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Bei Vortrag angegriffen : Weizsäcker-Sohn in Klinik getötet

Festnahme noch am Tatort: Der Angreifer soll in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden Bild: dpa

Fritz von Weizsäcker, Sohn des früheren Bundespräsidenten, ist von einem Angreifer in Berlin bei einem Vortrag erstochen worden. Der Täter wurde festgenommen, über sein Motiv besteht noch Unklarheit.

          2 Min.

          Es hätte ein ganz normaler Vortrag für medizinisch interessierte Bürger sein sollen, den der Chefarzt in der Schlosspark-Klinik in Berlin halten wollte. Fritz von Weizsäcker sprach am Dienstagabend in einem Tagungsraum der Abteilung Psychiatrie über sein Spezialgebiet, es ging um die „Volkskrankheit Fettleber“. Etwa 15 Zuhörer waren gekommen, auch Klinikpersonal war anwesend. Gegen 18.50 Uhr sprang ein Mann auf, ging auf den Dozenten los, stach ihn mit einem Messer nieder. Ein anderer Zuhörer wollte den Angreifer stoppen, wurde dabei selbst von ihm schwer verletzt. Es soll sich um einen Polizisten handeln, der die Veranstaltung in seiner Freizeit besucht hatte. Alarmierte Notärzte des Klinikums und Rettungssanitäter konnten Fritz von Weizsäcker nicht mehr helfen. Der 59 Jahre alte Sohn des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker verstarb noch am Tatort.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Mehrere Zuhörer aus dem Publikum hielten den Angreifer fest und übergaben ihn Polizeibeamten. Bei dem Täter handelt es sich um einen 57 Jahre alten Mann, der nach Angaben vom Mittwochmorgen vorher nicht polizeibekannt gewesen war. Über sein mögliches Motiv machte die Polizei bislang keine Angaben. Beamte der Mordkommission, die die Ermittlungen aufnahm, verhörten ihn in der Nacht. Die Polizei wollte auch die Familie Weizsäckers befragen, ob es zuvor Bedrohungen gegeben habe. Im Laufe des Mittwochs wollte sie nähere Angaben machen. Der verletzte Polizist, den Notärzte versorgt hatten, wurde zur weiteren Behandlung in ein anderes Krankenhaus gebracht.

          Fritz von Weizsäcker im November 2015 in Berlin
          Fritz von Weizsäcker im November 2015 in Berlin : Bild: dpa

          Weizsäcker hinterlässt eine Frau und drei gemeinsame Kinder. Er stammte aus einer bekannten Familie, war der jüngste Sohn von Richard von Weizsäcker und dessen Frau Marianne. Sein vor vier Jahren verstorbener Vater war von 1984 bis 1994 Bundespräsident, zuvor vier Jahre lang Regierender Bürgermeister von Berlin. Sein Bruder Andreas starb 2008.

          Weizsäcker, der in Heidelberg studierte und nach Stationen in Boston und Freiburg lange an der Universitätsklinik in Freiburg als Mediziner arbeitete,  war seit 2005 Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin und Gastroenterologie in der Schlosspark-Klinik, einem Privatkrankenhaus direkt am Schloss Charlottenburg. Es verfügt über 340 Betten und nimmt auch an der psychiatrischen Notfallversorgung im Bezirk Charlottenburg teil. In der Klinik gibt es regelmäßig Vorträge, die sich meist an medizinisch interessierte Laien richten, die etwas über Krankheiten und deren Behandlungsmöglichkeiten erfahren wollen.

          Als einer der ersten hatte der FDP-Vorsitzende Christian Lindner am Dienstagabend auf den Tod Weizsäckers reagiert. „Mein Freund Fritz von Weizsäcker wurde heute Abend in Berlin erstochen. Ein passionierter Arzt und feiner Mensch“. Er sei fassungslos und müsse seine Trauer teilen. „Einmal mehr fragt man sich, in welcher Welt wir leben“, schrieb Lindner.

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