https://www.faz.net/-gum-xspk

Geiselbefreiung vor Somalia : Angeblich deutsche Fregatte gegen Piraten dabei

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Bei der französischen Militäraktion zur Befreiung der Jacht „Tanit“ aus Piratenhand war nach Informationen der Website lepoint.fr angeblich auch die deutsche Fregatte „Mecklenburg- Vorpommern“ im Einsatz. Ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam wollte das gegenüber FAZ.NET jedoch nicht bestätigen.

          4 Min.

          Bei der französischen Militäraktion zur Befreiung der Jacht „Tanit“ aus Piratenhand war nach Informationen der Website lepoint.fr angeblich auch die deutsche Fregatte „Mecklenburg- Vorpommern“ im Einsatz. Ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Potsdam wollte das gegenüber FAZ.NET jedoch nicht bestätigen.

          Das Schiff der Bundesmarine verfüge über gute Lazaretteinrichtungen, berichtete lepoint.fr am Samstag. Bei der Befreiung der „Tanit“ am Karfreitag war der französische Skipper getötet worden. Drei andere Geiseln kamen frei. Alle Piraten wurden überwältigt oder getötet.

          Krisensitzungen im Elysée-Palast

          Die französische Kriegsmarine hatte nach offiziellen Angaben die drei Fregatten „Aconit“, „Floréal“ und „Commandant Ducuing“ im Einsatz. Die Zahl der beteiligten Soldaten sei viel höher gewesen als mitgeteilt, schreibt lepoint.fr.

          Das gekaperte deutsche Schiff Hansa Stavanger

          So seien 70 Soldaten der Marinekommandos im Einsatz gewesen. 20 von ihnen seien aus Dschibuti und 50 aus Frankreich geholt worden, darunter Scharfschützen und Kampfschwimmer. Dazu seien Agenten des Geheimdienstes DGSE gestoßen. Mehr als 70 Mann seien mit Fallschirmen von einem Flugzeug Hercules C-130 im Meer abgesetzt worden.

          Koordiniert wurde der Einsatz vom taktischen Kommandozentrum Cofusco von Lorient in der Bretagne. Dazu gab es regelmäßig Krisensitzungen im Élyséepalast mit Präsident Nicolas Sarkozy und den Spitzen der Militärs. Sarkozy habe direkt entschieden.

          Nervenkrieg um entführten Amerikaner geht weiter

          Die Piraten arbeiteten wie die Seeräuber des 18. Jahrhunderts. Aufgebrachte Schiffe würden von den Befehlshabern schnell an Kommandos niederen Ranges übergeben. Die könnten nicht alleine entscheiden. Im Falle der „Tanit“ hätten die Befehlshaber an Land in abgehörten Gesprächen „radikale Befehle“ gegeben, heißt es. So sollten sich die muslimischen Piraten im Falle eines Angriffes mit der Jacht und den Geiseln in die Luft sprengen.

          Derweil ging der Nervenkrieg um den entführten amerikanischen Schiffskapitän Richard Phillips im Indischen Ozean weiter: Seeräuber sollen am Samstag mit gekaperten Schiffen Kurs auf das zwischen Kriegsschiffen im Indischen Ozean treibende Rettungsboot genommen haben, auf dem vier ihrer „Kollegen“ den 53-jährigen Kapitän der „Maersk Alabama“ als Geisel gefangen halten.

          Die neue Strategie der Piraten, fern der somalischen Küste und angesichts der internationalen Marinestreitmacht nicht mehr im Golf von Aden zuzuschlagen, hat sich in diesem Fall gegen die Seeräuber selbst gewendet. Denn mit dem Zerstörer „USS Bainbridge“ und der Fregatte „USS Halyburton“ sind bereits zwei Kriegsschiffe vor Ort, ein drittes wurde am Samstag binnen 24 Stunden erwartet.

          Angeblich Einsatz der GSG9 erwogen

          Dagegen müssen die Piratenschiffe von der somalischen Küste 500 Kilometer zurücklegen und die Marineschiffe aus Deutschland, Frankreich, Indien und anderen Staaten passieren.

          Das Auswärtige Amt in Berlin wollte sich zu dem Fall nicht äußern. Es erklärte, der Krisenstab des Ministeriums arbeite unverändert intensiv an der Freilassung der Seeleute an Bord der „Hansa Stavanger“. Die Bundesregierung hatte Medienberichten zufolge eine Befreiung der „Hansa Stavanger“ durch die Eliteeinheit GSG 9 erwogen.

          Nach Angaben des Magazins „Der Spiegel“ scheiterte die Aktion aber daran, dass die Seeräuber das Containerschiff der Hamburger Reederei „Leonhardt und Blumberg“ zu schnell zu ihrem Stützpunkt in der Bucht von Harardere an der somalischen Küste brachten. Laut „Focus“ kam es zudem zu einem Zuständigkeitsstreit zwischen dem Bundesinnenministerium und dem Verteidigungsministerium.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Gestärkt: Der türkische Staatspräsident Erdogan spricht am Sonntag mit türkischen Journalisten

          Türkische Offensive : Erdogans Gewinn

          Wieder einmal stärkt eine Krise, die der türkische Staatspräsident ausgelöst hat, seine innenpolitische Stellung. Die ausbleibende internationale Unterstützung aber dürfte einen hohen Preis haben.
          Zweimal Gündogan: Kimmich schreit seine Erleichterung über die Treffer des Kollegen heraus.

          3:0 für Deutschland : Geduldsspiel in Tallinn

          Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft muss einen frühen Platzverweis von Emre Can verkraften, gewinnt aber nach zähem Beginn 3:0 in Estland. Gündogan trifft zweimal, Werner setzt noch einen drauf.
          Was denkt die Queen über den Brexit? Die britische Königin Elisabeth II. im Mai 2019.

          Brexit-Streit : Die Queen liest Johnson

          Elisabeth II. trägt an diesem Montag im Unterhaus das Regierungsprogramm des Premierministers Boris Johnson vor. Im Zentrum steht der Brexit-Prozess, der gerade in einer entscheidenden Phase ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.