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Vereinigte Staaten : Georgia richtet Frau hin – trotz Gnadengesuchs des Vatikans

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Juni 2004: Kelly Gissendaner in ihrer Zelle Bild: AP

Zum ersten Mal seit 70 Jahren haben die Strafvollzugsbehörden in Georgia eine Frau hingerichtet. Zahlreiche Geistliche baten vergeblich um Gnade für Kelly Gissendaner. Sogar der Vatikan schaltete sich ein.

          Im amerikanischen Bundesstaat Georgia ist zum ersten Mal seit 70 Jahren eine Frau hingerichtet worden. Die Todesstrafe von Kelly Gissendaner wurde am frühen Mittwochmorgen per Giftspritze vollstreckt, wie eine Sprecherin der Strafvollzugsbehörden mitteilte. Am Dienstagabend hatte die zuständige Behörde ein letztes Gnadengesuch für die einzige Frau im Todestrakt von Georgia abgelehnt.

          Gissendaner hatte im Februar 1997 ihren damaligen Liebhaber angeheuert, ihren Ehemann zu töten, um dessen Lebensversicherung zu kassieren. Der Liebhaber sagte 1998 gegen Gissendaner aus und wurde daraufhin zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Gissendaners Hinrichtung war in diesem Jahr bereits zwei Mal verschoben worden, zunächst wegen des Winterwetters und dann wegen Problemen mit der Giftmischung.

          Papst: Jedes Leben ist heilig

          Zahlreiche Geistliche und auch der Apostolische Nuntius in den Vereinigten Staaten, Erzbischof Carlo Maria Vigano, hatten um Gnade für die 47 Jahre alte Mutter dreier Kinder gebeten. Vigano erklärte am Dienstag in seinem Schreiben an Georgias Gnadenkommission, er bitte „im Namen des Heiligen Vaters“ um Gnade für Gissendaner. Papst Franziskus hatte bei seinem Amerika-Besuch vergangene Woche betont, jedes Leben sei heilig, und die Gesellschaft gewinne, wenn Straftäter rehabilitiert würden.

          Nach Auffassung von Freunden und Unterstützern ist Gissendaner in der Haft ein vollkommen neuer und tief gläubiger Mensch geworden. Gissendaner hat im Gefängnis Theologie studiert, unter anderem mit der Ethikprofessorin Jennifer McBride vom lutherischen Wartburg College in Iowa. Gissendaners „Transformation“ habe sich auch bei ihrer Fürsorge für Mithäftlinge gezeigt, schrieb McBride in der jüngsten Ausgabe der Kirchenzeitung „The Lutheran“.

          Nach Angaben des Death Penalty Information Center ist Gissendaner die 16. Frau, die seit Wiedereinführung der Todesstrafe in den Vereinigten Staaten im Jahr 1976 hingerichtet wurde. Die Todesstrafe ist in 32 der 50 Staaten sowie auf Bundesebene erlaubt, die Zahl der Hinrichtungen geht seit Jahren aber beständig zurück.

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