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Nach Schießerei im Bahnhofsviertel : Frankfurt fürchtet den Rockerkrieg

  • -Aktualisiert am

Spuren der Nacht: Ein Kreidekreis markiert Blutstropfen auf dem Pflaster Bild: dpa

Sie fuhren in teuren Wagen vor, stritten sich, dann fielen Schüsse. Vieles an der Schießerei im Frankfurter Bahnhofsviertel ist noch unklar, aber eines ist sicher: Es waren die Hells Angels. Drohen der Stadt neue Verteilungskämpfe zwischen Rocker-Gruppen?

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          Fünf Kreidekringel sind um die Blutspritzer auf dem Boden vor dem Bürohochhaus in der Frankfurter Innenstadt gezogen und zeugen davon, dass hier in der Nacht zum Donnerstag vielleicht eine neue Art Rockerkrieg ausgebrochen ist: Um kurz vor Mitternacht hatte es nahe dem Bahnhofsviertel eine Schießerei gegeben, bei der vier Männer verletzt wurden. Sie alle werden von der Polizei einer Rockergruppe zugeordnet, die Staatsanwaltschaft sagte gestern, dass es sich um Mitglieder von zwei Gruppen der Hells Angels handelt, wovon eine aus Gießen, die andere vermutlich aus Frankfurt stammt.

          Zwei Charter, wie die regionalen Untergruppen des Motorradclubs heißen, sind in Frankfurt im September 2011 vom damaligen hessischen Innenminister Boris Rhein (CDU) verboten worden. Verschwunden sind die Rocker dadurch freilich nicht, das ist nicht erst seit der Nacht zum Donnerstag klar – aber es wurde mit einer seit langem nicht mehr gesehenen Wucht demonstriert.

          Nach einer Prügelei fielen Schüsse

          Laut Polizei fuhren in der Nacht um 23:45 mehrere Autos vor dem Hochhaus vor, darunter ein roter Porsche Panamera und andere hochpreisige Wagen. Um diese Zeit war die After-Work-Party, die jeden Mittwochabend in dem im Haus ansässigen Club Katana gefeiert wird, noch in vollem Gange. Die Männer, die den Autos entstiegen, stritten sich, so viel ist bekannt, dann gab es eine Prügelei, bei der sich ein 46 Jahre altere Mann einen Bizeps-Abriss zuzog.

          Dann fielen die Schüsse, vier Männer im Alter von 31, 32, 35 und 43 Jahren wurden je einmal getroffen. Sie erlitten Verletzungen an Oberkörper, Beinen und Schultern, die aber nicht lebensgefährlich waren. Drei der Männer schleppten sich ins Krankenhaus, den vierten fand die Polizei wenig später nahe des Mains. Der oder die Schützen flüchteten in den Wagen, in denen sie gekommen waren.

          Bisher weiß die Polizei nicht, wie viele Männer an der Schießerei beteiligt waren. Festnahmen gab es ebenso wenig wie Hinweise zur Tatwaffe. Aus Sicherheitskreisen und von Augenzeugen hieß es, auch ein Türsteher des Clubs Katana sei an der Schießerei beteiligt gewesen, bestätigt ist dies jedoch nicht. Die vier Verletzten schweigen beharrlich, ihre Kooperationsbereitschaft mit der Polizei sei nicht sehr ausgeprägt, wie es die Beamten nennen.

          Ein Indiz für neue Verteilungskämpfe?

          Nun wertet die Polizei die Spuren aus: Am Hochhaus gibt es mehrere Einschüsse, Glas ist gesplittert und sogar an einem frisch gebauten Turm auf der Straßenseite gegenüber ist durch einen Einschuss ein Stück Mauer heraus gebrochen. Es scheint ein Glück zu sein, dass es keine unbeteiligten Verletzten gibt.

          Die Schießerei ist das erste Mal, dass die Hells Angels in Frankfurt nach ihrem Verbot so deutlich in Erscheinung getreten sind. Für die Sicherheitsbehörden galten die Rocker in Hessen – anders als beispielsweise in Hannover und Berlin – bis zu ihrem Verbot als etabliert: Es gab im Vergleich zu anderen Städten kaum blutige Revierkämpfe mit rivalisierenden Rocker-Gruppen. Die Schießerei, die nach einem Streit innerhalb der Rockerbande entstand, könnte ein Indiz dafür sein, dass neue Verteilungskämpfe um die Macht unter den Frankfurter Rockern begonnen haben.

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