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Tote Familie in Brandenburg : Fünf Ballons für die Toten

Bild: Imago

In Königs Wusterhausen herrscht nach dem gewaltsamen Tod einer Familie Ratlosigkeit. Impfgegner geben auch der Politik eine Mitschuld.

          4 Min.

          Vor dem Haus mit der Nummer 13 am Rand der Siedlung Krüpelsee ist am Straßenrand eine improvisierte Gedenkstätte entstanden: Kerzen, Blumen und Kuscheltiere. Die Hofeinfahrt ist mit einem rot­weißen Plastikband abgesperrt. Jemand hat fünf bunte Luftballons daran gebunden, auf denen die Namen der Personen stehen, die bis zum Wochenende in dem frisch verputzten Neubau gelebt haben. Ein Elternpaar und seine drei Töchter im Grundschul- und Kindergartenalter. Am Torpfosten hängt ein Brief, der an das älteste der Mädchen adressiert ist. Unter einem Schmetterling aus fliederfarbenem Riffelkarton steht da in Kinderschrift: „Dein Lachen wird mir fehlen. Du wirst mir fehlen. Ich werde dich als meine beste Freundin vermissen.“ Neben eine Kerze auf den Pflastersteinen hat jemand einen Zettel gelegt mit der Aufschrift: „Diese Kerze brennt nur für die Kinder.“

          Julia Schaaf
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
          Caroline O. Jebens
          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Am Samstagmittag ist in dem Neubau in Senzig, einem Ortsteil der Stadt Königs Wusterhausen südöstlich von Berlin, eine tote Familie entdeckt worden. Schnell wurde bekannt, dass die Polizei nicht weiter nach einem Täter sucht. Die Ermittler gehen davon aus, dass der 40 Jahre alte Vater seine Frau und Kinder und dann sich selbst erschossen hat, die Pistole soll er ­illegal besessen haben. Senzig, 3500 Einwohner, drei Seen und zwei, drei Gast­stätten, fiel daraufhin in „Schockstarre“, wie es Ortsvorsteher Alexander Pohle ausdrückt. „Wir müssen uns hier alle erstmal neu sortieren“, sagt er am Telefon. Mehr nicht. Aber solche Taten, die oft als „Familiendrama“ oder „erweiterter Suizid“ bezeichnet werden, ohne die Gewalttätigkeit des Geschehens hinreichend zum Ausdruck zu bringen, passieren immer wieder.

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