https://www.faz.net/-gum-ac48s

Anschlag in San José : „Es ist genug“

  • -Aktualisiert am

Nach den Schüssen in San José: Einsatzkräfte sichern den Tatort an einem Zugdepot für Stadtbahnen. Bild: AFP

Der Anschlag in San José mit neun Toten weckt Forderungen nach schärferen Waffengesetzen – wieder einmal. Der kalifornische Gouverneur fragt: „Was zum Teufel ist mit den Vereinigten Staaten los?“

          3 Min.

          Wenige Stunden nach den tödlichen Schüssen in San José sprach der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom am Mittwoch aus, was viele Amerikaner dachten: „Was zum Teufel ist mit den Vereinigten Staaten los? Wann legen wir unsere Waffen nieder, lassen Politik, lahme Rhetorik, Schuldzuweisungen und Händeringen hinter uns? All das bringt nichts außer noch mehr Wut und Frustration – immer und immer wieder.“

          Samuel Cassidy, ein 57 Jahre alter Mechaniker, hatte am Mittwochmorgen einen der verheerendsten Anschläge der vergangenen Jahrzehnte in Nordkalifornien verübt. Wie die Tür-Kamera eines Nachbarn in South San José zeigte, war der Angestellte der Santa Clara Valley Transportation Authority (VAT) gegen sechs Uhr mit einer schwarzen Reisetasche in sein Auto gestiegen. Eine halbe Stunde später feuerte Cassidy im Zugdepot der Verkehrsgesellschaft auf seine Kollegen. Acht Menschen starben, eine weitere Person erlag Stunden später im Krankenhaus ihren Verletzungen. Wie der Sheriff von Santa Clara bestätigte, richtete der Schütze die Waffe nach dem Massaker gegen sich selbst. Dass der 26. Mai sein Todestag sein würde, schien Cassidy geplant zu haben. Bevor er am Morgen aus der ruhigen Wohngegend in San José aufbrach, 75 Kilometer südöstlich von San Francisco, zündete er sein Haus an.

          Der Anschlag auf das Zugdepot ist laut der Organisation Gun Violence Archive, die Daten zu Waffenvergehen in Amerika sammelt, eines von mehr als 200 Mass Shootings im Jahr 2021. Allein für den Monat Mai wurden bislang 60 Schießereien mit mehr als vier Todesopfern registriert. In einer Ansprache zu der Tat in San José erinnerte Präsident Joe Biden am Mittwoch an Atlanta (Georgia), wo ein Schütze bei einem Amoklauf Ende März in mehreren Massagesalons acht Menschen, sechs von ihnen Asiatinnen, tödlich verletzt hatte, an den Anschlag auf einen Supermarkt in Boulder (Colorado) einige Tage später, an Rock Hill (South Carolina), wo Anfang April sechs Mitglieder einer Familie, unter ihnen zwei Kinder, erschossen wurden, und an den Anschlag auf eine Postverteilstation in Indianapolis (Indiana) eine Woche danach. „Es ist genug“, sagte Biden und ließ die Fahne ein weiteres Mal auf Halbmast setzen.

          Vor dem Senat fand zur gleichen Zeit die Anhörung von David Chipman statt, dem Wunschkandidaten des Präsidenten für das Amt des Leiters der Bundespolizeibehörde Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives (ATF). Biden hatte sich für Chipman entschieden, weil er als Befürworter der Prävention von Waffenkriminalität gilt, auch durch das Verbot von Sturmgewehren für Zivilisten. Obwohl der Kongress die Position des ATF-Leiters schon 2006 bewilligt hatte, war sie in den vergangenen Jahren immer wieder unbesetzt geblieben – angeblich auch auf Druck der Waffenlobby National Rifle Association (NRA).

          Weitere Themen

          Keine Cold Gun

          Schuss von Alec Baldwin : Keine Cold Gun

          Mit den Worten „Cold Gun“ hatte der stellvertretende Regisseur dem Schauspieler Alec Baldwin eine Waffe gereicht. Der Revolver war aber wohl doch mit echter Munition geladen.

          Topmeldungen

          Paul Ziemiak, Tilman Kuban und Hendrik Wüst beim „Deutschlandtag“ der Jungen Union am 16. Oktober in Münster

          Imagewandel der Jungen Union : Konservative in Sneakern

          Die Junge Union ist auf der Suche nach einer neuen Außendarstellung. Manche ihrer Mitglieder wollen die Rhetorik abrüsten und den Kleidungsstil ändern. Aber wofür stehen die Jungkonservativen?
          Joshua Kimmich wollte sich bislang noch nicht impfen lassen.

          Corona-Impfung im Profifußball : Kimmich und der Preis der Freiheit

          Joshua Kimmich wollte sich bisher nicht gegen Corona impfen lassen. Für Kritik daran gibt es gute Gründe. Und der Imageschaden für Kimmich wird deutlich größer sein als jeder mögliche Impfschaden, der ihm droht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.