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Fußballskandal in Italien : Kehraus bei Juventus

Gianluca Ferrero Bild: Exor

Die Führung des italienischen Fußballclubs wird wegen Verdachts der Bilanzfälschung ausgetauscht. Die Industriellen-Familie Agnelli greift durch.

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          Es ist ein Paukenschlag, der noch lange nachklingen wird: Während die besten Spieler von Juventus Turin in Qatar um die Weltmeisterschaft kämpfen, steht der italienische Rekordmeister in der piemontesischen Heimat Kopf. Am Montagabend gab die Vereinsführung nach einer Verwaltungsratssitzung bekannt, dass alle Mitglieder dieses Gremiums inklusive Präsident und dessen Vize ausgetauscht werden. Die Eigentümer in Gestalt der Industriellen-Familie Agnelli machen Tabula rasa: An die Stelle des langjährigen Präsidenten Andrea Agnelli tritt der Geschäftsmann Gianluca Ferrero, der dem Agnelli-Oberhaupt John Elkann nahesteht. Als neuer Generaldirektor übernimmt Maurizio Scanavino die operativen Geschäfte. Er leitete bisher die Verlagsgruppe Gedi, die zur Agnelli-Holding Exor gehört. Nur der Vorstandsvorsitzende Maurizio Arrivabene wurde gebeten, für eine Übergangszeit seinen Posten zu behalten.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland.

          Hintergrund der Vorgänge, die in der italienischen Presse als „Erdbeben“ beschrieben werden, sind die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Turin wegen möglicher Bilanzfälschung und die finanzielle Schieflage des Vereins, der in der vergangenen Saison einen Rekordverlust von mehr als 254 Millionen Euro verzeichnete.

          In seiner Pressemitteilung vom Montagabend räumt der Verein ein, dass es in den Geschäftsjahren 2019/2020 und 2020/2021 „Gehaltsmanöver“ mit Bewertungen der Spieler gab, die „buchhalterisch unterschiedlich interpretiert werden können“. Auch „Treueprämien“ müssten neu bewertet werden. Die Anpassungen hätten allerdings keine Auswirkungen auf den Cashflow und die Nettofinanzverschuldung sowie „keinen wesentlichen Einfluss auf das Eigenkapital“. Der Verein gelobt, interne Kontrollen und Verfahren zu stärken, besonders in der Buchhaltung. Die Aktie des Vereins, dessen Minderheitsanteile an der Mailänder Börse notiert sind, erlitt am Dienstag einen Kursverlust von zeitweise rund 2 Prozent. Juve, wie die Italiener sagen, leidet am Aktienmarkt schon lange. Im April 2019 notierte das Papier noch auf dem fünffachen Wert. Heute ist der Klub nach Ansicht der Anleger rund 700 Millionen Euro wert.

          Die Staatsanwaltschaft geht Vorwürfen nach, denen zufolge die Bilanzen mit fiktiven Gewinnen künstlich aufgebläht wurden. Der Klub, der bis zum Sommer 2021 unter anderem Cristiano Ronaldo unter Vertrag hatte, soll Spielern einen höheren Wert gegeben haben, als tatsächlich gerechtfertigt war. So soll die Übernahme von Arthur Melo für 72 Millionen Euro Mitte 2020 vom FC Barcelona, für den die Spanier im Gegenzug Miralem Pjanić bekamen, mit irrealen Preisen verbucht worden sein. Wie viel Geld wirklich geflossen ist, bleibt offen. 42 Transfers stehen angeblich unter Verdacht. Die Einnahmen wurden dabei wohl auch sofort verbucht und die Ausgaben über mehrere Jahre gestreckt. Zudem werden Unstimmigkeiten bei Gehaltszahlungen und Beraterhonoraren untersucht.

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