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Gerichtsprozess : Ärzte entlasten Prinz Ernst August

  • -Aktualisiert am

Ernst August Prinz von Hannover (links) zu Beginn des Wiederaufnahmeverfahrens mit seinem Anwalt Bild: ddp

Im Verfahren um schwere Körperverletzung vor neun Jahren in Kenia hat Ernst August von Hannover einen Punktsieg erzielt. Drei Mediziner haben vor Gericht ausgesagt, das Opfer habe keine schweren Verletzungen - etwa durch einen Schlagring - gehabt.

          Auch der Vorsitzende Richter, dem man eine besondere Sympathie für den Angeklagten Ernst August Prinz von Hannover wohl nicht nachsagen kann, zeigt sich am Ende der dreistündigen Aussage beeindruckt. Er dankt dem kenianischen Arzt Madhu Patel, dem Leiter einer Intensivstation einer Klinik in Mombasa, ausdrücklich mit Handschlag. Gleich drei Mediziner haben am Donnerstag und Freitag vor Gericht beteuert, schwere Verletzungen, etwa durch einen Schlagring, habe das Opfer Josef Brunlehner nicht gehabt. Brunlehner sei zudem, anders als er behauptet hatte, stets bei vollem Bewusstsein gewesen.

          Beim Prozess, der das Landgericht Hildesheim seit Mitte Juni beschäftigt, geht es darum, ob vor neun Jahren der Chef des Welfenhauses dem in Kenia lebenden Hotelier und Barbesitzer Brunlehner „nur“ zwei Ohrfeigen gab, wie es der Angeklagte eingesteht, oder er ihn mit einem Schlagring verprügelt hat. Das wäre eine gefährliche und nicht nur einfache Körperverletzung. Ernst August hatte den ihm zuvor unbekannten Barbesitzer angegriffen, weil dieser in seiner Diskothek auf der Insel Lamu so laute Musik spielte, dass sich der Deutsche in seiner Ruhe gestört fühlte. Richter Andreas Schlüter hatte vergeblich versucht, den angeklagten Prinz von Hannover, den Staatsanwalt und den Nebenkläger Brunlehner zum Einlenken zu bewegen. So müssen sich ein Richter, zwei Schöffen, fünf Anwälte, ein Gutachter, eine Übersetzerin und zahlreiche aus Kenia eingeflogene Zeugen im Wiederaufnahmeverfahren sechs Monate lang um Aufklärung bemühen. Wer verliert, wird hohe Kosten zu tragen haben und möglicherweise wegen Falschaussage angeklagt.

          Leichte Schwellungen und Kratzer

          In einem Fernsehfilm, angeblich aufgenommen in der Intensivstation in Mombasa, gab sich Brunlehner als schwer verletzt mit sechs Rippenbrüchen. Dass er überlebt habe, sei ein Wunder, behauptet der Nebenkläger, der als geltungssüchtig gilt und vor Gericht seinem Ruf auch gerecht wurde. Er sagte, er sei in ein künstliches Koma versetzt und künstlich beatmet worden – beides bestreitet der Arzt Madhu Patel, der Brunlehner im Januar 2000 in Mombasa behandelt hatte. Der erstbehandelnde Assistent Ahmed Said Ahmed bestätigt die Aussagen Patels und weist auf nur leichte Schwellungen und Kratzer des Opfers hin.

          Der Arzt Muinde Kisia, der Brunlehner im bestellten Rettungsflugzeug begleitete, berichtete am Freitag, der Verletzte habe vergnügt und munter gewirkt. Erst im Blitzlichtgewitter etlicher Kameras habe das Opfer sich plötzlich „vor Schmerzen gekrümmt“; sobald die Fotoreporter wieder verschwunden waren, habe Brunlehner aufgehört zu stöhnen. Der Barbesitzer, so sehen es auch die Verteidiger Ernst Augusts, habe sein Leid nur inszeniert.

          Klarer Punktsieg

          Die Anwälte des Nebenklägers bleiben ebenso schweigsam wie der Staatsanwalt. Der Welfenprinz hat einen klaren Punktsieg erzielt. Einer der drei Anwälte von Ernst August, Hans Wolfgang Euler aus Frankfurt, behauptet, ein von Brunlehner vorgelegter Polizeibericht sei eine „Totalfälschung“, was Zeugen belegen könnten. Patel bestätigt, die in dem Polizeibericht erwähnten „schweren Verletzungen“ widersprächen in mehreren Punkten seinen Untersuchungen. Ein kenianischer Arzt habe den Bericht jedenfalls nicht ausgestellt.

          Brunlehner sei, so Patel, in der Intensivstation stets von drei Medizinern gemeinsam behandelt worden. Sie befanden übereinstimmend, der Patient habe einen Bluterguss unter dem Schulterbein gehabt und zwei oberflächliche Quetschungen im Bauchbereich. Röntgenaufnahmen, das Abtasten aller Rippen und weitere Untersuchungen hätten gezeigt, dass es keine Brüche, keine Blutungen und keine erkennbaren inneren Verletzungen gegeben habe – nur die Behauptung Brunlehners, er habe Schmerzen. Nach zwei Tagen in der Intensivstation und zwei weiteren im Krankenzimmer sei der Patient dann auf eigenen Wunsch entlassen worden.

          Das von Notizen gestützte Gedächtnis Patels und seine detaillierten Erklärungen von Abläufen im Hospital haben offenbar auch den deutschen Sachverständigen erstaunt. Zum Auftakt der Verhandlung hatte es noch geheißen, die medizinischen Geräte in der Intensivstation entsprächen dem Stand der fünfziger Jahre. Die Klinik hatte aber 1998 die modernsten Geräte in Deutschland und den Vereinigten Staaten bestellt und später sogar noch ergänzt.

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