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Mexiko : Geflohener „wohlstandskranker“ Texaner festgenommen

  • Aktualisiert am

In Mexiko gefasst: Ethan Couch Bild: AP

Vier Menschen fährt der 16 Jahre alte Ethan Couch tot. „Wohlstandskrank“ kommt er mit einer Bewährungsstrafe davon. Dann setzt er sich ab – und wird festgenommen. Mit gefärbten Haaren und nicht weit von zu Hause entfernt.

          Schlecht gelaunt blickt der junge Mann aus schmalen Augen in die Kamera der Polizei. Sein blaues Hemd ist bis unter den Bauchnabel geöffnet, seine Hände sind hinter den Rücken gefesselt. Die Haare und der fusselige Bart sind dunkel gefärbt. Die Flucht des Ethan Couch ist zu Ende, und auch dabei hat er sich nicht sehr schlau angestellt.

          Der Abend des 15. Juni 2013. Dies wird später in der Anklageschrift stehen: Couch und Freunde stehlen Bier, trinken und fahren mit einem Pick-up los. Eine Frau hat eine Autopanne, ruft eine Freundin an, die kommt mit ihrer Tochter zu Hilfe. Auch ein Jugendpfarrer hält an dem gestrandeten Fahrzeug.

          In diese Gruppe rast Couch. Er steuert einen tonnenschweren Ford F350 (Hubraum bis zu 6,7 Liter, Einstiegsmotorisierung 283 PS). Alle vier sterben. Zwei der sieben Freunde, die auf der Ladefläche des Trucks saßen, werden in die Luft geschleudert und schwer verletzt. Eine Blutprobe ergibt bei Couch 2,4 Promille. Das ist dreimal mehr als erlaubt.

          Von den Eltern verwöhnt

          Der Prozess landet vor einem Jugendgericht. Die Verteidiger: Couchs reiche Eltern trügen einen Großteil der Schuld. Ein Psychiater: Der Teenager leide an „Affluenza“, sei maßlos von den Eltern verwöhnt worden, entgrenzt aufgewachsen und mithin unfähig, die Konsequenzen seines Handelns zu erkennen. „Affluenza“, ein Verschnitt aus „affluent“ (wohlhabend) und „influenza“ (Grippe), gilt der Ärztevereinigung American Psychiatric Association nicht als Diagnose.

          Couch wird wegen vierfachen Totschlags und zweifacher schwerer Körperverletzung schuldig gesprochen. Er soll 20 Jahre in Haft, aber Jugendrichterin Jean Boyd in Fort Worth lässt den Teenager mit zehn Jahren auf Bewährung davonkommen. Ein Proteststurm rauscht durch das Land. Couch sei ein verwöhnter Nichtsnutz, gleiches Recht für alle.

          Das Ganze geschah in Texas, ganz im Süden der Vereinigten Staaten. Im angrenzenden Mexiko wurde Ethan Couch jetzt mit seiner Mutter Tonya (48) festgenommen, wie die Staatsanwaltschaft des Bundesstaats Jalisco mitteilte. Am Montagabend um 18.00 Uhr Ortszeit fasste die mexikanische Polizei den heute 18 Jahre alten Couch im beliebten Strandort Puerto Vallarta an der Pazifikküste. Couch und seine Mutter wurden demnach der Einwanderungsbehörde übergeben, die sie in ihr Heimatland abschieben wird.

          Nach einem sechssekündigen Video aus dem Staub gemacht

          Couch hatte sich vermutlich aus dem Staub gemacht, weil ihn ein Video (sechs Sekunden, hochgeladen bei Twitter am 2. Dezember) bei einer rauschenden Party zeigen soll: Couch soll einer derjenigen sein, die begeistert um einen Tisch voller Bierbecher stehen, auf dem ein fröhlicher junger Mann mit Anlauf bäuchlings landet.

          Alkoholkonsum verbieten die Auflagen der Bewährung. Couch schwänzt einen Termin mit seinem Bewährungshelfer. Couch setzt sich ab. Das Verlassen des Bezirks ist ihm ebenfalls verboten.

          Das nahe Mexiko als Ziel war vielleicht keine gute Idee, dort hatten die Strafverfolger Couch vermutet. CNN berichtet außerdem, Couch sei über sein angeschaltetes Handy gefunden worden: „Also wenn das stimmt, so was von einem Anfängerfehler, kaum zu glauben, das weiß doch wirklich jeder“, meinte ein Rechtsexperte des Senders.

          Der Sheriff von Tarrant County, Dee Anderson, war schon mit Beginn von Couchs Flucht stocksauer: „Ich wusste, dass er in weitere Schwierigkeiten gerät.“ Mit hochrotem Kopf sagt Anderson am Dienstag bei CNN: „Jetzt muss Couch dran sein. Und seine Mutter auch. Ich hoffe wirklich, dass wir sie jetzt eine ganze Weile einsperren können.“

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