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Auslieferung nach Amerika : Florian Homm drohen 225 Jahre Haft

  • Aktualisiert am

Florian Homm beim Auftritt in einer Talkshow im Jahr vor seiner Flucht. Bild: dpa

Der frühere Hedgefonds-Manager Florian Homm soll Kunden um ihr Geld geprellt haben. Italien wird ihn wohl an die Vereinigten Staaten ausliefern. Dort drohen Homm 225 Jahre Haft.

          Der frühere Finanzjongleur Florian Homm, der in Pisa im Gefängnis sitzt und in Kalifornien vor Gericht gestellt werden soll, steht offenbar kurz vor seiner Auslieferung an die Vereinigten Staaten. Im Februar hatte das Verwaltungsgericht in Rom das Verfahren gestoppt und eine Prüfung angeordnet, ob die Auslieferung mit italienischem Recht vereinbar ist. Laut einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ entschied das italienische Justizministerium nun, dass Homm nach Amerika überstellt werden darf. Sein Mandant habe ein entsprechendes Schreiben aus Rom erhalten, sagte Homms Anwalt Mario Zanchetti gegenüber der SZ. In den nächsten Wochen schon könne Homm ins Flugzeug gesetzt werden.

          Per Einspruch bei Gericht in Rom und beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg will Zanchetti die Auslieferung noch verhindern. Sollte ihm das nicht gelingen, wird sein 54 Jahre alter Mandant wohl den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen - und dies als kranker Mann. Dem mutmaßlichen Anlagebetrüger und ehemaligen Hedgefonds-Manager Homm, der an Multipler Sklerose leidet, drohen in den Vereinigten Staaten 225 Jahre Haft.

          Ausgefeiltes Betrugssystem

          Bekanntheit erlangte der aus Hessen stammende Großneffe von Versandhauskönig Josef Neckermann mit seiner ersten Firma Value Management & Research, die eine hohe Zahl an Börsengängen für oftmals erfolglose Unternehmen organisierte. Homm, der sich gern Zigarre rauchend und mit frisch gegeltem Haar zeigte, wurde aber erst als Gründer und Chef der Hedgefonds-Gesellschaft Absolute Capital Management Holdings (ACMH) berühmt - weil er die Öffentlichkeit nicht scheute, wegen der hohen Rendite seines Hedgefonds oftmals das Gesicht der vermeintlich eiskalten Finanzbrache war und die Klatschspalten diverser Magazine füllte. Er verwaltete in seinem Hedgefonds bis zu drei Milliarden Euro. Im Jahr 2004 steig er beim Fußballverein Borussia Dortmund mit 20 Millionen Euro ein und bewahrte den Traditionsclub damit vor der Insolvenz.

          Homm soll aber auch für Verluste von 200 Millionen Dollar in seinem Hedgefonds verantwortlich sein und viele Kunden um ihr Geld geprellt haben. Mit einem ausgefeilten Betrugssystem soll er den Wert von eigentlich wertlosen Aktien künstlich in die Höhe getrieben haben. Im September 2007 verschwand er über Nacht. Im März 2013 wurde er nach mehr als fünf Jahren Flucht beim Besuch eines Museums in Italien festgenommen.

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