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Folter-Vorwurf vor Gericht : Der nette Doktor von nebenan

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“: Dieser Schriftzug prangt an einer Mauer des Frankfurter Amtsgerichts. Bild: dpa

In Frankfurt muss sich 2022 ein syrischer Arzt vor Gericht verantworten, der in seinem Heimatland gefoltert haben soll. Was treibt gerade Mediziner zu solchen Taten?

          7 Min.

          Das Gerichtsgebäude C in Frankfurt am Main ist ein schmuckloser Bau. Seine Nüchternheit steht im eindrucksvollen Gegensatz zu den mons­trösen Verfahren, die der Staatsschutzsenat des Frankfurter Oberlandesgerichts (OLG) in der vergangenen Zeit hier verhandelt hat oder noch verhandelt: den Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke; die Vorwürfe gegen Franco A., einen Bundeswehrof­fizier, der sich als Flüchtling ausgab und mutmaßlich Terroranschläge plante; oder die Anschuldigungen gegen einen Iraker, der in seiner Heimat eine jesidische Mutter und ihre kleine Tochter versklavt haben soll und das Kind wohl verdursten ließ.

          Eva Schläfer
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auch eines der nächsten Verfahren vor dem Staatsschutzsenat wird einen schockierend menschenverachtenden Hin­­tergrund haben. Der syrische Staatsangehörige Alaa M. soll laut Bundesanwaltschaft in den Jahren 2011 und 2012 in zwei syrischen Militärkrankenhäusern sowie in einem Gefängnis Menschen ge­foltert und einen dieser Menschen an­schließend auch getötet haben. Was diesen Fall besonders macht: Alaa M. ist kein klassischer Scherge des Assad-Regimes. Alaa M. ist Mediziner. Seit Sommer 2015 lebt der heute 36-Jährige, der von 2003 bis 2009 in Aleppo Medizin studierte, in Deutschland. Bis zu seiner Festnahme am 19. Juni 2020 arbeitete er im Rahmen seiner Ausbildung zum Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie in mehreren Kliniken in Nordhessen und wohl auch in Bayern.

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