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Pilotprojekt in Bayern : Sichtschutzwände sollen Gaffer fernhalten

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Nach einem schweren Verkehrsunfall im nördlichen Bremen 2015 haben Rettungskräfte während der Bergungsarbeiten einen Sichtschutz aufgebaut. Bild: dpa

Das Smartphone zücken, ein paar Bilder machen, ein Video drehen – während andere um das Leben von Unfallopfern kämpfen. Auch Bayern setzt nun Sichtschutzwände ein, um Gaffer abzuhalten.

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          Ein Unfall mit einem Feuerwehrauto, ein Mann stirbt: Für die Rettungskräfte in Coburg ist es ein schwerer Einsatz. Und dann kommen Gaffer und machen zusätzlich Probleme. Stefan Probst, Sprecher der Coburger Polizei, kann auch wenige Tage später immer noch nur mit dem Kopf schütteln, wenn er an die Szene denkt. „Das könnte man sich sparen, das ist unnötige Arbeit für uns“, sagt er. Auch beim schlimmen Busbrand mit 18 Toten Anfang Juli auf der Autobahn 9 haperte es nicht nur an der Rettungsgasse. Polizei und Feuerwehr beklagten auch Gaffer, die auf der Gegenfahrbahn ungeniert die Smartphones zückten, um Bilder zu machen und Videos zu drehen.

          Drei Männer behinderten 2015 in Niedersachsen nach einem tödlichen Unfall die Arbeit der Rettungskräfte. Es kam zu Handgreiflichkeiten, die Männer mussten sich später vor Gericht verantworten.

          Mit ihren Aktionen behindern Gaffer nicht nur den Verkehr, indem sie zusätzliche Staus auslösen oder durch Abbremsen neue Unfälle verursachen. Sie stören auch oft die Rettungskräfte bei ihrer Arbeit oder blockieren Rettungswege. Und verletzen die Persönlichkeitsrechte der gefilmten und fotografierten Opfer.

          Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) will reagieren. Zwei Autobahnmeistereien in Bayern werden in einem Pilotprojekt mit Sichtschutzwänden ausgestattet, um Unfallstellen vor neugierigen Blicken zu schützen. Bis zu 100 Meter lange Sichtbarrieren können bei schweren Unfällen aufgebaut werden. In anderen Bundesländern wird das längst praktiziert, in Nordrhein-Westfalen zum Beispiel seit 2015.

          „Die Idee ist gut und richtig“

          Jan Velleman von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in NRW sagt: „Die Idee ist gut und richtig.“ Allerdings sei die Anwendbarkeit nicht so einfach. In der ersten Phase eines schweren Unfalls auf der Autobahn sei das Risiko von Folgeunfällen durch Gaffer besonders hoch – und da seien in der Regel noch keine Sichtschutzwände da. Bei längeren Einsätzen und Bergungsarbeiten sei es jedoch gut, wenn die Wände aufgebaut seien. „Sie sind aber kein Allheilmittel.“

          Man müsse den Menschen immer wieder vor Augen führen, wie moralisch verwerflich das Filmen und Fotografieren von Unfalleinsätzen sei. Zudem sei es gefährlich, wenn dadurch der Verkehr behindert werde.

          Das Gaffen kann eine Ordnungswidrigkeit sein, aber auch den Straftatbestand von unterlassener Hilfeleistung, gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr oder die Verletzung von Persönlichkeitsrechten erfüllen. „Das ist ein weites Feld und meistens ein Sammelsurium mehrerer Tatbestände“, sagt der Polizist Probst. Im Fall des tödlichen Unfalls von Coburg komme auch noch der Verdacht auf Nötigung und Beleidigung hinzu. Ein Mann mit Smartphone soll einen Feuerwehrmann angepöbelt und mit Schlägen gedroht haben.

          „Das Ausmaß ist viel größer geworden“

          Besonders ärgert es Probst, dass die zwei Streifenpolizisten, die sich mit den Gaffern beschäftigt haben, nicht für andere Einsätze zur Verfügung standen. „Wir können unserer ursprünglichen Aufgabe nicht nachkommen“, sagt er.

          Bei größeren Unfällen gerade auf Autobahnen bleibt das Gaffen jedoch oft ungeahndet – aus einfachem Grund: „Die Einsatzkräfte vor Ort haben anderes zu tun“, sagt Velleman. Wo man aber Beweise habe, werde konsequent nachgefasst.

          Dass Gaffer nicht nur einen schnellen neugierigen Blick auf Unfallstellen richten, sondern anhalten und damit sich und andere gefährden, habe es schon immer gegeben, sagt Polizist Probst. Nur: Smartphones und soziale Netzwerke hätten das Problem enorm verschärft, Clips und Fotos von Unfällen würden immer häufiger und immer schneller im Internet veröffentlicht. „Das Ausmaß ist viel größer geworden.“

          Beim Busbrand auf der A9 in Münchberg haben sich die Rettungskräfte noch selbst geholfen – ohne Sichtschutzwände. Feuerwehrfahrzeuge wurden vor dem ausgebrannten Wrack geparkt und Planen gespannt. So konnten die Leichen ohne die Blicke von Gaffern geborgen werden.

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