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Gabrielle Giffords : Wir wollen einfach glauben

  • -Aktualisiert am

Gabrielle Giffords geht nach Washington: Die Abgeordnete in einem offiziellen Foto von 2010 Bild:

Vor sechs Monaten überlebte die beliebte Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords schwer verletzt ein Attentat. Stück für Stück kämpft sie sich seither zurück. Doch in die Hoffnungen ihrer Mitarbeiter und Wähler mischt sich auch eine Menge Ernüchterung.

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          Schon der erste Auftritt von Gabrielle Giffords, vier Monate nach dem Attentat auf ihr Leben, war auffallend dezent ausgefallen – auffallend nicht zuletzt deshalb, weil viele zuvor unermüdlich die Hoffnung auf eine Art Wunderheilung der lebensgefährlich verletzten amerikanischen Kongressabgeordneten beschworen hatten. Beim Start der Raumfähre „Endeavour“, die ihr Mann Mark Kelly am 16. Mai auf der letzten Mission ins All kommandierte, erlaubten die Ärzte der Einundvierzigjährigen zwar die Reise zum Kennedy Space Center, doch dort blieb Giffords überraschend im Hintergrund.

          Wie ihre Stabschefin Pia Carusone knapp mitteilte, habe „Gabby“ das Spektakel vor den Fernsehkameras versteckt im Rollstuhl auf dem Dach des Kontrollturms beobachtet. „Sie blickte zu mir hoch und sagte ,Gute Arbeit, gute Arbeit‘“, berichtete Carusone, nachdem Kelly durch ein Meer von Feuer und Rauch ins Universum verschwunden war. Mit dem Ehering ihres Mannes um den Hals und einem Strauß roter Rosen begab sich Giffords umgehend wieder auf die Rückreise in die Reha-Klinik nach Houston, ohne den etwa 500 000 Besuchern auch nur einmal zugewinkt zu haben.

          Die „Tragödie von Tucson“

          Wie zu erwarten, setzten prompt Spekulationen über den Gesundheitszustand der demokratischen Abgeordneten aus Arizonas achtem Kongresswahlbezirk ein. Nach den nicht enden wollenden positiven Nachrichten aus Giffords’ Krankenzimmer hatten viele Amerikaner gehofft, die seit der „Tragödie von Tucson“ am 8. Januar zu einer Art Volksheldin avancierte Giffords in vertrauter Gestalt wiederzusehen. Schließlich waren ihre Fortschritte vier Monate lang als ein ungetrübter Siegeszug der Medizin präsentiert worden, der die leiseste Kritik fast blasphemisch scheinen ließ.

          Präventivmaßnahme: Eins von zwei gerade bei „Facebook” veröffentlichten aktuellen Bildern von Giffords
          Präventivmaßnahme: Eins von zwei gerade bei „Facebook” veröffentlichten aktuellen Bildern von Giffords : Bild: Reuters

          Schon unmittelbar nach den Schüssen des geisteskranken Jared Lee Loughner während einer samstäglichen Bürgersprechstunde, mit denen er insgesamt 19 Menschen traf, hatten sich die Ärzte mit ermunternden Einschätzungen überschlagen. Trotz des Kopfschusses, der Giffords getroffen hatte, äußerte sich der Neurologe Peter Rhee nur Stunden nach dem Attentat „sehr optimistisch“ über Giffords’ Gesundheitszustand. Drei Tage später prophezeite Rhee der beliebten Politikerin vor der Presse „eine Überlebenschance von 101 Prozent“.

          „Die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Heilung liegt bei null“

          Giffords’ Familie sprach derweil von „Wundern“, während ihre Mitarbeiter am Montagmorgen nach dem Unglück wie gewohnt die Türen des Abgeordnetenbüros aufschlossen. Ron Barber, einer ihrer Mitarbeiter, der damals mit Schussverletzungen nur ein paar Zimmer von Giffords entfernt in der Universitätsklinik in Tucson lag, hatte am Sonntag selbst zum Telefonhörer gegriffen, um ihr Team entsprechend zu instruieren. Barbers Chefin lag unterdessen im Koma und sein junger Protégé Gabe Zimmerman im Leichenschauhaus. Wie weitere fünf Menschen hatte der 30 Jahre alte ehemalige Sozialarbeiter Loughners Schüsse nicht überlebt; 13 Menschen wurden verletzt. Dennoch schien das „Office of Gabrielle Giffords“ bereit, ohne Unterbrechung ihre Wiederwahl im Jahr 2012 zu betreiben. Hatte nicht auch Präsident Obama bei seinem Besuch in Tucson mit dem Satz „Gabby ist härter im Nehmen als jeder andere“ die Zähigkeit seiner Parteikollegin beschworen?

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