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„Ich hasse mich seit der Tat“ : Gewaltorgie statt Kindergeburtstag

  • -Aktualisiert am

Verhandlungsort: das Landgericht in Frankfurt am Main Bild: dpa

Ein junger Mann steht wegen versuchten Totschlags an seiner früheren Frau in Frankfurt vor Gericht. Er soll sie in Bad Homburg geschlagen, getreten und gewürgt haben. Und dabei gefilmt.

          2 Min.

          Der Angeklagte, Vater einer vierjährigen Tochter, wirkt ungemein jünger als die 25 Jahre, die er dem Richter der 21. Strafkammer des Frankfurter Landgerichts bestätigt. Seit Dienstag muss sich Domenic V. wegen versuchten Totschlags an seiner früheren Frau Viviane V. verantworten.

          Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte, der nach seinen Angaben in einer Pflegefamilie groß geworden ist und im Kindesalter das erste Mal mit Zigaretten und Bier, dann mit Kokain, Benzodiazepinen und Opiaten in Kontakt kam, in mehreren Anklagepunkten schuldig gesprochen werden: Vor ziemlich genau einem Jahr habe er seine zu dem Zeitpunkt bereits von ihm geschiedene Frau bedroht, ihrer Freiheit beraubt und körperlich misshandelt. Dabei habe er versucht, die Frau, die als Zeugin geladen ist und als Nebenklägerin auftritt, zu töten. Er soll sich außerdem seiner Festnahme widersetzt und dabei zwei Vollstreckungsbeamte leicht verletzt haben.

          Prozess wird wohl verlängert

          Trotz pandemiebedingter Zuschauerbeschränkungen ist der Verhandlungssaal gut gefüllt. Die Zuschauerplätze sind allesamt besetzt. Zusätzlich zu den beiden Gutachtern hat die Anwältin des Opfers Platz genommen. Beim Prozessauftakt herrscht eine unterschwellige Unruhe, der Richter muss die Beteiligten darum bitten, lauter zu sprechen. Der auf vier Tage angesetzte Prozess wird voraussichtlich um mindestens einen weiteren Tag verlängert werden müssen, nachdem die Verhandlung im Anschluss an die Einlassungen des Angeklagten unerwartet unterbrochen werden musste.

          Folgt man der Staatsanwaltschaft, dann haben sich Domenic V. und Viviane V. am Abend des 22. November vergangenen Jahres in der Bad Homburger Wohnung der Frau getroffen, um die Geburtstagsfeier ihrer gemeinsamen Tochter vorzubereiten. Beide trinken viel Alkohol, bei dem Opfer werden später gut eine Promille, bei dem mutmaßlichen Täter zwischen 1,59 und 2,91 Promille gemessen. Es kommt laut Staatsanwaltschaft zum einvernehmlichen Geschlechtsverkehr, der allerdings in einem Streit mündet: Domenic V. wirft der Frau vor, mit anderen Männern ins Bett zu gehen.

          Geschlagen, getreten und gewürgt

          Damit beginnen für die junge Frau zwei qualvolle Stunden: Domenic V. schlägt, tritt und würgt sein unterlegenes Opfer. Insbesondere beim Würgen habe der Angeklagte den Tod der Frau billigend in Kauf genommen, wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor. Der Angeklagte bespuckt und beißt Vivane V. Er verbiegt ihre Nase und droht ihr mit dem Messer. Dabei filmt er sie.

          Er nimmt ihr das Mobiltelefon ab und hält ihr eingehende Anrufe ihrer Mutter vor, ohne dass sie das Mobiltelefon erreichen kann. Ein erster Fluchtversuch scheitert, der Mann zieht sie zurück in die Wohnung. Jetzt bewirft er sie mit einer Rumflasche, drückt ihr das Knie in den Hals, schlägt in ihr Gesicht und droht, sie zu töten. Dann bittet sie, die Toilette benutzen zu dürfen. Er folgt ihr ins Badezimmer, zieht seine Hose herunter und uriniert auf das Opfer. Er wirft Viviane V. in die Badewanne und uriniert abermals auf sie.

          Letztlich kann die Frau auf den Flur fliehen und sich bei einem Nachbarn in Sicherheit bringen. Domenic V. wird später in seiner eigenen Wohnung festgenommen.

          Angeklagter: „Ich hasse mich“

          In drei Punkten zweifelt er vor Gericht die Darstellung der Staatsanwaltschaft an. Er könne sich nicht daran erinnern, ein zweites Mal auf sein Opfer uriniert zu haben; dies wolle er aber auch nicht ausschließen. Außerdem sei er durchaus in der Lage gewesen, auch mit herabgelassener Hose die Frau einzuholen. Er habe sich aber dazu entschieden, ihr die Flucht zu ermöglichen. Außerdem habe er sie nicht töten, sondern nur seine Macht demonstrieren wollen.

          Seit der Gewaltorgie hasse er sich, sagte der Angeklagte. „Überall Hass“, sagte der Vorsitzende Richter nach einem langen Blick in die Akte. Das bringe niemanden weiter.

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