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20.000 Euro Geldstrafe : Gina-Lisa Lohfink wegen falscher Verdächtigung verurteilt

Das Model Gina-Lisa Lohfink kommt zum Prozess am Amtsgericht Tiergarten in Berlin an. Bild: dpa

Hat Gina-Lisa Lohfink zwei Männer zu Unrecht beschuldigt, sie vergewaltigt zu haben? Ja, hat ein Gericht jetzt abermals geurteilt. Lohfink habe nicht unter Einfluss von K.o.-Tropfen gestanden.

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          Als die Amtsrichterin begründet, warum sie Gina-Lisa Lohfink wegen Falschverdächtigung zu einer Geldstrafe von 20.000 Euro verurteilt, ist die Angeklagte schon nicht mehr im Saal. Zuvor hat die Neunundzwanzigjährige zum Abschluss der viertägigen Beweisaufnahme ihr Schlusswort genutzt, um sich umfassend als Opfer darzustellen: „Ich habe große Brüste oder Extensions, trotzdem bin ich kein schlechter Mensch“, sagt das Model und Reality-TV-Sternchen beinahe schluchzend.

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Was ihr zwei Männer in einer Berliner Juni-Nacht vor vier Jahren angetan hätten, werde sie ihr Leben lang in sich tragen: „Ich wollte den Sex nicht, und ich wollte nicht dabei gefilmt werden. Das ist einfach pervers, was die mit mir gemacht haben.“ Fahrig rudern die Finger mit den langen Nägeln durch die Luft, die junge Frau mit dem makellosen Make-Up und der großen Brille wirkt sichtlich aufgelöst. Als die Richterin kurz darauf unter Buh-Rufen des Publikums klarstellt, dass sie die Vergewaltigungsvorwürfe für erfunden hält, schnappt Gina-Lisa Lohfink ihre Handtasche und geht.

          Damit endet ein Prozess, der zum Politikum geworden ist, obwohl oder gerade weil er intimste Angelegenheiten betrifft. Ungewöhnlich an dem Fall war nicht nur, dass sich der Justiz- und die Familienministerin sowie eine ganze Schar feministischer Aktivistinnen zu Fürsprechern einer Boulevard-Berühmtheit gemacht hatten. Besonders war auch, dass von den Geschehnissen der umstrittenen Nacht Videoaufnahmen existieren, die teilweise auch im Internet zu finden waren, weshalb alle Welt meinte, sich selbst ein Urteil bilden zu können. Gina-Lisa Lohfink, die Frau, die 2008 als Teilnehmerin der Casting-Show „Germany‘s Next Topmodel“ bekannt wurde und sich gerade für ein angeblich sechsstelliges Honorar als Kandidatin der Fernsehshow „Dschungelcamp“ hat verpflichten lassen, war zum Aushängeschild einer Kampagne geworden, die unter dem Motto „Nein heißt Nein“ für eine Verschärfung des Sexualstrafrechts stritt.

          Das Gericht ist überzeugt: Es war einvernehmlicher Sex

          Nach Auffassung von Richterin Antje Ebner allerdings kann die Verurteilte sich diese Gesetzesänderung mitnichten auf die Fahnen schreiben. Auch ansonsten spart sie nicht mit Kritik an Gina-Lisa Lohfink, die während der Dauer des Verfahrens zwar in den Medien sehr präsent gewesen sei, sich aber nicht den Fragen der Prozessbeteiligten gestellt habe.

          Das Gericht ist überzeugt: Was in der Nacht auf den 3. Juli 2016 in der Wohnung von Sebastian C. an der Berliner Kurfürstenstraße geschehen ist, wo sich Lohfink mit ihrem Begleiter Pardis F. nach einem Besuch in dem Club Maxxim einfanden, war einvernehmlicher Sex. Insbesondere die Videosequenz, die vielfach als Beleg für eine Vergewaltigung gedeutet worden sei, weil Lohfink darin „Hör auf!“ sage, sei in ihrer Gesamtlänge von mehr als zweieinhalb Minuten unmissverständlich: „Zu keinem Moment entsteht hier der Eindruck, hier passiert Sex gegen den Willen dieser Frau.“

          Lohfinks ablehnenden Äußerungen hätten sich ausschließlich auf das Filmen bezogen, ansonsten wirke das Model mitunter sogar entspannt und lächle. Weder sei nachvollziehbar, warum Lohfink bis zum Sonntagnachmittag in der Wohnung geblieben sei und mit einem ihrer angeblichen Peiniger Pizza gegessen habe, noch warum sie sich am Abend wieder mit dem anderen der Männer getroffen habe.

          Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert

          Zudem habe Lohfink bewusst gelogen, als sie der Polizei erzählt habe, eine unmittelbar nach der Tat aufgesuchte Ärztin sei schockiert über ihre Verletzungen gewesen. Die Vermutung Lohfinks, man habe ihr K.O.-Tropfen verabreicht, hat ein toxikologischer Gutachter für nahezu ausgeschlossen erklärt. Strafverschärfend wertet die Richterin, die nur in der Höhe der Strafe etwas unterhalb der Forderung der Staatsanwältin bleibt (weil sie das monatliche Nettoeinkommen Lohfinks mit 7500 Euro niedriger einschätzt), dass die beiden Männer mit den Konsequenzen der Anzeige leben müssten. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.

          Gina-Lisa Lohfink hat unterdessen inzwischen eine neue Botschaft. „Ich warne alle Mädchen“, sagt sie vor Gericht. „Nicht berühmt werden. Macht eure Schule, macht eure Ausbildung. Macht was anderes.“ Sie selbst wünsche sich ihr „normales, schönes Leben“ zurück.

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