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Upskirting : Unbemerkt übergriffig

„Upskirting“ nennt man es, wenn Frauen ungewollt unter den Rock fotografiert wird. Passieren kann das überall. Bild: plainpicture/Readymade-Images/Al

Es passiert immer wieder: Männer, die Frauen unter den Rock fotografieren. in England soll das sogenannte Upskirting bald als sexuelle Übergriff geahndet werden. Und in Deutschland?

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          Fast jede Frau, die schon einmal auf dem Oktoberfest war, hat erlebt, wie jemand den Rock ihres Dirndls hochhebt. Oft passiert es, wenn man im Zelt auf der Bierbank steht und mitsingt. Manchmal passiert es beim Anstehen oder in der Menschenmenge. Die Männer sind meistens berauscht von den ersten Maß Wiesnbier und entsprechend enthemmt, was die Sache nicht besser macht und schon gar nicht entschuldigt. Sie heben den Rock und wollen druntergucken, drunterkrabbeln, oder sie halten das Handy drunter und drücken auf den Auslöser. Manche glauben, dass das wahnsinnig witzig ist, andere verstehen es als Anmachversuch. Manchmal – und das sind die schlimmsten Fälle – sind sie aggressiv. Ob das Dirndl traditionell lang ist oder ein knappes Touristen-Modell, spielt überhaupt keine Rolle. Es kann jeden erwischen.

          Anna-Sophia Lang

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Deshalb gilt für Frauen auf der Wiesn die goldene Regel: immer etwas Schützendes über die Unterwäsche anziehen. Eine kurze Hose, eine abgeschnittene Strumpfhose oder eine blickdichte Panty. Es ist eine Regel, die es eigentlich gar nicht geben dürfte. Dennoch gilt sie vermutlich insgeheim für viele Volksfeste, Fasching, Festivals. Nicht nur in Deutschland. Es sind ja nicht nur die Männer hier, die unter Röcke glotzen. Wie viele Frauen allein in Europa wohl solche Erfahrungen gemacht haben? Eine Statistik gibt es dazu nicht. Nur immer wieder Fälle, in denen die Frauen versucht haben, sich juristisch zu wehren. Zum Beispiel, weil der Mann ihnen unter den Rock fotografiert hat. „Upskirting“ nennt man das inzwischen auch in Deutschland. „Up“ wie „nach oben“ und „skirt“ wie Rock.

          Wo die Fotos landen ist schwer herauszufinden

          Immer mal wieder werden solche Vorfälle öffentlich. Wie Anfang Juni, als ein 35 Jahre alter Mann im ICE zwischen Erfurt und Nürnberg seinem schlafenden Opfer zwischen die Beine fotografierte. Auf seinem Handy entdeckte die Polizei eine Vielzahl ähnlicher Aufnahmen. Im September 2016 saß eine Frau in Düsseldorf um sieben Uhr morgens in der S-Bahn und hatte die Augen geschlossen. Ein Mann legte sich auf den Boden und fotografierte von unten ihren Genitalbereich. Im Juli 2015 stand eine Mainzerin auf der Rolltreppe im Kaufhaus und spürte eine Bewegung hinter sich. Als sie sich umdrehte, zog ein Mann hinter ihr schnell die Hand mit dem Handy unter ihrem Rock hervor. Die Polizei vermutet, dass bei der überwiegenden Zahl der Übergriffe Frauen aber gar nichts bemerken.

          Wo die Fotos dann landen, ist schwer zu ermitteln. Werden sie weitergeschickt? Gelangen sie auf zwielichtige Websites? Das Netz ist voll von Pornoseiten, auf denen die Bilder geteilt werden. Männer geben sich gegenseitig Tipps, wie sie es am besten anstellen, solche Fotos selbst zu machen.

          Die Engländerin Gina Martin hat erlebt, wie aufwühlend es sein kann, Opfer solcher Taten zu werden. Im Sommer 2017 war sie mit ihrer Schwester beim Summer-Time-Musikfestival im Londoner Hyde Park. Die beiden, so erzählte Martin es später der BBC, warteten aufgeregt auf die Band The Killers, die sie schon als Teenager gehört hatten. „Zwei Männer standen neben uns, und nach einer Weile wurden sie furchtbar unangenehm.“ Einer der beiden starrte sie permanent an und rückte ihr schließlich unangenehm nah, indem er seinen Körper an ihrem rieb. „Ich glaube, da ist es passiert“, sagte Martin, „irgendwann schob er sein Handy zwischen meine Beine, drehte die Kamera nach oben und machte Fotos von meinem Schritt – am helllichten Tag.“ Anschließend zeigte er die Bilder seinem Freund. So bemerkte Martin, was passiert war. Sie schnappte ihm das Handy aus der Hand und schaffte es wegzulaufen, obwohl er sie bedrängte und verfolgte. Nachdem die Polizei den Vorfall aufgenommen hatte, sagte der Beamte zu ihr: „Ich musste das Foto leider angucken. Es zeigt mehr, als Ihnen lieb wäre, aber nicht alles. Deshalb können wir nicht viel machen.“ Hätte Martin keine Unterwäsche getragen, wäre der Fall wahrscheinlich anders ausgegangen. So wurde er zu den Akten gelegt.

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