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Gekaperte Luxusyacht : Franzosen fangen Piraten

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Geiselnahme friedlich beendet: Die Besatzung des Luxusseeglers „Le Ponant” ist wieder frei Bild: dpa

Aufatmen in Frankreich: Eine Woche nach der Kaperung des Luxusseglers „Le Ponant“ vor der somalischen Küste sind die 30 Besatzungsmitglieder wieder frei. Über die Einzelheiten schwieg der Élyséepalast zunächst. Aus Militärkreisen hieß es, Verhandlungen hätten zur Beendigung der Geiselnahme geführt.

          Kurz nach der Freilassung der 30 Besatzungsmitglieder des vor einer Woche von somalischen Piraten gekaperten französischen Luxusseglers „Le Ponant“ haben französische Soldaten sechs Piraten festgenommen. Nach einer „knappen Stunde“ seien sie durch eine „Hubschrauber-Aktion“ gestellt worden, teilte der französische Generalstabschef Jean-Louis Georgelin mit. Hierbei hätten die Soldaten auch Warnschüsse abgegeben. Zu einem Schusswechsel sei es jedoch nicht gekommen. Die „Ponant“ war am 4. April auf einer Überführung ohne Passagiere vor der somalischen Küste gekapert und zu einer Piratenhochburg im autonomen Puntland entführt worden. An Bord befanden sich rund 30 Besatzungsmitglieder, unter ihnen 22 Franzosen und sechs Philippiner. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy dankte am Freitag „den französischen Streitkräften und allen Staatsdiensten, die es ermöglicht haben, dass diese Geiselnahme schnell und ohne Zwischenfälle beendet wurde.“

          Lösegeld-Frage unklar

          Nach Angaben Georgelins sind die Verhandlungen mit den Piraten von der Reederei der „Ponant“ geführt worden. „Es liegt beim Reeder aufzudecken, worin diese Verhandlungen bestanden.“ Nach Einschätzung von Fachleuten forderten die Piraten für die Freigabe der französischen Yacht vermutlich einen Millionenbetrag.

          Das Luxusschiff „Ponant” nach der Kaperung durch Piraten am 4. April

          Im Schnitt dauert es einen Monat, bis vor Somalia gekaperte Schiffe mit ihrer Besatzung gegen Zahlung von Lösegeld wieder freikommen. Frankreich drang auf eine schnelle Verhandlungslösung, setzte aber auch Sondereingreiftruppen in Marsch, um den Bemühungen um die Freilassung der Geiseln Nachdruck zu verleihen. Auch eine französische Fregatte und ein Aufklärungsflugzeug von der französischen Basis in Dschibuti beobachteten die Lage auf der Luxus-Yacht.

          263 Piratenangriffe im Jahr 2007

          Kouchner rief die internationale Gemeinschaft auf, weltweit mehr gegen Piraterie zu unternehmen. Er erklärte, Frankreich organisiere die schnellstmögliche Heimkehr der Ex-Geiseln. „Die internationale Gemeinschaft muss sich mobilisieren, um entschlossen gegen die Piratenakte im Golf von Aden und vor den somalischen Küsten zu kämpfen.“ Frankreich sei bereit, im Rahmen der Vereinten Nationen über sein bisheriges Engagement hinaus zu gehen. Dazu liefen Diskussionen in New York.

          2007 gab es 263 offiziell registrierte Piratenangriffe, doch nicht alle Vorfälle werden bekannt. Manchmal zahlen die Reedereien lieber heimlich Lösegeld. Nur selten machen die Überfälle der somalischen Piraten Schlagzeilen wie im Falle der französischen Luxusjacht. So befindet sich seit dem 1. April ein jemenitischer Kutter samt Besatzung in ihrer Gewalt, ohne dass dies Aufsehen erregt. Die oft mit Panzerfäusten und automatischen Waffen ausgerüsteten Piraten greifen meist mit schnellen offenen Booten an. Seit die Seewege möglichst weit von der Piratenküste weg gelegt wurden, werden auch Fischkutter als unverdächtige Mutterschiffe eingesetzt, von denen auf hoher See die kleinen Motorboote ausgesetzt werden.

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