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Fünf Tote in Karlsruhe : Staatsanwalt: Geiselnahme war geplant

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Die Leichen der Opfer und des Täters werden abtransportiert. Bild: dpa

Ein Mann, der seine Wohnung in Karlsruhe räumen sollte, hat vier Menschen als Geiseln genommen und nach Angaben der Staatsanwaltschaft „regelrecht hingerichtet“. Anschließend tötete er sich selbst. Offenbar war die Tat geplant.

          Der Polizeisprecher ringt nach Worten. „Wir haben jetzt traurige Gewissheit“, sagt er in die Mikrofone. Drei Stunden zuvor hat ein Zeuge von Schüssen in einer Karlsruher Wohnung berichtet. Jetzt steht fest: Der Täter und seine vier Geiseln sind tot. Das blutige Ende einer Wohnungsräumung im fünften Stock eines Blocks in der Nordstadt.

          Der Karlsruher Geiselnehmer war nach Polizeiangaben 53 Jahre alt, lebte zum Teil im Elsass und war arbeitslos. Woher er die Waffen hatte, ist noch unklar. Nach ersten Ermittlungen könnte sich die Tat folgendermaßen abgespielt haben: Um kurz vor neun klingelt der Gerichtsvollzieher an der Wohnungstür. In seiner Begleitung ist ein Schlosser. Ein Mann, der offenbar in der Wohnung lebt, öffnet die Tür und lässt die Männer ein. Kurz darauf fallen Schüsse.

          Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden die Opfer „regelrecht hingerichtet“. Die Polizei geht von vierfachem Mord aus. „Der Gerichtsvollzieher konnte mit dem schlimmen Verlauf zu keinem Zeitpunkt rechnen“, sagte Oberstaatsanwalt Spitz. Der Täter sei zuvor nicht wegen Gewaltdelikten in Erscheinung getreten. Nach Angaben der Polizei wurde dem Gerichtsvollzieher zunächst zweimal in den Oberschenkel geschossen. Anschließend forderte der Geiselnehmer den Schlüsseldienstmitarbeiter auf, die anderen Geiseln zu fesseln. Als der Mann flüchten wollte, erschoss ihn der Geiselnehmer. Einen Sozialarbeiter ließ er laufen.

          Auch der neue Mieter, der später an der Tür klingelte, wurde erschossen. Der Täter tötete auch seine Partnerin, der die Wohnung gehörte. Der 47 Jahre alte Gerichtsvollzieher und der 33 Jahre alte Mitarbeiter des Schlüsseldienstes hinterlassen Familien mit Kindern. Nach den Morden setzte der Mann den Teppich seiner Wohnung in Brand und schoss sich mit einer Schrotflinte in den Kopf. Brandgeruch aus der Wohnung habe dazu geführt, dass die Wohnung vom Spezialeinsatzkommando (SEK) gestürmt wurde. Nach Angaben der Polizei hatte der Geiselnehmer genug Monition bereitgelegt, um sich einen Schusswechsel mit dem SEK zu liefern. Er lagerte mehrere Waffen in der Wohnung.

          Die Nordstadt, erst 1996 nach dem Umbau ehemaliger amerikanischer Kasernen entstanden, ist eine beliebte Wohngegend für Familien. Aus den Soldatenquartieren sind bezahlbare Wohnungen im Grünen entstanden.

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