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Nordrhein-Westfalen : Deutsch-türkischer Fußballprofi Naki auf Autobahn beschossen

Bild: STR/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Der deutsch-türkische Fußballer Deniz Naki ist auf der Autobahn beschossen worden. Er gilt als Kritiker der Regierung in Ankara – und vermutet einen politisch motivierten Angriff. Die Staatsanwaltschaft schließt das nicht aus.

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          Nach Schüssen auf das Fahrzeug des deutsch-türkischen Fußballprofis Deniz Naki auf der Autobahn 4 bei Düren ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen versuchter Tötung gegen Unbekannt. Eine Sprecherin der Behörde bestätige am Montag, dass am späten Sonntagabend aus einen fahrenden Auto heraus mehrere Schüsse auf Nakis Fahrzeug abgegeben worden sind. Man ermittele in alle Richtungen, auch eine politisch motivierte Tat sei nicht auszuschließen, man nehme die Angaben von Naki sehr ernst.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Der 1989 in Düren geborene Naki stand unter anderem beim FC St. Pauli und beim SC Paderborn unter Vertrag, bevor er 2013 in die Türkei wechselte, wo er derzeit in der dritten Liga für den Verein Amed SK in Diyarbakir spielt. Naki hatte sich immer wieder kritisch über die türkische Regierung geäußert und vermutet hinter dem Angriff, bei dem er unverletzt blieb, eine politische Motivation.

          In der Onlineausgabe der „Welt“ mutmaßte Naki, dass ein Agent des türkischen Geheimdiensts hinter dem Angriff stecken könne, „oder ein anderer, dem meine politische Haltung nicht passt“. Es habe sich um einem Mordanschlag gehandelt.

          Aus Sicherheitskreisen in Düsseldorf hieß es allerdings, es gebe zurzeit keinen Hinweis, dass Nakis Name auf einer „Todesliste“ stand. Naki berichtete, sein Fahrzeug sei am späten Sonntagabend aus einem schwarzen Kombi heraus beschossen worden. In Todesangst habe er sich weggeduckt und sei auf den Standstreifen gefahren. Bilder, die der Fußballer nach dem Vorfall machte, sollen Einschusslöcher am Auto zeigen.

          Naki hatte sich vor einiger Zeit nach einem Fußballspiel in der Türkei auch zum türkisch-kurdischen Konflikt geäußert und den Sieg seiner Mannschaft den Opfern gewidmet. Die Staatsanwaltschaft in Diyarbakir eröffnete daraufhin ein Verfahren gegen den Fußballspieler, dem sie vorwarf, er betreibe Propaganda für die Kurdenorganisation PKK. Das zuständige Gericht stellte das Verfahren zunächst ein, verurteilte Naki wenig später doch zu 18 Monaten Haft auf Bewährung wegen „Terrorpropaganda“.

          Aus den nordrhein-westfälischen Sicherheitsbehörden hieß es am Montag, man untersuche den Fall genau. Trotz seiner kritischen Äußerungen sei der Drittligaspieler nicht der Top-Feind von Präsident Erdogan. Es sei nicht auszuschließen, dass der Fall einen anderen Hintergrund habe. Gleichwohl registrieren die Sicherheitsbehörden in Nordrhein-Westfalen wie in vielen anderen Bundesländern seit dem gescheiterten Putsch gegen Erdogan im Sommer 2016 eine gesteigerte Zahl gegenseitiger Angriffe verschiedener türkischstämmiger Migrantengruppen. Festzustellen sei ein hoher „Emotionalisierungsgrad ..., der zu einem Absinken der Gewaltschwelle führte“, heißt es im jüngsten Bericht des NRW-Verfassungsschutzes.

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