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Gina-Lisa Lohfink : „Sie hat bekommen, was sie wollte“

  • -Aktualisiert am

Je länger Pardis F. aussagt, umso stärker verstrickt er sich in Widersprüche, auf solche Fragen: Wie lange kannte er Sebastian C., den zweiten Mann aus der Nacht? Wie kam es überhaupt dazu, dass er und Lohfink sich in dessen Wohnung trafen statt in ihrem Hotel? Anders als Sebastian C. hat Pardis F. den Strafbefehl wegen Verbreitung der Videos gegen sich akzeptiert und das Geld gezahlt. Er sagt aber: „Ich wollte nur, dass es endet.“ Und: „Ich habe niemals die Videos der Presse angeboten, das ist verrückt.“ Er habe sie nur ein paar Freunden geschickt.

Auch Lohfink hat sich in ihren Vernehmungen in Widersprüche verwickelt. In einer Erklärung vor Gericht Anfang Juni hat sie gesagt, sie könne sich an die Nacht nicht erinnern. Sie mutmaßt, man habe ihr K.o.-Tropfen gegeben. Ein Gutachter, der als Berliner Koryphäe auf diesem Gebiet gilt, hat sich die Videos aus der Nacht angesehen und kam zu dem Schluss: Das kann so nicht gewesen sein. Dafür, so sein Urteil, sei Lohfink zu aktiv gewesen, sie habe getanzt und sich normal mit den Männern unterhalten. Die Staatsanwaltschaft entschied daraufhin: Wenn Lohfink nicht gefügig gemacht worden ist, dann ist sie auch nicht vergewaltigt worden – „Nein“ hin oder her.

„Nein heißt Nein“ ist das Schlagwort

Das ist der Punkt, an dem die Sache politisch wird: Deutschland muss nach der sogenannten Istanbul-Konvention des Europarats dafür sorgen, das jede sexuelle Handlung gegen den Willen einer Person strafbar wird. Es gibt viele Strafrechtler, die der Ansicht sind, dass das aktuelle Gesetz dazu nicht ausreicht. „Nein heißt Nein“ ist das Schlagwort derer, die für eine Verschärfung kämpfen, und am Montag wurde es auf den Fluren des Berliner Gerichts zum Schlachtruf.

Neben den Aktivisten waren auch andere Zuschauer zum Prozess gekommen, darunter der Mann, der schon 2008 vom Sex mit sich und Lohfink ein Video an die Medien verkauft hatte – seinen Worten nach mit ihrem Einverständnis. Diejenigen, die die Videos aus der Juni-Nacht 2012 zuerst gesehen haben, Journalisten der Medien, denen das Material angeboten worden ist, haben die Polizei gerufen, statt die Filme zu veröffentlichen. Weil sie dachten, es ist nicht in Ordnung, was dieser Frau da passiert, das kann nicht in Ordnung sein. „Es ist ein großes Unrecht, das ihr hier geschieht“, sagt am Montag Lohfinks ehemalige Managerin vor Gericht.

Noch ist nicht entschieden, wie der Fall ausgeht. Der Prozess wird weitergehen. Der Gutachter, der sich mit den K.o-Tropfen beschäftigt hat, soll noch gehört werden, auch zu der Frage, wie betrunken die Beteiligten in der fraglichen Nacht waren. Lohfinks Verteidiger kündigten am Montag an, sie würden andere Frauen kennen und benennen, mit denen Pardis F. und Sebastian C. gemeinsam Sex hatten. Pardis F. wies das von sich.

Unabhängig davon, wie die Sache juristisch ausgeht: Sie ist zuweilen schwer auszuhalten. Zum Beispiel dann, wenn Pardis F. über das spricht, was in der fraglichen Nacht passiert ist, welche Wörter er für etwas verwendet, was seiner Ansicht nach für alle Seiten vergnüglicher Geschlechtsverkehr war. „Dann bin ich runter von ihr“, sagt er zum Beispiel, „und dann hatte der Sebastian mit ihr Sex.“ Und auf die wichtigste Frage, ob er sich selbst mehr als Opfer sieht als Gina-Lisa Lohfink, sagt er: „Ja.“ Und schiebt nach einer Pause nach: „Von den Videos ja.“ Seit sie öffentlich seien, habe er Schwierigkeiten in seinen Fußballvereinen. Lohfink dagegen sei danach das Gesicht der Erotikmesse gewesen und gerüchteweise liiert mit einem anderen, berühmteren Fußballspieler. „Sie hat bekommen, was sie wollte.“

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