https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/forderungen-nach-schaerferen-waffengesetzen-nach-anschlag-in-san-jose-17361532.html

Anschlag in San José : „Es ist genug“

  • -Aktualisiert am

Nach den Schüssen in San José: Einsatzkräfte sichern den Tatort an einem Zugdepot für Stadtbahnen. Bild: AFP

Der Anschlag in San José mit neun Toten weckt Forderungen nach schärferen Waffengesetzen – wieder einmal. Der kalifornische Gouverneur fragt: „Was zum Teufel ist mit den Vereinigten Staaten los?“

          3 Min.

          Wenige Stunden nach den tödlichen Schüssen in San José sprach der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom am Mittwoch aus, was viele Amerikaner dachten: „Was zum Teufel ist mit den Vereinigten Staaten los? Wann legen wir unsere Waffen nieder, lassen Politik, lahme Rhetorik, Schuldzuweisungen und Händeringen hinter uns? All das bringt nichts außer noch mehr Wut und Frustration – immer und immer wieder.“

          Samuel Cassidy, ein 57 Jahre alter Mechaniker, hatte am Mittwochmorgen einen der verheerendsten Anschläge der vergangenen Jahrzehnte in Nordkalifornien verübt. Wie die Tür-Kamera eines Nachbarn in South San José zeigte, war der Angestellte der Santa Clara Valley Transportation Authority (VAT) gegen sechs Uhr mit einer schwarzen Reisetasche in sein Auto gestiegen. Eine halbe Stunde später feuerte Cassidy im Zugdepot der Verkehrsgesellschaft auf seine Kollegen. Acht Menschen starben, eine weitere Person erlag Stunden später im Krankenhaus ihren Verletzungen. Wie der Sheriff von Santa Clara bestätigte, richtete der Schütze die Waffe nach dem Massaker gegen sich selbst. Dass der 26. Mai sein Todestag sein würde, schien Cassidy geplant zu haben. Bevor er am Morgen aus der ruhigen Wohngegend in San José aufbrach, 75 Kilometer südöstlich von San Francisco, zündete er sein Haus an.

          Der Anschlag auf das Zugdepot ist laut der Organisation Gun Violence Archive, die Daten zu Waffenvergehen in Amerika sammelt, eines von mehr als 200 Mass Shootings im Jahr 2021. Allein für den Monat Mai wurden bislang 60 Schießereien mit mehr als vier Todesopfern registriert. In einer Ansprache zu der Tat in San José erinnerte Präsident Joe Biden am Mittwoch an Atlanta (Georgia), wo ein Schütze bei einem Amoklauf Ende März in mehreren Massagesalons acht Menschen, sechs von ihnen Asiatinnen, tödlich verletzt hatte, an den Anschlag auf einen Supermarkt in Boulder (Colorado) einige Tage später, an Rock Hill (South Carolina), wo Anfang April sechs Mitglieder einer Familie, unter ihnen zwei Kinder, erschossen wurden, und an den Anschlag auf eine Postverteilstation in Indianapolis (Indiana) eine Woche danach. „Es ist genug“, sagte Biden und ließ die Fahne ein weiteres Mal auf Halbmast setzen.

          Vor dem Senat fand zur gleichen Zeit die Anhörung von David Chipman statt, dem Wunschkandidaten des Präsidenten für das Amt des Leiters der Bundespolizeibehörde Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives (ATF). Biden hatte sich für Chipman entschieden, weil er als Befürworter der Prävention von Waffenkriminalität gilt, auch durch das Verbot von Sturmgewehren für Zivilisten. Obwohl der Kongress die Position des ATF-Leiters schon 2006 bewilligt hatte, war sie in den vergangenen Jahren immer wieder unbesetzt geblieben – angeblich auch auf Druck der Waffenlobby National Rifle Association (NRA).

          Topmeldungen

          Bundeskanzler Olaf Scholz mit dem brasilianischen Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva am 30. Januar in Brasilia.

          Der Kanzler in Südamerika : Scholz erlebt die neue Realität

          Bundeskanzler Scholz bekommt in Südamerika wenig Unterstützung für seine Politik im Ukrainekrieg. Trotzdem war seine Reise richtig, Deutschland braucht neue Partner.
          Der Fahrer eines Gabelstaplers belädt im Berliner Depot der Hans Engelke Energie OHG einen Tanklaster mit Pellets.

          Öl- und Pellethilfen : „Berlin hat seine Hausaufgaben schnell gemacht“

          Die vom Bund angekündigten Härtefallhilfen sind noch immer nicht umgesetzt. Betriebe befürchten, dass sie leer ausgehen. Das Land Berlin hat jetzt ein eigenes Programm für Eigentümer einer Öl- oder Holzpelletheizung gestartet.
          SPD-Landesvorsitzende in Hessen und Bundesinnenministerin: Nancy Faeser

          SPD-Spitzenkandidatur : Faesers doppelbödiger Amtsbonus

          Die Bundesinnenministerin will offenbar im Amt bleiben, wenn sie als SPD-Spitzenkandidatin in Hessen die Wahl verliert. Das wird gerne als rosinenpickende Sesselkleberei kritisiert und mit Norbert Röttgen verglichen. Aber der Vergleich hinkt.
          Blick auf das schwäbische Waldburg, rund 20 Minuten entfernt von Ravensburg

          Die Karrierefrage : Lohnt sich eine Stelle in der Provinz?

          Die Gehälter sind oft niedriger, die Fahrzeit in die nächste große Stadt dafür umso höher: Arbeitsplätze in ländlichen Regionen genießen keinen guten Ruf. Dabei haben sie einiges für sich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.