https://www.faz.net/-gum-12vk3

Geiselnahme : Seniorenbande entführt Geschäftsmann

  • Aktualisiert am

Trügerische Idylle am Chiemsee Bild: AP

Ein Sondereinsatzkommando der Polizei hat in Chieming die Entführung eines 56 Jahre alten Mannes beendet. Die Beamten drangen in das Haus eines 74 und 79 Jahre alten Ehepaars ein und befreiten den Mann. Das Opfer schuldete den insgesamt fünf Festgenommenen viel Geld.

          2 Min.

          Die Polizei hat eine spektakuläre Geiselnahme im bayerischen Chieming unblutig beendet. Ein 56 Jahre alter Mann aus Speyer (Rheinland-Pfalz) war demnach bereits am Dienstag gewaltsam verschleppt und nach mehrtägiger Gefangenschaft von einem Spezialeinsatzkommando in der Nacht zum Samstag aus dem Keller eines Privathauses befreit worden. Hintergrund für die Entführung sind nach ersten Ermittlungen hohe Schulden des Opfers, wie die Polizei Rosenheim am Sonntag mitteilte.

          Als Tatverdächtige nahmen die Beamten zwei Ehepaare aus Oberbayern, darunter eine 79 Jahre alte Frau, sowie einen 60 Jahre alten Amerikaner fest. Darunter sind auch die Eigentümer des Anwesens in Chieming am Ostufer des Chiemsees. Auf ihre Spur waren die Polizisten über einen Bekannten des Opfers gekommen. Dieser hatte den Angaben zufolge Hinweise auf den Aufenthaltsort gegeben. Gegen alle fünf Festgenommenen wurde Haftbefehl beantragt. In den Vernehmungen seien die Schilderungen von Opfer und Tatverdächtigen ziemlich deckungsgleich gewesen, erklärte die Polizei.

          Prellungen und Rippenbrüche

          Nach ersten Ermittlungen hatten der Amerikaner und der 74 Jahre alte Eigentümer des Hauses in Chieming dem 56 Jahre alten Mann am Dienstagabend vor dessen Wohnung in Speyer aufgelauert. Sie fesselten ihn mit einem Klebeband und schlugen vermutlich auch auf ihn ein. Der Mann trug dabei Prellungen und zwei Rippenbrüche davon. Anschließend bugsierten die Männer den Gefesselten in den Kofferraum eines Autos und brachten ihn über Nacht nach Bayern. Im Keller des Hauses im Chiemgau sperrten sie den Mann in einen Raum. Ein Fluchtversuch während einer „Zigarettenpause“ misslang.

          Der Hinweisgeber hatte sich am späten Freitagabend bei der Polizei in Rosenheim gemeldet und mitgeteilt, dass ein Bekannter von ihm aus Speyer offensichtlich gewaltsam im Raum Traunstein festgehalten werde. Über die Polizei in Speyer brachten die bayerischen Beamten in Erfahrung, dass der 56 Jahre alte Mann dort seit Dienstag als vermisst gemeldet war. Nach einer Überprüfung seiner Wohnung ging die Polizei von einer Entführung aus, weitere Ermittlungen führten nach Chieming.

          Am frühen Samstagmorgen drang ein Spezialeinsatzkommando aus München von mehreren Seiten gleichzeitig in das Gebäude ein. Im Keller fanden die Beamten in dem abgesperrten Raum den Mann. Auch die Bewohner und mutmaßlichen Tatverdächtigen befanden sich in dem Haus: der 74 Jahre alte Mann und seine 79 Jahre alte Ehefrau sowie der 60 Jahre alte Amerikaner. Alle drei ließen sich widerstandslos festnehmen.

          Erhebliche offene Geldforderungen

          Hintergrund für die Entführung sind nach ersten Ermittlungen Geschäftsverbindungen zwischen den Beteiligten, die erhebliche offene Geldforderungen haben sollen. In diesem Zusammenhang erlaubten sie dem Opfer auch ein Telefonat. Dabei gelang es dem Mann, den vermutlichen späteren Hinweisgeber auf seine prekäre Lage und auf seinen Aufenthaltsort aufmerksam zu machen.

          Ins Visier der Ermittler geriet auch ein Ehepaar aus dem Raum Schliersee, das festgenommen wurde. Das Paar war während der vier Tage dauernden Geiselnahme auch einmal in dem Haus im Chiemgau. Die Eheleute sprechen ebenfalls von offenen Geldforderungen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der thüringische Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) ärgert sich über Thüringens Ruf als deutsches Niedriglohnland. Er fordert mehr Geld für die Industriearbeiter.

          SPD-Spitzenkandidat : „Thüringen hat zu niedrige Löhne“

          Den thüringischen Wirtschaftsminister und SPD-Spitzenkandidaten Wolfgang Tiefensee stört, dass seine Heimat als deutsches Niedriglohnland gilt. An die Unternehmen appelliert er: Behandelt eure Mitarbeiter endlich besser.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.