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In Haft: Derek Chauvin auf einem Foto der Polizei Bild: HENNEPIN COUNTY SHERIFF'S OFFICE

Hang zu Aggressivität : Derek Chauvin fiel schon vor George Floyds Tod auf

  • -Aktualisiert am

Unter den Knien von Derek Chauvin starb George Floyd. Dass der Polizist schon in der Vergangenheit Härte und Unnachgiebigkeit zur Schau trug, zeigen Recherchen der „New York Times“.

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          Bis zum 25. Mai blieb Derek Chauvin meist unscheinbar. Mitschüler der Park High School in Cottage Grove, einem Vorort von Minneapolis, erinnern sich kaum noch an den heute Vierundvierzigjährigen, unter dessen Knie der Afroamerikaner George Floyd im Mai starb. In den Jahrbüchern, an amerikanischen Bildungsstätten das „Who is Who“, tauchte Chauvin in den letzten Jahren seiner Schulzeit nicht einmal mehr auf Fotos auf. Auch als Wachmann für eine Sicherheitsfirma hinterließ er kaum Eindruck. „Das heißt, dass er weder besonders engagiert noch schwierig war“, erinnerte sich sein früherer Chef jetzt im „Wall Street Journal“.

          Erst die Uniform des Minneapolis Police Department, die Chauvin fast 19 Jahre lang trug, verlieh ihm Konturen. Die Organisation Communities Against Police Brutality trug mindestens 18 Beschwerden über den ehemaligen Beamten zusammen. Nach Zwischenfällen mit „abfälliger Sprache“ oder „herablassendem Ton“ beließen seine Vorgesetzten es bei mündlichen Ermahnungen, zweimal schickte man Chauvin eine schriftliche Verwarnung. Am 26. Mai 2020, einen Tag nach George Floyds Tod, wurde er schließlich entlassen.

          Dass Chauvin schon in der Vergangenheit Härte und Unnachgiebigkeit zur Schau trug, zeigen Recherchen der „New York Times“. Jugendliche, die mit einem Spielzeuggewehr einen Schaumstoffpfeil aus einem Auto schossen, blickten 2013 in den Lauf seiner Dienstwaffe, bevor er ihnen mit dem „big boy jail“ drohte. Kollegen des dritten Polizeibezirks, eines der gefährlichsten in Minneapolis, beschreiben ihn als strengen Workaholic mit Hang zu Überreaktionen und Aggression.

          „Er ist ein echter Gentleman“

          Zu anderen Beamten soll Chauvin meist Distanz gehalten haben. Sein Faible für brenzlige Situationen brachte ihm aber auch Respekt ein. Für Festnahmen bewaffneter Bandenmitglieder, Einsätze bei häuslicher Gewalt und die Überwältigung eines Verdächtigen, der ihn mit einer Schrotflinte bedrohte, wurde Chauvin wiederholt belobigt und mit Tapferkeitsmedaillen ausgezeichnet.

          Chauvins Privatleben bleibt derweil skizzenhaft. Am Tag nach Floyds Tod sprach seine Ehefrau Kellie den Angehörigen ihr Beileid aus – und reichte nach fast zehn Jahren die Scheidung ein. Wie amerikanische Medien berichten, war die Fünfundvierzigjährige als Flüchtling aus Laos in die Vereinigten Staaten gekommen. Nach einer Ausbildung zur Röntgenassistentin traf sie Anfang 2010 im Hennepin County Medical Center ihren späteren Ehemann, der einen Straftäter zu einer Untersuchung begleitete. „Unter seiner Uniform ist er ein Softie. Er ist ein echter Gentleman, der mir die Tür aufhält und in den Mantel hilft“, beschrieb sie Chauvin bei einem Schönheitswettbewerb.

          In den vergangenen Jahren soll sich das Paar auseinandergelebt haben. Kellie Chauvin, die 2018 zur „Mrs. Minnesota“ gekürt wurde, widmete sich ihren Kindern aus erster Ehe und ausgesetzten Hunden. Ihr Ehemann arbeitete nach den Schichten im Streifenwagen als Wachmann des Clubs El Nuevo Rodeo. Ob Chauvin dort auch auf Floyd traf, der in dem Club als Türsteher beschäftigt war, blieb bislang offen. Nach Anklagen wegen Mordes und weiterer Vergehen wartet Chauvin im Gefängnis auf den Prozess im Frühjahr 2021. Bei einem Schuldspruch drohen ihm bis zu 40 Jahre Haft.

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