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Youtube : Wenn das Schweinchen plötzlich gequält wird

  • -Aktualisiert am

Peppa Pig ist eine beliebte Zeichentrickserie, die auf Youtube aber auch in bitterbösen Satiren aufgegriffen wird. Bild: Screenshot

Youtube ist wegen gefälschter Zeichentrickfilme, die Kinder verstören können, in die Kritik geraten. Andere Videos sind noch weit problematischer – sie ziehen Pädophile an.

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          Peppa Wutz ist eine Zeichentrickfigur, die für Vorschulkinder gedacht ist. Im britischen Original heißt das Schweinchen Peppa Pig. Videos, in denen es mit seiner Familie einen Ausflug macht, eine Weihnachtsbescherung erlebt oder Pfannkuchen isst, sind auf Youtube sehr beliebt. Sie werden millionenfach geklickt. Manches Kind könnte dabei jedoch eine böse Überraschung erleben. Auf Youtube gibt es Peppa-Pig-Videos, die vordergründig dem Original entsprechen, tatsächlich aber häufig bitterböse Satiren sind. In ihnen setzt zum Beispiel ein Zahnarzt dem Schweinchen mit einer monströsen Spritze zu, Peppa Pig trinkt Bleichmittel oder isst gar ihren Vater.

          Es mag Erwachsene und Jugendliche geben, die solche Videos goutieren. Für die eigentliche Zielgruppe von Peppa Pig – drei, vier Jahre alte Kinder –,  sind sie ein Graus und verstörend. „Jemand nutzt Youtube, um systematisch Kinder zu ängstigen, zu traumatisieren und zu missbrauchen“, sagt der britische Publizist James Bridle. Er hat jüngst in einem Blogbeitrag beschrieben, dass Videos dieser Art im Herbst noch immer problemlos auf der Plattform zu finden waren, obwohl das Phänomen schon länger bekannt ist. Bridle vermutet, dass manche der Videos von den Machern sogar extra mit harmlosen Betitlungen hochgeladen werden, um Kinder zu schockieren. Eine wichtige Rolle spielten wohl auch Algorithmen, die automatisch Videos zusammenstellen.

          400 Stunden Videomaterial werden auf Youtube pro Minute hochgeladen

          Vor kurzem veröffentlichte Youtube selbst eine Mitteilung. Man habe neue Richtlinien für Videoproduzenten entworfen und die Maßgaben verändert, nach denen Videos nur für Erwachsene einzusehen sind. Auch plaziere man fortan keine Werbung mehr zu Videos, die Zeichentrickfiguren wie Peppa Pig  „mit gewalttätigem, übergriffigem oder anderen Arten von unangemessenem Verhalten zeigen“, selbst wenn es sich dabei um Satire handeln sollte. Den Personen oder Firmen, die solche Videos hochladen, entgehen so Werbeeinnahmen, an denen sie normalerweise partizipieren würden. Auch sind viele der Videos und Kanäle, über die Bridle geschrieben hatte, nicht mehr auf Youtube zu finden.

          Völlig frei von solchen und vergleichbaren Filmen ist die Plattform aber weiterhin nicht – und wird es auf absehbare Zeit wohl auch nicht sein. Das ist strukturell bedingt. Laut Youtube-Sprecher Henning Dorstewitz werden auf der Plattform weltweit pro Minute 400 Stunden Videomaterial hochgeladen. Eine Vorabprüfung jedes einzelnen Videos durch Menschen sei daher nicht möglich. Außerdem gebe es Länder, „in denen es extrem wichtig ist, dass man anonym und schnell Videos hochladen kann“, sagt Dorstewitz.

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