https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/gewalt-in-der-partnerschaft-113-frauen-und-14-maenner-in-2021-getoetet-18484919.html

Im vergangenen Jahr : 113 Frauen und 14 Männer durch Partnerschaftsgewalt getötet

In einem Frauenhaus in Herne, Nordrhein-Westfalen Bild: dpa

Meist sind die Täter Männer, die Opfer Frauen. Innenministerin Nancy Faeser warnt vor Verharmlosung: Gewalt kann mit psychischem Druck und Stalking beginnen und beim Mord enden.

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          In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der Opfer von Gewalt in Partnerschaften insgesamt um 3,4 Prozent gestiegen. Betroffen sind vor allem Frauen, während die Täter meist Männer sind. Im Jahr 2021 waren 80,1 Prozent der Opfer weiblich und 78,8 Prozent der Täter männlich.

          Heike Schmoll
          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

          Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hat Betroffene deshalb zur Anzeige der Taten ermutigt. Das Dunkelfeld sei weiterhin sehr groß und die Anzeigedichte leider gering, beklagte die Ministerin am Donnerstag in Berlin bei der Vorstellung der Statistik des Bundeskriminalamts (BKA) zu Gewalt in der Partnerschaft.

          Laut Statistik wurden 2021 insgesamt 113 Frauen und 14 Männer durch den Partner oder ehemaligen Partner ge­tötet. Am häufigsten ist mit knapp 60 Prozent der angezeigten Fälle die Körperverletzung. Jeder vierte registrierte Fall bezieht sich auf Bedrohung, Stalking und Nötigung. Die Gewalt geht demnach in etwa 60 Prozent der Fälle vom aktuellen Partner aus, in den anderen Fällen von einem ehemaligen Partner. Gut jeder dritte Tatverdächtige war zwischen 30 und 40 Jahre alt. Etwa jeder vierte tatverdächtige Mann stand unter Alkoholeinfluss, bei den Frauen etwa jede fünfte. Zwei von drei Tatverdächtigen häuslicher Gewalt waren deutsche Staatsangehörige.

          Geschlechtsspezifische Gewalt klar benennen

          „Gewalt kann jede Frau treffen“, in allen gesellschaftlichen Schichten und in jedem Alter, sagte die Leiterin des Hilfetelefons „Gewalt gegen Frauen“, Petra Söchting, in Berlin. Das Angebot verzeichnete während der beiden Corona-Lockdowns einen Anstieg der Anfragen um rund fünf Prozent.

          Faeser warnte vor Verharmlosungen: „Wenn Männer Frauen töten, weil sie Frauen sind, dann ist es angemessen und auch notwendig, von Femizid zu sprechen.“ In Deutschland wird statistisch an fast jedem dritten Tag eine Frau von ihrem Partner oder ehemaligen Partner getötet, global werden alle elf Minuten ein Mädchen oder eine Frau durch einen Partner oder Familienangehörigen umgebracht. Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) kündigte an, das Netz von Frauenhäusern und Beratungsstellen zu stärken und eine einheitliche Rechtsgrundlage zu schaffen, „um die Hilfeeinrichtungen verlässlich finanziell absichern zu können“.

          BKA-Präsident Holger Münch versprach, das Dunkelfeld weiter auszuleuchten, indem in einer gemeinsam mit dem Bundesinnenministerium und dem Bundesfamilienministerium verantworteten Befragung Gewalterfahrungen erhoben werden, die nicht der Polizei gemeldet wurden. Als Ursachen für Gewalt nannte Münch eigene Gewalterfahrungen, patriarchalische Einstellungen, tradierte Rollenmuster und Stress.

          Unterdessen hat Bundesjustiz­minister Marco Buschmann (FDP) angekündigt, geschlechtsspezifische Gewalt auch als solche zu benennen und „geschlechtsspezifische“ Motive in die Strafzumessungsvorschrift Paragraph 46 Strafgesetzbuch aufzunehmen. Der ­entsprechende Gesetzentwurf liege vor, und er hoffe, dass ihn das Kabinett bald verabschieden werde.

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