen Psychiater Norbert Leygraf befragt, den sie mit einem Gutachten beauftragt hatte. Leygraf kommt darin zu dem Ergebnis, dass Degowski zunächst intensiv auf eine Entlassung vorbereitet werden müsse. Degowski hat einen geringen Intelligenzquotienten, erst nach mehreren Anläufen gelang es ihm in der JVA Werl, eine Kochlehre abzuschließen. Er arbeitet in dem Gefängnis als Hofreiniger.

          Während Degowski therapiewillig ist, hat Hans-Jürgen Rösner, der als Kopf des Duos gilt, bisher jede Therapie abgelehnt. Rösners Mindesthaftzeit ist noch nicht verbüßt. Zudem wurde gegen ihn wegen besonderer Schwere der Schuld anschließende Sicherungsverwahrung angeordnet. Rösner wurde auch in Haft wieder straffällig.

          2009 fanden Vollzugsbeamte in Rösners Zelle in der JVA Bochum sieben Gramm Heroin. Ein Gericht verurteilte ihn danach zu zusätzlich sechs Monaten Freiheitsstrafe. Vor wenigen Tagen berichtete die „Bild“-Zeitung, Rösner, der mittlerweile in der JVA Aachen einsitzt, habe eine Verlobte, die er noch in diesem Jahr heiraten wolle.

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