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Gericht will Abschiebung : Keine Sicherungshaft in „Zementmord“-Fall

Der Angeklagte Deniz E. kommt trotz seiner Gefährlichkeit nicht in Sicherungshaft. Bild: dpa

Das Stuttgarter Landgericht schließt sich damit nicht der Staatsanwaltschaft an. Zuvor gab es unterschiedliche Gutachten von Psychiatern.

          Das Stuttgarter Landgericht hat für den 2008 zu einer zehnjährigen Jugendstrafe verurteilten Mörder Deniz E. keine Sicherungsverwahrung angeordnet. Das Gericht will, dass der Straftäter in die Türkei abgeschoben wird und zehn Jahre nicht wieder nach Deutschland einreisen darf. Deniz E. war nach Jugendstrafrecht zu einer Höchststrafe verurteilt worden, weil er im August 2007 den Gymnasiasten Yvan S. aus Eifersucht brutal ermordet, mit zwei Mittätern zerstückelt und die Leichenteile seines Opfers in Blumenkübel einbetoniert hatte. Der Strafprozess um den „Zementmord“ hatte wegen der außerordentlichen Brutalität der Täter Aufsehen erregt.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Die Staatsanwaltschaft hatte wegen der hochgradigen Gefährlichkeit des Täters die Anordnung der Sicherungsverwahrung abermals beantragt. Das Gericht schloss sich dem Antrag aber nicht an. Psychiatrische Gutachter hatten Deniz E.s Gefährlichkeit unterschiedlich eingeschätzt. Justizvollzugsbeamte hatten in dem Verfahren berichtet, Deniz E. habe in der JVA Heimsheim das Stromnetz mit einem umgebauten Wasserkocher manipuliert. Er soll an mehreren Schlägereien beteiligt gewesen sein, außerdem zerstörte er drei Haftzellen. Ein ehemaliger Anstaltsleiter bezeichnete ihn als „Zeitbombe“.

          2016 musste er in zerstörungssichere Hafträume in der JVA Bruchsal verlegt werden. Einer psychiatrischen Therapie verweigerte er sich. Deniz E. wird so schnell nicht aus der Haft entlassen und abgeschoben werden, weil noch weitere Verfahren anhängig sind.

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