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Gewalttätige Jugendliche : „Kindern Grenzen zu setzen, kommt der Gesellschaft zugute“

Salzgitter: Mitarbeiter der Spurensicherung der Polizei stehen am Tatort an einer Grünfläche, wo eine 15-Jährige vergangene Woche tot aufgefunden wurde. Bild: dpa

Nach dem Tod einer Fünfzehnjährigen stehen in Salzgitter zwei Jungen im Alter von 13 und 14 Jahren unter Mordverdacht. Was passiert mit einem Kind, das eine schwere Gewalttat begangen hat? Ein Gespräch mit dem Leiter eines geschlossenen Heims.

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          Herr Adams, Sie sind Leiter der Evangelischen Jugendhilfe in Würzburg, zu der ein geschlossenes Heim gehört. Zu Ihnen kommen auch gewalttätige Kinder und Jugendliche, die in anderen Einrichtungen nicht mehr betreut werden können. In Salzgitter stehen nach dem Tod einer Fünfzehnjährigen zwei Jungen unter Mordverdacht. Einer ist 14, der andere 13 Jahre alt. Was passiert mit einem Kind, das eine schwere Gewalttat begangen hat, aber noch nicht strafmündig ist?

          Karin Truscheit
          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          In der Regel stimmen die Eltern der Unterbringung in einem geschlossenen Heim zu. Ist das nicht der Fall, muss ein Familiengericht dies anordnen. Wenn so ein Junge zu uns kommt, schauen wir uns zunächst an, wie die Aggression einzuordnen ist: War das Ziel, den anderen leiden zu sehen und sich daran zu erfreuen? Oder war die Tat aus Angst motiviert? Gibt es eine Impulskontrollstörung? Wir machen also eine Situations- und Verhaltensanalyse und das Kind wird zudem psychiatrisch begutachtet. An dieser Diagnostik sind viele Fachleute beteiligt, Verhaltenstherapeuten, Pädagogen, Psychologen und Psychiater. Dann wird ein Therapieprogramm erstellt.

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