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Frankreich : Häftling sprengt sich den Weg in die Freiheit

  • Aktualisiert am

Nach dem Ausbruch: ein Polizist vor dem Gefängnis Sequedin bei Lille Bild: REUTERS

Er nahm vier Wärter als Geiseln und sprengte fünf Gefängnistüren: Einer der berüchtigsten Verbrecher Frankreichs ist geflohen. Wie der Ausbrecher im Gefängnis an den Sprengstoff kam, ist unklar.

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          Einem der berüchtigsten Kriminellen Frankreichs ist die Flucht aus dem Gefängnis gelungen. Der als „besonders gefährlich“ eingestufte Redoine Faïd nahm am Samstag in der Haftanstalt von Sequedin nahe Lille vier Wärter als Geiseln und bahnte sich mit Sprengstoff den Weg ins Freie, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Seine Geiseln ließ er auf der Flucht frei, die Fahndung lief in Frankreich und Belgien auf Hochtouren.

          Der Gefängnisausbruch begann gegen 8.30 Uhr morgens, als Faïd die Wärter in seine Gewalt brachte. Etwa eine halbe Stunde später hatte er fünf Gefängnistüren gesprengt und war in Freiheit. Die Geiseln ließ er auf seinem weiteren Fluchtweg unverletzt frei, wie Staatsanwalt Frédéric Fèvre sagte. Faïd sei ein „besonders gefährlicher“ Krimineller, der immer noch Waffen und Sprengstoff bei sich habe.

          Nach Angaben der Behörden flüchtete Faïd mit einem Fahrzeug, bevor er dieses auf der Autobahn in Brand steckte. Dann stieg er in ein zweites Fahrzeug, in dem ein Komplize saß. Rund hundert Polizisten waren dem 40 Jahre alten Ausbrecher am Sonntag auf den Fersen, auch nach möglichen Komplizen wurde gesucht. Im nahegelegenen Belgien wurden ebenfalls die Behörden umfassend informiert.

          Faïds Bruder wurde am Sonntag vorübergehend in Polizeigewahrsam genommen, um „keine Spur zu vernachlässigen“, sagte Fèvre. Der Bruder war demnach am Samstagmorgen im Besucherzimmer des Gefängnisses anwesend, er soll aber keinen Kontakt zu Faïd gehabt haben. Am Abend kam der Bruder des Flüchtigen laut Staatsanwaltschaft wieder auf freien Fuß, diese äußerte sich aber nicht zu Details.

          Da zunächst unklar war, wie Faïd an Waffe und Sprengstoff kam, war gemutmaßt worden, dass sie ihm möglicherweise während der Besuchszeit zugesteckt wurden. Laut der Gewerkschaft Ufap-Unsa hatte auch Faïds Frau den prominenten Häftling am Samstag besucht. Deren Anwalt wies eine mögliche Verwicklung seiner Mandantin in die Flucht aber energisch zurück.

          Justizministerin Christiane Taubira erklärte nach einem Besuch in der Anstalt, bei der Suche sei auch Interpol eingeschaltet worden. Zudem sei ein europaweiter Haftbefehl ausgestellt worden. Zunächst konzentriere sich die Fahndung auf Belgien, das nur rund 15 Kilometer von Sequedin entfernt ist, sie werde aber auch auf den gesamten Schengen-Raum „und darüber hinaus“ ausgeweitet. In der Haftanstalt wurde ein Krisenstab eingerichtet.

          Faïd ist mutmaßlich für einen Raubüberfall im Mai 2010 verantwortlich, bei dem eine junge Polizistin im Département Val-de-Marne getötet wurde. Nachdem er der Polizei monatelang entwischt war, wurde er im Juni 2011 gefasst. Mehrere Gewerkschaften zeigten sich schockiert von seiner Flucht und forderten den Rücktritt des Direktors der Strafvollzugsverwaltung sowie der Justizministerin.

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