https://www.faz.net/-gum-9vjem

Jury-Auswahl komplett : Gigi Hadid wird keine Jurorin im Weinstein-Prozess

  • Aktualisiert am

Model Gigi Hadid gehörte zu dem Pool potentieller Juroren im Prozess gegen den ehemaligen Filmproduzenten Harvey Weinstein. Bild: Reuters

Zwei Wochen lang rangen Ankläger und Verteidigung im Weinstein-Prozess um die Zusammensetzung der Jury. Nun stehen die Juroren fest. Model Gigi Hadid wird nicht Teil der Jury sein – sie könnte der Verhandlung schaden.

          2 Min.

          Im Prozess gegen den ehemaligen Filmmogul Harvey Weinstein wegen Sexualverbrechen ist die Jury komplett. Das Gericht in Manhattan berief am Freitag acht weitere New Yorker aus einem Pool von mehr als 100 Menschen als Juroren in dem aufsehenerregenden Fall – damit sind die Voraussetzungen für den inhaltlichen Start der Verhandlungen erfüllt. Insgesamt besteht die Jury aus zwölf Personen sowie drei Ersatzjuroren. Zunächst sollte es sechs Ersatzjuroren geben, doch Berichten zufolge einigten sich Anklage und Verteidigung darauf, dass drei ausreichend sind.

          Der Prozess gegen Weinstein hatte am 6. Januar begonnen, nach der Auswahl der Jury sollte es nach dem ursprünglichen Zeitplan am 22. Januar mit den Auftaktplädoyers erstmals um Inhaltliches gehen. In dem Prozess gegen Weinstein geht es um die Vorwürfe von zwei Frauen: Der heute 67 Jahre alte Angeklagte soll eine von ihnen 2006 zum Oral-Sex gezwungen haben, die andere soll er 2013 vergewaltigt haben. Der Prozess soll insgesamt mehr als zwei Monate dauern. Bei einer Verurteilung droht Weinstein eine lebenslange Haftstrafe. Insgesamt hatten mehr als 80 Frauen Weinstein in den vergangenen Jahren sexuelle Übergriffe vorgeworfen.

          Die Auswahl der Jury aus ursprünglich mehr als 600 und in den vergangenen beiden Tagen mehr als 100 Bürgern warf dabei ein Schlaglicht auf die potenziellen Knackpunkte in dem Prozess. Chefanklägerin Joan Illuzzi-Orbon warf der Verteidigung vor, systematisch jüngere weiße Frauen ausschließen zu wollen. Erst mit den letzten Ernennungen am Freitag wurde ein größeres Ungleichgewicht in der Zahl von Frauen und Männern verhindert. Generell kämpft die Verteidigung eigener Aussage zufolge mit einer Vorverurteilung Weinsteins. Ein großer Anteil der Juroren war ausgeschieden, weil sie sich für befangen erklärten.

          „Kein Referendum über die MeToo-Bewegung“

          Die Anschuldigungen Dutzender Frauen gegen Weinstein hatten 2017 die globale MeToo-Bewegung ausgelöst und damit einen großen Einfluss nicht nur auf die amerikanische Gesellschaft. Überall auf der Welt erkannten Frauen und auch einige Männer ihre eigenen Geschichten in denen der mutmaßlichen Weinstein-Opfer wieder und begannen, sie unter dem Schlagwort „Me too“ („Ich auch“) zu sammeln.

          Richter James Burke hatte am Donnerstag angesichts dessen deutliche Worte an die potentiellen Juroren gerichtet: „Dieser Prozess ist kein Referendum über die MeToo-Bewegung“, mahnte er. Die Entscheidung der Jury dürfe nur auf den Beweisen, die im Gericht präsentiert werden, beruhen. Das bekannte Model Gigi Hadid wurde als Jurorin ausgeschlossen. Es wurde gemutmaßt, dass ihr Status als bekannte Persönlichkeit der Verhandlung schaden könnte.

          Auf der anderen Seite wollte die Anklage bei der Befragung der potentiellen Geschworenen mehrfach wissen, ob diese wegen des Aussehens von Weinstein ausschlössen dass dieser ein Vergewaltiger sein könnte. Hintergrund ist, dass der Ex-Filmmogul vor Gericht stets mit einer Gehilfe auftaucht, gebrechlich und alt wirkt. Die Anklage vermutet darin scheinbar ein Manöver, um Mitleid für ihn zu erzeugen. Hauptanwältin Donna Rotunno hatte das zurückgewiesen: Ihr Mandant leide nach einem Autounfall im August unter einer Rückenverletzung.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wer hätte es ihnen zugetraut? Peter Tschentscher lässt sich von SPD-Landeschefin Melanie Leonhard (links) und seiner Frau beklatschen.

          Hamburg hat gewählt : Tschentschers Plan ist aufgegangen

          Hamburg beschert der SPD fast vergessene Glücksgefühle. Der Erste Bürgermeister bleibt im Amt. Er könnte sich sogar den Partner aussuchen. Würde er lieber mit dem Verlierer CDU regieren als mit kraftstrotzenden Grünen?

          Grüne in Hamburg : Zweiter Platz, erster Verlierer

          Die Grünen legen erheblich zu, verpassen aber schon wieder eine große Chance: in einem zweiten Bundesland zu regieren. Für Robert Habeck und Annalena Baerbock wird es damit nicht leichter, ihren Anspruch auf Platz eins bei der nächsten Bundestagswahl glaubwürdig zu machen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.