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Schon wieder beschädigt : Es ist ein Kreuz mit dem Gipfelkreuz

Da liegt es wieder: Das abgesägte Gipfelkreuz Bild: DAV/Sektion Tölz

Der Schafreiter muss vorerst ohne christliches Symbol auskommen. Das Gipfelkreuz ist beschädigt worden, schon wieder. Aber wer tut so etwas? Und warum?

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          Auf dem Schafreiter war wieder die Hölle los. Zum dritten Mal ist das Gipfelkreuz auf dem mehr als 2000 Meter hohen Berg in Oberbayern beschädigt worden. Schon wieder, nach nur einem Monat? Wer tut so etwas? Und warum?

          Hannah Bethke

          Feuilletonkorrespondentin in Berlin.

          Die Geschichte begann Ende August. Ein Unbekannter legte die Axt am Gipfelkreuz an und hinterließ so tiefe Kerben im Kreuz, dass die Bergwacht es schließlich selbst umsägen musste. Im September schleppten Mitglieder der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ in einer eigenwilligen Aktion, die zunächst niemand bemerkte, ein einfaches Holzkreuz auf den Berg.

          Dort blieb es jedoch nicht lang. Am 1.Oktober wurde das Ersatzkreuz der Identitären durch ein originäres Gipfelkreuz ersetzt. Mitglieder der Sektion Tölz des Deutschen Alpenvereins (DAV) und Freunde der Sektion, insgesamt an die 30 Mann, hätten das schwere Kreuz wieder auf den Berg getragen, erzählt Paul Schenk, Vorsitzender des DAV in Bad Tölz. Das Holz sei von einer Tölzer Familie gestiftet worden, so dass daraus keine weiteren Kosten entstanden seien.

          Rätselraten über Täter und Motiv

          Das Entsetzen über die abermalige Schändung des Kreuzes ist gleichwohl groß. Am vergangenen Sonntag bestätigte die Polizei Meldungen, wonach das Kreuz ein weiteres Mal gefällt worden sei. Über die Motivation für diese mysteriöse Tat herrscht allgemeine Ratlosigkeit. „Ich habe keine Erklärung dafür“, sagt Schenk. „Es ist komplett feig, so etwas zu tun.“ Der Täter habe offensichtlich mit irgendetwas ein Problem. Was auch immer es sei: Er solle die Sachbeschädigung künftig unterlassen.

          Nach Auskunft von Bernhard Gigl, dem Dienststellenleiter und Ersten Polizeihauptkommissar der Polizeiinspektion Bad Tölz, erwartet den Täter gemäß Paragraph 304 Strafgesetzbuch eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe. Auch Gigl sagt, man könne nur spekulieren, ob politische oder religiöse Motive eine Rolle spielten. Hinweise auf konkrete Personen, die als Täter in Frage kommen könnten, lägen der Polizei nicht vor, nur Personenbeschreibungen. Demnach könnten es auch mehrere Täter gewesen sein. Eine Frau könne als Täterin ausgeschlossen werden.

          Der Tölzer Alpenverein will mit neuen Aktionen vorerst warten. Ein neues Kreuz werde kommen, sagt Schenk. Es sei nur noch nicht klar, wie und wann. Im Winter könne ohnehin nichts unternommen werden. Denkbar sei ein Kreuz aus Eisen, das nicht so leicht zu beschädigen ist, oder ein Holzkreuz, das besonders geschützt ist. Gigl äußert sich zur Idee eines Eisenkreuzes skeptisch: Das schwere Ding müsse ja auf den Berg geschleppt werden. Und hundertprozentige Sicherheit vor Sachbeschädigung gebe es ohnehin nicht.

          So soll es auf dem Schafreiter eigentlich aussehen: Das „neue alte“ Kreuz , das Anfang September aufgestellt wurde

          Aber wieso muss es das Gipfelkreuz überhaupt weiterhin geben? Ist ein solches Symbol in der heutigen Gesellschaft, die sich als säkular versteht und Religion doch eher zur Privatsache erklärt, noch wichtig? Selbst manche Natur- und Bergfreunde finden wenig Gefallen daran. Könnte man auf die Gipfelkreuze also nicht einfach verzichten?

          Da kann Pfarrer Josef Kraller von der Pfarrei St.Jakob in Lenggries nur fragen: „Auf was sollen wir denn noch alles verzichten?“ Christen müssten sich heute überall verstecken und sich ihres Glaubens schämen. Das Gipfelkreuz sei ein unerlässliches Bekenntnis des Glaubens, ein Zeichen, das zum Gebet und Dank aufgestellt worden sei, um Gott näher zu sein. In der Zerstörung zeige sich, wie krank unsere Gesellschaft sei.

          Es müsste also mit dem Teufel zugehen, wäre der Schafreiter auch im nächsten Sommer noch ohne Gipfelkreuz.

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