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Frachterkapitän entführt : Piraten verlangen Lösegeld

  • Aktualisiert am

Der Kapitän der „Maersk Alabama” Richard Phillips ist weiterhin in der Hand der Piraten Bild: REUTERS

In einem Rettungsboot der „Maersk Alabama“ halten vier Piraten den Kapitän des riesigen Frachtschiffes gefangen. Ein amerikanisches Kriegsschiff soll helfen, die Geisel zu befreien. Die Kaperung war besonders bitter, denn der Frachter hat 400 Container mit Hilfsgütern für Somalia und Uganda geladen.

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          Die amerikanische Crew des Containerschiffes hat sich mittlerweile aus der Geiselhaft der Piraten befreit. Frachterkapitän Richard Phillips (53) befindet sich jedoch weiterhin in den Händen der Seeräuber. Sie halten ihn in einem der Rettungsbote der „Maersk Alabama“ gefangen, dass mittlerweile treibstofflos in der Nähe des Frachters im Meer treibe. Die Piraten verlangten Lösegeld für ihre Geisel, sagte der zweite Bootsmann der „Maersk Alabama“, Ken Quinn, gegenüber dem Fernsehsender CNN: „Sie wollen Lösegeld für unseren Kapitän und wir versuchen, ihn zurückzubekommen.“ Unterdessen ist der amerikanisches Zerstörer „Bainbridge“ am Ort des Geschehens eingetroffen, um den Entführten zu befreien.

          Die Crew habe zuvor selbst einen Piraten für zwölf Stunden gekidnappt, um diesen gegen den Kapitän auszutauschen. Das habe aber nicht funktioniert. „Wir haben ihn gefesselt. Dann haben wir ihn ausgehändigt. Aber sie haben den Kapitän nicht zurückgegeben. Nun versuchen wir es mit Lebensmitteln, aber das klappt auch nicht so gut“, sagte Quinn. Die „Maersk Alabama“ ist vor der Küste Somalias gekapert worden. Besonders bitter an dieser Enterung war, dass der Frachter 400 Container mit Hilfsgütern für Somalia und Uganda an Bord haben soll.

          Die sechste Tat von Piraten innerhalb einer Woche

          Die Entführung des 155 Meter langen amerikanischen Containerschiffes „Maersk Alabama“ war die sechste Tat von Piraten innerhalb einer Woche vor der somalischen Küste. In dieser Woche haben die Piraten mehr Schiffe in ihre Gewalt gebracht als in den ersten drei Monaten dieses Jahres. Der Vorfall habe sich 400 Meilen vor der Küste der somalischen Hauptstadt Mogadischu ereignet, außerhalb der von internationalen Marineeinheiten kontrollierten Gebiete. Wie die Entführung der „Maersk Alabama“ fanden die Übergriffe der vergangenen Tagen ausschließlich in der Zone des Risiko-Gebiets statt, die weder von der US Navy, der EU-Operation „Atalanta“ noch der Nato patrouilliert wird und stehen damit für eine neue Vorgehensweise der Piraten.

          400 Hilfs-Container mit Nahrungsmitteln an Bord

          Ein Sprecher der 5. Flotte der amerikanischen Marine in Bahrain sagte, das Schiff sei um 7.30 Uhr angegriffen worden. Die Piraten hätten es nach dem Überfall an die Küste von Eyl in Somalia manövriert. Eyl gilt als Hochburg der Piraten. Hier liegen mehrere gekaperte Schiffe vor Anker. Der am frühen Mittwochmorgen von seiner Europa-Reise in die Vereinigten Staaten zurückgekehrte Präsident Barack Obama hatte die Entwicklung um das gekaperte Schiff intensiv verfolgt, sagte sein Sprecher Robert Gibbs.

          Die „Maersk Alabama“ ist ein 17.000-Tonnen-Schiff. Es gehört der weltgrößten Containerschiff-Reederei Maersk. Nach Reederei-Angaben hatte der Frachter 400 Hilfs-Container mit Nahrungsmitteln an Bord, unter anderem für das World Food Programme (WFP) der Vereinten Nationen. Das Schiff war im Liniendienst auf dem Weg in den kenianischen Hafen Mombasa. Einzelheiten wollte das Unternehmen nicht mitteilen.

          Fünf deutsche Seeleute sind nach wie vor vermisst

          Im Februar hatten Piraten den Schlepper Svitzer Korsakov der Maersk-Tochter Svitzer gekapert und nach mehr als einem Monat gegen Zahlung eines Lösegeldes freigegeben. Zuvor waren mehrmals Containerschiffe und Tanker der Reederei attackiert worden, sie konnten aber entkommen. Wegen der Häufigkeit der Angriffe im Golf von Aden hatte Maersk Anfang des Jahres bekanntgegeben, dass alle Tanker bis auf weiteres Kurs um die Südspitze Afrikas statt durch den Suez- Kanal sowie den Golf von Aden nehmen sollen.

          Weiter ungewiss war das Schicksal der fünf deutschen Seeleute auf dem in Hamburg registrierten Containerschiff „Hansa Stavanger“. Piraten hatten das Schiff am vergangenen Samstag im Indischen Ozean, etwa 400 Seemeilen vor Somalia, in ihre Gewalt gebracht. Insgesamt befinden sich 24 Seeleute aus mehreren Nationen an Bord.

          In der Hand somalischer Piraten befindet sich ferner ein französisches Paar mit einem dreijährigen Kind. Die Familie sei mit ihrer Segeljacht „Tanit“ auf dem Weg nach Sansibar den Seeräubern in die Hände gefallen, berichtete das französische Fernsehen. An Bord befand sich nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Ecoterra offenbar auch ein unterwegs zugestiegenes weiteres Paar. Am vergangenen Montag wurden außerdem ein britisches und ein taiwanesisches Schiff vor der somalischen Küste entführt.
          Unterdessen lief die Fregatte „Rheinland-Pfalz“ mit sieben somalischen Piraten an Bord im Hafen der kenianischen Stadt Mombasa ein. Das teilte das Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam mit. Das Kieler Amtsgericht hatte kurz zuvor Haftbefehl gegen die somalischen Piraten erlassen.

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