https://www.faz.net/-gum-7pgay

Gangsterrapper Twain Gotti : Mörderlyrik vor Gericht

Die Polizei ist nur neidisch: Twain Gotti in seiner Zelle im städtischen Gefängnis in Newport News. Bild: F.A.S.

In Virginia beginnt heute das Verfahren gegen den Gangster-Rapper Twain Gotti. Die Staatsanwältin kann seine Verse als Beweismittel verwenden. Der Angeklagte sagt: Ich habe nicht getötet, der Text ist Kunst.

          8 Min.

          In seinem Rap, sagt Twain Gotti, geht es immer um sein Leben. „Ich komme aus dem Kampf, von der Straße, es ist hart, verstehst du.“ Jeden Tag, sagt der Schwarze, verschwinden Leute aus diesem Leben. Sie töten sich mit Drogen. Sie werden getötet wegen Drogen. Oder sie enden in einer Zelle, weil sie getötet haben.

          Andreas Ross
          Verantwortlicher Redakteur für Nachrichten und Politik Online.

          Twain Gotti, der eigentlich Antwain Steward heißt, klammert sich an die Musik. Vor sechs Jahren legte er los, da war er sechzehn. „Ich habe einfach nicht mehr aufgehört. Das war der Unterschied zwischen mir und allen anderen, die haben nicht Druck gemacht wie ich, immer weiter, immer weiter. Irgendwann habe ich Geld damit verdient.“ Viel ist es bisher nicht.

          Steward wuchs ohne Vater auf. Seinen drei Kindern will der 22 Jahre alte Rapper ein Vorbild sein. „Damit meine ich nicht, dass sie wie ich werden und über Hardcore-Zeug rappen sollen. Es geht darum, dass man seinen Traum verfolgt. Egal, ob du Sport machst oder rappst oder tanzt, bleib dran!“

          Von den anderen Häftlingen ferngehalten

          Das Problem ist: Antwain Steward sitzt selbst im Knast. Er soll vor sieben Jahren zwei Männer erschossen und, so sieht es die Polizei, danach in einem Rap damit geprahlt haben. Wie es sich für Rapper gehört, brüstet Steward sich, dass seine Musik „kein Fake“ ist. Jetzt muss er ein Gericht überzeugen, dass der Liedtext seiner Phantasie entsprang. Kritiker des Verfahrens sagen: Eine Kunstform steht vor Gericht.

          Steward wartet seit 304 Tagen in Zelle 314 des städtischen Gefängnisses von Newport News im Südosten Virginias auf die Hauptverhandlung, die am Dienstag beginnen soll. An der einen Zellenwand ist seine Pritsche befestigt, gegenüber hängen Fotos von den Kindern neben einem kleinen Fernseher. In den Spülkasten der Stahltoilette ohne Deckel ist ein Waschbecken eingelassen. An der Decke surren eine Neonlampe und ein Belüfter. Fenster gibt es nicht. Sein Essen bekommt Steward durch einen Schlitz in die Zelle geschoben.

          Von den anderen gut 400 Häftlingen wird er ferngehalten, „administrative segregation“ heißt das auf Amtsamerikanisch. Die Staatsanwältin befürchtet, der Angeklagte könnte Gang-Kollegen Kommandos erteilen, Zeugen einschüchtern oder sie gar beseitigen lassen. Einmal die Woche ist Besuch gestattet, telefonieren darf Steward nicht. Die Zelle verlässt er nur, wenn ihn die Wärter morgens zur Dusche bringen. Oder wenn er, an guten Tagen, für eine Stunde auf den Hof kann, zum Basketballspielen gegen sich selbst.

          Universelle Musik und Millionen von Platten als Ziel

          Mit seinem Rap, sagt Antwain Steward alias Twain Gotti, „spreche ich für die Leute im Viertel und in zig anderen Vierteln der Nation“. Er will „universelle Musik machen und Millionen von Platten verkaufen“. Doch fürs Erste hat ihn seine Musik hinter Gitter gebracht. Jedenfalls sieht sein Anwalt das so.

          Die Ankläger lassen sich noch nicht in die Karten gucken, aber Stewards Pflichtverteidiger James Ellenson sagt, der Rapper sei wegen „Ride Out“ eingebuchtet worden, eines Frühwerks. Vor fünf Jahren hat Steward das billig produzierte Video ins Netz gestellt. Voriges Jahr glaubte ein Polizist in den Versen die Protzerei eines Mörders zu erkennen.

          Walked to your boy and I approached him / Twelve midnight on his traphouse porch and / Everybody saw when I motherfuckin choked him / But nobody saw when I motherfuckin smoked him / Roped him, sharpened up the shank then I poked him / 357 Smith & Wesson mean scoped him, roped him.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Umweltschützer protestieren vor Regierungsgebäuden in Belgrad gegen die Lizenzvergabe an Rio Tinto.

          Aus für Lithiumprojekt : Serbien und eine erste Antwort an Australien

          Die Welt braucht mehr Lithium, denn die werden für Autobatterien benötigt. Für Serbien schien der Aufschluss von Europas größter Lithium-Mine damit wie ein Sechser im Lotto zu sein. Jetzt bläst die Regierung das Projekt überraschend ab – wenige Tage nach der Ausweisung von Tennisstar Djokovic.