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Fußballer Breno vor Gericht : „Ich wollte immer nur spielen“

Der 22 Jahre alte Brasilianer Breno Borges im Verhandlungssaal des Landgerichts München Bild: dapd

Der Fußballspieler Breno vom FC Bayern München soll in seiner Villa in Grünwald Feuer gelegt haben. Ihm drohen bis zu 15 Jahre Haft. Vor Gericht schweigt er zum Tatvorwurf - und erzählt viel über sein Leben fern der Heimat.

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          Entweder seine Frau oder seine Eltern, hätte es damals geheißen, sagt Breno Vinícius Rodrigues Borges am Mittwoch vor Gericht. „Wer hat das gesagt?“, fragt sein Anwalt. „Bayern hat das gesagt“, antwortet Breno über seine Dolmetscherin. Er habe sich kurz nach seinem Wechsel 2008 von São Paulo nach München entscheiden müssen, wer in München bleiben solle. „Bayern sagte, es gibt nur ein Visum: entweder für meine Frau oder für meine Eltern.“ Breno entschied sich für seine Frau.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          „Wie war das für Sie?“- „Nicht einfach, weil ich hänge sehr an meinen Eltern. Das war eine schwere Zeit damals.“ Es wurde offenbar nicht viel besser. Von Anfang an, seit Breno 2008 zum FC Bayern München wechselte, schien sein Aufbruch in eine neue (Fußball-)Welt jenseits des Atlantiks unter keinem guten Stern zu stehen.

          1989 in der Nähe von São Paulo geboren, wurde Breno als Zwölfjähriger von Talentsuchern entdeckt, kam in ein Fußballinternat in der Millionenmetropole São Paulo. Die Eltern sah der Junge von da an nur alle zwei Monate. Mit 16 schon Profifußballer für den FC São Paulo, vermittelte Giovane Elber ein gutes Jahr später den Kontakt zum FC Bayern München. Breno zog Anfang 2008, da war er noch nicht mal 18 Jahre alt, mit seinen Eltern von São Paulo nach München. Im Sommer kam seine Frau mit ihren zwei Kindern aus einer früheren Beziehung nach, die Eltern mussten bald darauf wieder abreisen.

          Der Medienandrang vor Prozessbeginn ist groß - dem Fußballstar droht eine Gefängnisstrafe zwischen einem und 15 Jahren. Bilderstrecke

          2009 wurde für den Brasilianer dann ein „ruhiges Jahr, ich war auch ein bisschen traurig“. Er wollte ja immer nur Fußballspielen, wurde aber nicht viel eingesetzt. „Meistens war ich zu Hause.“ Das erste gemeinsame Kind kam zur Welt, doch Zeit für die Familie blieb ihm dann nicht mehr viel, da er Anfang 2010 an den 1.FC Nürnberg ausgeliehen wurde. Endlich konnte er spielen - „es war eine lustige Zeit“ - , doch schon im März beendete ein Kreuzbandriss nach einem Foul den Einsatz in Nürnberg, ehe er richtig begonnen hatte. Zurück in München fiel Breno bis zum Herbst 2010 aus. Operationen folgten, weitere Verletzungen, zuletzt im Mai 2011 am Meniskus.

          Diese Rückschläge sieht die Staatsanwaltschaft als Hintergrund für eine Tat, die so gar nicht zu dem schüchternen jungen Mann im weißen Hemd und dunklem Anzug passen mag, der an diesem Mittwoch im Gerichtssaal von der Traube von Fotografen und Kameramännern verschluckt wird, als er eigentlich nur schnell, schnell zu seinem Platz gehen will. Brav steht er da, lächelt verhalten, blinzelt in Kamerablitze, erträgt es und schleicht dann endlich zu seinem Stuhl.

          Dort erzählt er in schnurrendem Brasilianisch vom Vater, der als Glaser, von der Mutter, die als Reinigungskraft gearbeitet hat, von viel Fußball und nicht allzu viel Schule („dazu hatte ich dann keine Zeit mehr“). Bis zum 30. Juni dieses Jahres ist er noch bei den Bayern unter Vertrag, was danach kommt, hänge vom Ausgang des Verfahrens ab.

          Zur Tat, sagt sein Anwalt, werde Breno vorläufig noch nichts aussagen.

          So bleibt es beim Staatsanwalt, den 19. September 2011 zu schildern, der Breno vor Gericht brachte. Der Fußballer habe an diesem Septembermorgen erfahren, dass er am nächsten Tag wieder zum Arzt musste, eine neue Operation stand im Raum. Frustriert darüber habe Breno „seit Mittag dieses Tages eine nicht genau bekannte Menge alkoholischer Getränke zu sich genommen“.

          Abends sei es dann zu Unstimmigkeiten mit seiner Frau gekommen, da er lieber zum Oktoberfest habe gehen wollen, als sich auf den Arztbesuch am nächsten Tag einzustimmen. Breno trank nach den Angaben der Staatsanwaltschaft noch mehr, bei einer Blutprobe später in der Nacht hatte er noch einen Alkoholgehalt von 1,6 Promille. Breno rannte mehrfach aus dem Haus, kam wieder zurück, holte aus der Küchenschublade einen Gegenstand, den seine Frau als Messer deutete, lief damit aus dem Haus. Gegen 23 Uhr verließ seine Frau mit den drei Kindern und dem Manager das Anwesen.

          Laut Staatsanwaltschaft kam Breno kurz darauf zurück und beschloss, das Haus anzuzünden. Kurz nach Mitternacht habe er „mittels dreier Feuerzeuge und unter Einsatz eines nicht feststellbaren Brandbeschleunigers“ Gegenstände in allen drei Geschossen angezündet. Schnell breitete sich das Feuer aus, ergriff Fenster, Wände, Treppen. Um 0.20 Uhr klingelte der Brasilianer an den Türen von Nachbarhäusern und rief in die Gegensprechanlage: „Feuer, Feuer, brennt!“ Die Nachbarn alarmierten die Feuerwehr.

          Der Schaden des inzwischen abgerissenen Hauses wird auf eine Millionen Euro geschätzt. Breno hat bislang zu den Vorwürfen geschwiegen, in Medienberichten war davon zu lesen, er habe nachts den Rettungskräften drei Feuerzeuge gegeben. Angeklagt ist er wegen schwerer Brandstiftung. Auch habe er laut Staatsanwaltschaft nicht ausschließen können, dass sich nicht doch noch Menschen in dem Haus hätten befinden können. Wird er verurteilt, drohen ihm zwischen einem und 15 Jahren Freiheitsstrafe.

          Breno sei ein „lieber Junge“ sagt der ehemalige Bayern-Spieler Giovane Elber, der ihn damals nach München vermitteln half und für den Prozess eigens aus Brasilien angereist ist. Der junge Mann sei nie richtig integriert gewesen, habe nie richtig Deutsch gelernt. Daran scheiterte schon der deutsche Führerschein, wie Breno vor Gericht erzählte. „Das Lehrbuch war zu schwer.“

          Und Elber sagt auch, die Bayern hätten wohl einiges unternommen, aber offenbar nicht genug dafür getan, dass Breno sich hier einlebte. „Das macht Leverkusen besser mit den Brasilianern.“

          einen Alkoholgehalt von 1,6 Promille.

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