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Schuldspruch wegen Sexhandels : Muss Ghislaine Maxwell bis an ihr Lebensende ins Gefängnis?

Eine Zeichnung von Ghislaine Maxwell bei der Verkündung des Schuldspruchs im Sexhandel-Prozess am 29. Dezember Bild: Reuters

Eine Jury hat die Epstein-Komplizin Ghislaine Maxwell im Prozess um Beihilfe zum sexuellen Missbrauch Minderjähriger in fünf von sechs Anklagepunkten für schuldig erklärt. Ihr drohen Jahrzehnte Haft. Das Urteil gilt vielen als Meilenstein.

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          Der Schuldspruch gegen Ghislaine Maxwell kam vier Tage nach ihrem sechzigsten Geburtstag: Schuldig in fünf von sechs Anklagepunkten. Maxwell blieb äußerlich ruhig, als die Richterin in New York die Entscheidung der Jury am Mittwoch verkündete, nahm lediglich einen Schluck Wasser. Doch der Schuldspruch könnte bedeuten, dass sie den Rest ihres Lebens im Gefängnis verbringen wird. Es droht ihr eine Freiheitsstrafe von bis zu 65 Jahren. Wann Richterin Alison Nathan das genaue Strafmaß verkünden wird, ist bisher nicht bekannt.

          Sofia Dreisbach
          Politische Korrespondentin für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Fünf volle Tage, insgesamt vierzig Stunden, hatte die Jury aus sechs Frauen und sechs Männern über Maxwells Fall beraten, Protokolle von Zeuginnen angefordert, nach der genauen Definition juristischer Begriffe gefragt, sich wieder vertagt. Mit ihrem Schuldspruch findet nun die Affäre um Dutzende Fälle des sexuellen Missbrauchs von minderjährigen Mädchen und jungen Frauen ein vorläufiges Ende, die wesentlich weiter zurückreicht als die Verhaftung Maxwells im Juli 2020.

          Staatsanwalt Damian Williams formulierte es nach der Entscheidung am Mittwoch so: „Der Weg zur Gerechtigkeit war viel zu lang.“ Aber nun sei ihr Genüge getan. Die Jury habe Maxwell „eines der schlimmsten vorstellbaren Verbrechen für schuldig befunden“, der Beihilfe zum sexuellen Missbrauch von Kindern und der eigenen Beteiligung daran in den Jahren 1994 bis 2004.

          Epstein als Schlüsselfigur

          Zum Schluss machte Williams ein Versprechen: Die New Yorker Staatsanwaltschaft werde immer dafür kämpfen sicherzustellen, dass niemand – egal wie mächtig und wie gut vernetzt – über dem Gesetz stehe. Denn die Schlüsselfigur in allen Missbrauchsfällen, um die es im Prozess gegen Maxwell ging, war ein einst einflussreicher Mann, der Menschen wie den früheren amerikanischen Präsidenten Bill Clinton, Microsoft-Gründer Bill Gates und den Sohn der britischen Königin, Prinz Andrew, traf: Jeffrey Epstein.

          Über Jahre soll der amerikanische Finanzmanager und Multimillionär Mädchen und junge Frauen sexuell missbraucht haben – mit Hilfe von Maxwell, die unter anderem wegen sexuellen Menschenhandels mit Minderjährigen schuldig gesprochen wurde. Der Fall Epstein war in Amerika wegen einer umstrittenen Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft Florida 2008 zum Symbol für Straffreiheit für einflussreiche und vermögende Männer geworden.

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          Damals hatte der Geschäftsmann gestanden, für Klienten Minderjährige zur Prostitution angeworben zu haben und kam so mit 13 Monaten Haft davon – obwohl er im Verdacht stand, mindestens vierzig Minderjährige sexuell missbraucht zu haben. Durch das Geständnis entging er einem Verfahren vor einem Bundesgericht. Ausgehandelt wurde der Deal mit dem damaligen Staatsanwalt Alexander Acosta, der deswegen später als Arbeitsminister von Präsident Donald Trump zurücktreten musste.

          Epstein konnte sein Muster des sexuellen Missbrauchs vor allem Minderjähriger aufrechterhalten. Maßgeblich daran beteiligt gewesen sein soll Ghislaine Maxwell, die Tochter des britischen Medienmoguls Robert Maxwell. Sie hat Epstein nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft und nun auch der Jury zwischen 1994 und 2004 seine Opfer zugeführt und diese genötigt, sexuelle Handlungen an ihm vorzunehmen. Zum Teil soll sie selbst an sexuellen Übergriffen beteiligt gewesen sein. In den Schlussplädoyers des seit November laufenden Prozesses hatte die Anklage Maxwell als „gefährliche“ und „raffinierte Sexualstraftäterin“ bezeichnet. Sie habe genau gewusst, was sie tat. Staatsanwältin Alison Moe bezeichnete Maxwell gar als „Schlüssel zur ganzen Angelegenheit“.

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