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Messerangriff in Frankreich : „Alle Indizien deuten auf eine Terrortat hin“

Polizeieinsatz in Romans-sur-Isère Bild: AFP

In der Kleinstadt Romans-sur-Isère hat sich ein Mann mit einem Messer auf Kunden gestürzt, die vor einer Bäckerei und einem Tabakladen Schlange standen. Er soll laut Augenzeugen „Allahu akbar!“ gerufen haben.

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          Nach der Messerattacke im Stadtzentrum von Romans-sur-Isère hat Präsident Emmanuel Macron am Samstag die „niederträchtige Tat“ verurteilt. Es werde alles unternommen, um die Straftat aufzuklären, die „ein ohnehin schon leidgeprüftes Land treffe“, so Macron. Er sei in Gedanken bei den Opfern, den Verletzten und ihren Angehörigen.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Der Täter war gegen 11 Uhr mit einem Messer auf wartende Kunden gestürzt, die vor einer Bäckerei und einem Tabakladen Abstand respektierend Schlange standen. Er tötete zwei Menschen und verletzte fünf weitere teils schwer. Zwei Opfer schweben in Lebensgefahr, meldete die Nachrichtenagentur AFP. Der Mann, ein 33 Jahre alter Asylbewerber aus dem Sudan, soll laut Augenzeugen „Allahu akbar!“ gerufen haben. Der Lokalsender Radio Bleu meldete, der Mann habe kein Vorstrafenregister und sei der Polizei nicht bekannt gewesen. Er wurde festgenommen.

          Zweite Messerattacke seit Jahresbeginn

          Im Fernsehsender BFM-TV sagte ein Polizeisprecher, der Mann habe bei seiner Festnahme gerufen, man solle ihn erschießen. „Alle Indizien deuten auf eine Terrortat hin“, sagte David Olivier Reverdy von der Polizeigewerkschaft Alliance Police. Die Kriminalpolizei in Lyon hat die Ermittlungen übernommen. Bislang ist die für Terrortaten zuständige Staatsanwaltschaft in Paris nicht mit dem Fall befasst worden. Die Wohnung des Täters wurde von der Kriminalpolizei durchsucht. Innenminister Christophe Castaner sollte am Nachmittag in Romans-sur-Isère eintreffen.

          Der 33.000-Einwohner-Ort liegt nordöstlich von Valence am Isère-Fluss und zählte während der Flüchtlingskrise 2015 zu jenen Kommunen, die eine Aufnahme von Asylbewerbern ablehnte. Die rechtsbürgerliche Bürgermeisterin Marie-Hélène Thoraval (LR) argumentierte, sie könne den Bewohnern nicht weitere Asylbewerber zumuten. In einem Kommuniqué schrieb sie damals: „Die Stadt hat nicht die Mittel für eine würdige Aufnahme von Flüchtlingen.“ Die rechtspopulistische Partei Rassemblement National (RN) verurteilte die Straftat und sprach von einem „islamistischen Anschlag“. „Auch während der Gesundheitskrise verschwinden die Probleme nicht, die Frankreich durch Masseneinwanderung, staatlicher Laschheit und Islamismus entstanden sind. (…) Unser Land wird dadurch noch verletzbarer“, schrieb Marine Le Pens junger Adlatus Jordan Bardella.

          Der 24 Jahre alte Mann war von Le Pen zum Spitzenkandidaten für den Europawahlkampf bestimmt worden und ist seit dem Wahlerfolg des RN Europaabgeordneter. Bardella verknüpfte die Messerattacke mit der von Justizministerin Nicole Belloubet entschiedenen Entlassung von abschiebepflichtigen Immigranten aus den staatlichen Abschiebezentren. Dies sei verantwortungslos. Es handelt sich um die zweite Messerattacke seit Jahresbeginn. Am 3. Januar hatte ein junger, zum Islam konvertierter Mann in einer Parkanlage in Villejuif bei Paris Spaziergänger angegriffen. Eine Person starb, zwei weitere wurden verletzt. Der Täter wurde während der Verfolgung durch die Polizei erschossen.

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