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Freispruch aus Mangel an Beweisen : Lolitas Tod bleibt ungesühnt

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Lolita Brieger zum Zeitpunkt des Verschwindens vor fast 30 Jahren (Polizeifoto). Bild: dpa

Das Landgericht Trier hat Josef K. freigesprochen - obwohl es davon überzeugt ist, dass er seine einstige Freundin getötet hat. Nach fast 30 Jahren sei nicht mehr mit Sicherheit festzustellen, wie genau es zur Tötung gekommen sei, begründeten die Richter ihre Entscheidung.

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          Fast 30 Jahre dauerte es, bis das rätselhafte Verschwinden der achtzehnjährigen Lolita Brieger aufgeklärt wurde – doch ihr Tod wird weiter ungesühnt bleiben. Das Landgericht Trier zeigte sich am Montag zwar überzeugt, dass der Landwirt Josef K. seine ehemalige Freundin im November 1982 getötete hat, sprach ihn aber vom Vorwurf des Mordes frei.

          Nach so langer Zeit sei nicht mehr mit Sicherheit festzustellen, wie genau es zu der Tötung gekommen sei, hieß es in der Urteilsbegründung. Für eine Verurteilung hätten dem Täter die Mordmerkmale der Heimtücke oder niedrige Beweggründe nachgewiesen werden müssen. Das Gericht müsse daher davon ausgehen, dass der Mann einen Totschlag begangen habe, sagte die Vorsitzende Richterin Petra Schmitz. Dieser sei jedoch inzwischen verjährt. Eine Haftentschädigung werde der Landwirt nicht erhalten, sagte die Richterin. Josef K. war im September des vergangenen Jahres festgenommen worden und saß seither in Untersuchungshaft. Er äußerte sich nicht zu den Vorwürfen.

          Drei Jahrzehnte lang hatte von Lolita Brieger jede Spur gefehlt. In den sechziger Jahren war das Mädchen mit seiner Familie in das Eifeldorf Frauenkron gezogen. Sie wuchs in einfachen Verhältnissen auf, arbeitete als Näherin. Am 4. November 1982 verschwand Lolita dann plötzlich. Und bis ins vergangene Jahr gab es keine Zeugen, keine Beweise, keinen Leichnam und keinen Täter. Doch es gab Gerüchte und auch einen vagen Verdacht – gegen Lolitas ehemaligen Freund Josef, den Sohn eines reichen Milchbauern.

          Im August 2011 setzte die Polizei noch einmal zu einem großen Schlag an. Über „Aktenzeichen XY . . . ungelöst“ versuchte sie, den alten Fall in Frauenkron wieder öffentlich zu machen und so Unruhe in dem Dorf zu stiften. Wenig später sagte dann tatsächlich ein Zeuge aus, Josef K. bei der Beseitigung des Leichnams von Lolita geholfen zu haben. Wie von ihm beschrieben fand die Polizei nach zweiwöchiger Suche auf einer ehemaligen Müllkippe ein menschliches Skelett.

          Der Angeklagte im Gerichtssaal

          Im Prozess gegen Josef K. wiederholte der Zeuge seine Vorwürfe: Der Angeklagte habe ihm im Jahr 1982 gestanden, Lolita erwürgt zu haben. Gemeinsam hätten sie die Tote auf der Müllkippe entsorgt. Auch zahlreiche Indizien stützten die Anklage der Staatsanwaltschaft, wonach Josef K. Lolita in einem Schuppen auf dem Grundstück seiner Eltern mit einem Stück Draht getötet hatte.

          In seinem Plädoyer Ende Mai forderte Staatsanwalt Eric Samel daher auch, dass Josef K. wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt werden müsse. Lolita habe von ihrem sozialen Stand nicht zu der reichen Bauernfamilie gepasst, sagte Staatsanwalt Samel. Als sie schwanger war, habe der Angeklagte „den für ihn bequemsten Weg gewählt und sie von der Bildfläche verschwinden lassen“. Nach dem Urteil kündigte die Staatsanwaltschaft an, eine Revision zu prüfen.

          Der Verteidiger des Angeklagten, Heinz Neuhaus, hatte auf Freispruch plädiert. Es gebe weder „objektive Merkmale noch schlüssige Fakten“, die für eine Verurteilung ausreichten, sagte er. Zu dieser Einschätzung kam schließlich auch das Gericht.

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