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Leichenfund im Fall Petito : „Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich um Brian Laundrie handelt“

  • -Aktualisiert am

Polizisten suchen im September im weitläufigen Carlton Reserve nach Petitos verschollenem Freund. Bild: dpa

In einem Landschaftsschutzgebiet sind menschliche Überreste entdeckt worden. Die amerikanische Bundespolizei hält es für wahrscheinlich, dass es sich um den verschwundenen Freund der getöteten Gabby Petito handelt.

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          Die angeblichen Sichtungen von Brian Laundrie in Mexiko, Kanada und auf dem Appalachian-Weg in North Carolina waren wohl Verwechslungen. Fünf Wochen nach dem Verschwinden des 23 Jahre alten Amerikaners, der verdächtigt wird, seine Verlobte Gabrielle „Gabby“ Petito getötet zu haben, sind in einem Landschaftsschutzgebiet in Florida Leichenteile entdeckt worden.

          Wie die amerikanische Bundespolizei (FBI) am Mittwoch wenige Stunden nach dem Fund bestätigte, stellten die Ermittler im Myakkahatchee Creek Environmental Park auch Laundries Rucksack und ein Notizbuch sicher. „Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es sich um Brians sterbliche Überreste handelt. Aber wir müssen die forensischen Untersuchungen abwarten“, teilte Steven Bertolino, der Anwalt der Familie Laundrie, mit. Der Gouverneur von Florida, Ron DeSantis, rief derweil den Vater der getöteten Petito an, um ihm sein Beileid auszudrücken.

          Petitos Verschwinden und Laundries mutmaßliche Flucht hatten die Vereinigten Staaten wochenlang in Atem gehalten. Das Paar, das sich auf der Bayport-Blue Point High School auf Long Island traf und das vergangene Jahr zusammen in Florida verbrachte, war im Juli zu einer Reise in Amerikas Westen aufgebrochen. In einem zum Camper umgebauten Lieferwagen besuchte es Nationalparks, fuhr die kalifornische Küste ab und berichtete in einem Blog über seine Abenteuer. Ende August war es mit den Videos, die „Gabby“ und Laundrie meist unbeschwert und verliebt zeigten, vorbei.

          Verstörende Aufnahmen einer Bodycam

          Auch Petitos Eltern Nicole Schmidt und Joe Petito warteten zuhause in Suffolk County bei New York vergeblich auf ein Lebenszeichen der Zweiundzwanzigjährigen. Am 11. September gaben sie schließlich eine Vermisstenanzeige auf. Die Recherchen der nächsten Tage ergaben, dass Laundrie schon Anfang September in das Haus seiner Eltern nach Florida zurückgekehrt war – ohne Petito und ohne sich zu ihrem Verschwinden zu äußern. Die Bodycam eines Polizeibeamten in Utah, der Mitte August zu einem Streit zwischen Petito und Laundrie gerufen wurde, zeigte später verstörende Aufnahmen einer weinenden Petito. Laundrie trug damals blutige Stellen im Gesicht.

          Mitte September bezogen die ersten Kamerateams vor dem Haus der Familie Laundrie in North Port Stellung. Amerikaner aus allen Teilen des Landes reisten zu dem eher schlichten Bungalow, um ihre Unterstützung bei der Aufklärung von Petitos Schicksal zu fordern. Roberta und Christopher Laundrie wichen aus. Nachts räumten sie die Plakate aus ihrem Vorgarten, die Fotos von Petito unter dem Schriftzug „Erinnert Ihr Euch?“ zeigten. Vor fünf Wochen melden sie ihren Sohn schließlich als vermisst. Einige Tage zuvor waren im Nationalpark Grand Teton in Wyoming Petitos sterbliche Überreste gefunden worden. Wie die Obduktion ergab, war die Bloggerin durch „menschliche Kraft“ getötet worden. Bei der Pressekonferenz am Mittwoch, bei der das FBI den Fund von Laundries möglichen sterblichen Überresten bekanntgab, nannten die Ermittler Petitos Tod zum ersten Mal Mord. Wie Laundrie starb, bleibt vorerst offen.

          Kurz vor dem Fund von Leichenteilen, Rucksack und Notizbuch am Mittwoch hatten sich die Eltern des Dreiundzwanzigjährigen nach wochenlanger Zurückhaltung schließlich in der Carlton Reserve im Bezirk Sarasota (Florida) eingefunden, um den Einsatzkräften bei der Suche nach Laundrie zu helfen. Die sterblichen Überreste wurden etwa fünf Kilometer hinter dem Eingang zum Myakkahatchee Creek Environmental Park entdeckt. Das Gebiet, das in den vergangenen Wochen überschwemmt war, soll zu Laundries beliebtesten Ausflugszielen gehört haben.

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