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Gerichtsurteil : Eigenes Kind verhungern lassen: 13 Monate Haft

  • Aktualisiert am

Die Tat bleibt rätselhaft: Wochenlang zog die junge Mutter durch Bars und Diskotheken und ließ ihren kleinen Sohn in der verwahrlosten Wohnung zurück, wo er qualvoll starb.

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          Drei Jahre nach dem einsamen Hungertod ihres verlassenen Kindes ist die 24jährige Mutter wegen Mordes zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. In der zweiten Auflage des Prozesses erkannte das Landgericht Berlin der Frau am Mittwoch wegen psychischer Störungen verminderte Schuldfähigkeit zu. Ein erstes Urteil auf lebenslange Haft hatte der Bundesgerichtshof im April aufgehoben.

          Die Angeklagte hatte eingeräumt, ihren zweijährigen Sohn im November 2001 in ihrer verdunkelten und verwahrlosten Wohnung zurückgelassen zu haben. Sie kehrte wochenlang nicht zurück, sondern zog nach eigenen Angaben durch Discotheken und Cafés. Der Junge verdurstete und verhungerte nach Darstellung von Gutachtern qualvoll nach einem drei Tage währenden Todeskampf. Zwei Monate später wurde die mumifizierte Leiche gefunden.

          Ursprüngliches Strafmaß kritisiert

          Der Bundesgerichtshof hatte das Strafmaß des ersten Urteils in Frage gestellt. Nach einem neuen psychologischen Gutachten ging nun auch die Staatsanwaltschaft von verminderter Schuldfähigkeit der Frau aus. Sie war als Jugendliche aus Rußland gekommen und hatte einen Werdegang zwischen Weglaufen von zu Hause, Gelegenheitsprostitution, Drogen und Selbstmordversuchen hinter sich. Die Staatsanwaltschaft hatte dennoch wegen des grausamen Sterbens des Jungen 14 Jahre Haft beantragt - 15 Jahre waren die mögliche Höchststrafe.

          Die Verteidiger plädierten hingegen wegen der besondern seelischen Not der Mutter und ihre Tat „durch Unterlassung“ statt aktiven Tuns auf eine Strafe „deutlich unter acht Jahren“. Die Angeklagte hatte für ihr Handeln keine Erklärung gegeben. Vorher hatte sie sich nach Angaben von Zeugen gut um ihren Sohn gekümmert.

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