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Getötete Journalistin : Regierung bietet hohe Belohnung für Tathinweise

  • Aktualisiert am

Malta trauert um eine kritische Stimme Bild: Reuters

Am Vorabend einer großen Demonstration in der Hauptstadt Valletta will der maltesische Premier Muscat die Aufklärung des Mordes an einer Journalistin mit einer Belohnung vorantreiben. Doch die Söhne des Opfers sind dagegen.

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          Nach dem Mord an einer kritischen Bloggerin auf Malta bietet die Regierung eine Million Euro für die Aufklärung des Anschlags. Die regierungskritische Journalistin Daphne Caruana Galizia war letzte Woche durch eine Autobombe auf der Insel getötet worden. Die Regierung sei entschlossen, den Mord aufzuklären und die Täter vor Gericht zu bringen, hieß es in einer Mitteilung am Samstag.

          Caruana Galizia hatte zuletzt unter anderem einen Skandal um die sogenannten Panama Papers aufgedeckt. Dabei beschuldigte sie auch Mitarbeiter von Premierminister Joseph Muscat, Übersee-Briefkastenfirmen zu betreiben. Auch Tage nach dem Anschlag gibt es offiziell keine heiße Spur, wer das Attentat verübt haben könnte.

          Die drei Söhne der Journalistin hatten die Idee, mit einer hohen Belohnung die Fahndung nach den mutmaßlichen Attentätern zu forcieren, abgelehnt. Sie seien "nicht an einer strafrechtlichen Verurteilung interessiert", die nur denen in der Regierung nutze, die von dem "Mord an unserer Mutter profitieren"  und die dann sagen wollten, "der Gerechtigkeit wurde Genüge getan".

          Der Regierungschef habe sie um Zustimmung zu der Auslobung der Belohnung gebeten, sagten die Söhne der getöteten 53-Jährigen, Matthew, Andrew und Paul. "So kann er sie bekommen: Zeigen Sie politische Verantwortung und treten Sie zurück." Und vor einem Rücktritt  könne Muscat noch dafür sorgen, dass der Polizeichef und der Generalstaatsanwalt durch furchtlose Beamte ersetzt würden, die gegen "ihn und diejenigen, die er deckt", ermittelten.

          Sie warfen Muscat vor, ihre Mutter "finanziell kaputt gemacht und so brutal und wirksam entmenschlicht" zu haben, dass sie sich nicht mehr sicher gefühlt habe.  Tatsächlich hatte Muscat die Journalistin erst jüngst in der italienischen Zeitung "La  Repubblica" erneut als seine "größte Gegnerin" bezeichnet. Caruana Galizia habe ihn seit seiner Zeit als Oppositionsführer "angegriffen".

          Demonstration in Valletta geplant

          Am Sonntag wollen in der Hauptstadt Valletta tausende Menschen für eine rasche Aufklärung und gegen Korruption im politischen System demonstrieren. Weltweit wurde der Anschlag verurteilt. Kritiker werfen der Regierung in Valletta vor, dass das System von Korruption zerfressen sei. Auch habe die Mafia die Insel unterwandert.

          „Der Fall ist von außerordentlicher Bedeutung und verlangt außerordentliche Maßnahmen - Gerechtigkeit muss getan werden, egal was es kostet“, erklärte die Regierung. Jeder, der relevante Informationen an die Behörden weitergebe, könne mit vollem Schutz rechnen.

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