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Nach Tötung eines Fötus : Frauenärzte zu Bewährungsstrafen verurteilt

Das Landgericht Berlin verurteilte zwei Frauenärzte wegen Totschlags zu Bewährungsstrafen. (Symbolbild) Bild: dpa

Zwei Frauenärzte in Berlin wollten eine aus medizinischen Gründen zulässige Spätabtreibung durchführen. Doch ihre Vorgehensweise bei dem Eingriff wertete das Landgericht in Berlin als Totschlag.

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          Das Landgericht Berlin hat am Dienstag zwei Frauenärzte, die bei einer Zwillingsgeburt einen der Föten mit einer Kaliumchlorid-Injektion getötet haben, wegen gemeinschaftlichen Totschlags verurteilt.

          Marlene Grunert

          Redakteurin in der Politik.

          Im Sommer 2010 hatten die beiden Ärzte – eine heute Leitende Oberärztin und ein inzwischen pensionierter Chefarzt – einen Kaiserschnitt bei einer 27 Jahre alten Patientin durchgeführt. Sie erwartete Zwillinge und befand sich in der 32. Schwangerschaftswoche. Schon zu einem früheren Zeitpunkt war bei einem der Zwillingsmädchen ein schwerer Hirnschaden festgestellt worden, woraufhin sich die Eltern für eine Spätabtreibung entschieden.

          In einem solchen Fall wäre es rechtlich zulässig und medizinisch geboten gewesen, den Fötus vor der Geburt im Mutterleib zu töten, stellten die Richter fest. Die Ärzte warteten aber die Eröffnungswehen ab. Nachdem diese eingesetzt hatten, nahmen sie den Kaiserschnitt vor und brachten das gesunde Kind zur Welt. Das andere Kind töteten sie, obwohl es nach Angaben eines Sachverständigen lebensfähig war. Im strafrechtlichen Sinn beginnt menschliches Leben, sobald die Eröffnungswehen einsetzen. Der Vorsitzende Richter sprach deshalb von einem juristisch eindeutigen Fall.

          In der mündlichen Verhandlung hatten die beiden Frauenärzte das Geschehen eingeräumt, aber auf Freispruch plädiert. Im Interesse des gesunden Fötus hätten sie in diesem besonderen Fall von einem sogenannten selektiven Fetozid – der gezielten Tötung im Mutterleib noch vor Beginn der Geburt – abgesehen. Weil sich das Kind noch im Mutterleib befunden habe, als sie ihm die tödliche Injektion verabreichten, seien sie auch davon ausgegangen, rechtmäßig zu handeln.

          Vorsitzende sprach von „Aussortieren“

          Diese Rechtfertigung hielt das Gericht nicht für glaubhaft. Beiden Angeklagten sei als erfahrenen Gynäkologen bewusst gewesen, dass sie zu einer Tötung während des Kaiserschnitts nicht befugt gewesen seien. Auch von einer Pflichtenkollision könne keine Rede sein. Als die Ärzte die Spritze gesetzt hätten, sei das gesunde Mädchen schließlich schon geboren und außer Gefahr gewesen. Die Ärzte hätten sich vielmehr vom Willen der Eltern leiten lassen, die nicht wollten, dass der kranke, aber lebensfähige Fötus zur Welt kommt. Ein derartiges „Aussortieren“ sei nach dem Willen des Gesetzgebers aber nicht zulässig, sagte der Vorsitzende.

          Angesichts der Besonderheiten des Falles nahm die Schwurgerichtskammer allerdings einen minder schweren Fall an. Die Leitende Oberärztin wurde zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt, der ehemalige Chefarzt zu einem Jahr und neun Monaten. Beide Strafen setzte das Gericht zur Bewährung aus. Die etwas höhere Strafe für den ehemaligen Chefarzt begründete der Vorsitzende Richter damit, dass er den Eingriff als Vorgesetzter hätte verhindern können. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es wird erwartet, dass beide Ärzte Revision einlegen.

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