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Nahkauf in Frankfurt-Nied : Alkohol, Drogen, Aussichtslosigkeit

  • -Aktualisiert am

Ende Juli kam es zu offener Konfrontation zwischen Jugendlichen und Polizei. (Symbolbild) Bild: dpa

Jugendliche handeln mit Drogen und greifen Polizisten an: Die Spannungen rund um dem Nahkauf in Frankfurt-Nied nehmen zu. Anwohner weisen auf Probleme rund um den Supermarkt hin und schlagen Lösungen vor.

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          Anwohner eines Supermarkts in Nied fühlen sich in ihrer Nachbarschaft nicht mehr sicher. Sie beschweren sich über Jugendliche, die Drogen konsumieren und damit handeln. Der Präventionsrat hatte die Bürger am Mittwoch nach ihren Eindrücken gefragt. Anlass war ein Vorfall Ende Juli, bei dem Jugendliche vor dem Nahkauf an der Dürkheimer Straße zwei Polizisten verletzt hatten. Die Beamten waren wegen eines Anrufs des Marktleiters angerückt, den die Jugendlichen bei einer Auseinandersetzung mit Pfefferspray verletzt hatten. Ein Beteiligter widersetzte sich der Polizeikontrolle und wurde fixiert. Daraufhin griffen umstehende Jugendliche die Beamten an.

          Die Bürgerbefragung war laut Schutzfrau Jana Kaiser schon länger geplant, aus aktuellem Anlass habe man sie nun schnellstmöglich in die Wege geleitet. Außer der Schutzfrau und einem Vertreter des Präventionsrats waren auch die Quartiersmanagerin Marja Glage und der Verein Kind in Nied vertreten. „Vorschläge für ein gutes Miteinander“ wurden an einer Pinnwand gesammelt.

          Alkohol, Drogen, Lärm

          Vor allem Anwohner des Schauplatzes nutzten die Gelegenheit, um ihre Bedenken zu äußern. Seit mehr als zehn Jahren verschlimmere sich die Lage am Nahkauf stetig, teilte ein Anwohner mit. Als Hauptprobleme nannten die Nachbarn Alkohol, Drogen und den Lärmpegel am Abend. Die Polizei wisse vom Drogenhandel, doch die organisierten Jugendlichen würden gewarnt, sobald das Polizeiauto auf dem Weg sei. Die Jugendlichen seien längst weg, bis die Beamten einträfen. Mehrere Augenzeugen berichteten, dass einige Jugendlichen bewaffnet seien.

          Zwei ältere Damen erzählten, dass sie abends nicht mehr einkaufen gingen. Auch beim Döner um die Ecke holten sie schon lange kein Essen mehr. Die Anwohner waren sich einig, dass man den Parkplatz des Supermarkts auch tagsüber nicht nutzen könne. Dort werde gegrillt, die Jugendlichen führen mit E-Scootern unachtsam zwischen den Autos umher.

          Das Parkplatzproblem habe man schon angepackt, berichtete die Schutzfrau. Ein Bauzaun mit Plane umgab früher den Parkplatz, sodass dieser nur schwer einsehbar gewesen sei. In Absprache mit dem Marktleiter sei der Zaun nun entfernt worden. Die Sorgen der Anwohner sind Kaiser, die seit drei Jahren für Nied zuständig ist, nicht neu. Viele Bürger suchen ihre Sprechstunde auf oder kontaktieren sie telefonisch, seit dem Vorfall vor dem Nahkauf steige die Nachfrage. Kaiser möchte etwas verändern, doch sie appelliert auch an die Umstehenden. Allein könne sie keine Veränderung herbeiführen, zudem müsse man einen langen Atem haben.

          Die Jugend braucht einen Treffpunkt

          Was macht den Nahkauf zu einem beliebten Treffpunkt? „Man kann Alkohol kaufen“, antworteten drei Jugendliche. Für sie ist der Nahkauf schon lange der Treffpunkt in Nied, „alle kommen hier hin“. Die Auseinandersetzung mit der Polizei Ende Juli verurteilen die jungen Männer. Man müsse jedoch auch ihre Perspektive einnehmen: Sie wünschen sich mehr Respekt von der Polizei. Diese differenziere nicht zwischen den Jungen und sei oft sehr schroff. Auch der Marktleiter zeige wenig Respekt und habe sie schon häufig aus seinem Laden geworfen.

          Die Anwohner weisen auf ein weiteres Merkmal des Nahkaufs hin: Es gibt dort kostenloses WLAN. Es sollte ihrer Meinung nach abgestellt werden, denn es verleite ebenfalls zum Verweilen. Allgemein wünschen sie sich mehr Einsatz vom Marktleiter. Der Mann berichtet, dass er schon ein Hausverbot gegen mehrere Jugendliche ausgesprochen habe. Manche würden klauen; die Kassierer hätten Angst, dagegen vorzugehen. Sein Ziel ist es, die Jugendlichen vor dem Laden zu „vertreiben“. Einkaufen könnten sie aber weiterhin, wenn sie sich an die Regeln halten.

          Quartiersmanagerin Glage wünscht sich eine kooperative Lösung. Die Jugend brauche einen Treffpunkt. Eventuell könne eine neutrale Person zwischen Jugendlichen und Marktleiter vermitteln. Auch den Anwohnern ist bewusst, dass Nied der Jugend nur wenige Möglichkeiten zur Beschäftigung bietet. Den Trimm-dich-Pfad, der gerade gebaut wird, halten sie nicht für zielführend. Fördermöglichkeiten für die Jugendlichen, die teilweise in schwierigen Verhältnissen leben, sollten im Fokus stehen.

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