https://www.faz.net/-gum-9sk5z

Anschlag auf Innogy-Manager : Verdächtiger wurde bei Ringer-Turnier festgenommen

  • Aktualisiert am

Gezeichnet vom Anschlag: Bernhard Günther im April auf der Hauptversammlung der Innogy AG. Bild: dpa

Eineinhalb Jahre nach dem Säureanschlag auf Innogy-Manager Bernhard Günther haben die Ermittler einen Verdächtigen festgenommen. Es soll sich um ein Mitglied einer bekannten Rockergruppe handeln.

          2 Min.

          Eineinhalb Jahre nach dem Säureanschlag auf Innogy-Manager Bernhard Günther in Haan bei Düsseldorf haben die Ermittler einen Durchbruch erzielt und einen Verdächtigen festgenommen. Die im September 2018 eingestellten Ermittlungen seien aufgrund anonymer Hinweise wieder aufgenommen worden und hätten zu einem 32-jährigen Mann geführt. Er sei am vergangenen Freitag bei einer Sportveranstaltung in Köln festgenommen worden, teilte die Wuppertaler Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit.

          Ein Richter des Amtsgerichts Wuppertal habe Haftbefehl gegen ihn erlassen. Er sitze somit in Untersuchungshaft. In mehreren Städten habe es zudem Durchsuchungen gegeben, die sich gegen weitere Verdächtige richteten. Die Auswertung der dabei sichergestellten Beweismittel dauere an, teilte die Behörde mit. Zuvor hatte die „Bild“-Zeitung über die Festnahme berichtet.

          Was hinter dem Säureanschlag steckt und wie viele Verdächtige es gibt, wollten die Ermittler aus taktischen Gründen nicht verraten. Es habe sich aber nicht um einen politisch motivierten Anschlag gehandelt, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Ermittelt werde wegen schwerer Körperverletzung.

          Auftrag eines konkurrierenden Managers?

          Nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Focus“ handelt es sich bei dem Verdächtigen um ein Mitglied einer bekannten Rockergruppe. Er soll, wie aus den Ermittlungsunterlagen hervorgehe, laut Zeugenaussagen im Auftrag eines konkurrierenden Managers aus der Strombranche gehandelt haben, schreibt das Magazin. Die Staatsanwaltschaft wollte den Bericht weder bestätigen noch dementieren.

          Nach dpa-Informationen wurde der Verdächtige bei einem Ringer-Turnier in Köln festgenommen. Das bestätigte der Vorsitzende des Vereins, in dem der Mann Sport treibt, der dpa.

          Der Innogy-Finanzchef war am 4. März 2018 - einem Sonntag - nach dem Joggen in der Nähe seines Wohnhauses in Haan bei Düsseldorf überfallen worden. Zwei Männer warfen ihn zu Boden und übergossen ihn mit Säure. Günther erlitt schwerste Verletzungen und schwebte zeitweise in Lebensgefahr.

          Mit einem Hubschrauber war er in eine Spezialklinik gebracht worden. Der Fall schlug bundesweit hohe Wellen. Günther lag mehrere Wochen im Krankenhaus und nahm bald darauf die Arbeit wieder auf.

          Rückkehr ins Arbeitsleben

          Die Staatsanwaltschaft Wuppertal hatte zunächst wegen versuchten Mordes ermittelt, die umfangreichen Ermittlungen nach einem halben Jahr aber erfolglos eingestellt. Innogy hatte bis zu 80.000 Euro Belohnung für Hinweise auf die Täter ausgesetzt. Das Unternehmen wollte sich am Donnerstag nicht zur Wendung in dem Fall äußern.

          Der Manager war im März 2019 – rund ein Jahr nach dem Angriff – bei einer Bilanzpressekonferenz erstmals wieder öffentlich aufgetreten. Die Folgen des brutalen Angriffs waren ihm dabei noch anzusehen. Er trug eine getönte Sonnenbrille und ein schwarzes Band um die Stirn. „Ich freue mich hier zu sein“, hatte er gesagt. Das sei „vor einem Jahr alles andere als klar gewesen“.

          Wenige Tage nach dem Überfall auf Günther war bekannt geworden, dass die RWE-Tochter Innogy zerschlagen und Teile vom Konkurrenten Eon übernommen werden sollten. Die Übernahmeofferte von Eon habe seine Rückkehr ins Arbeitsleben beschleunigt, hatte Günther gesagt.

          Günther war nicht zum ersten Mal Opfer eines Überfalls geworden. Einige Jahre zuvor war er ebenfalls beim Joggen überfallen und zusammengeschlagen worden. Bislang gebe es keine Hinweise darauf, dass die Verdächtigen auch für den weiter zurückliegenden Überfall verantwortlich seien, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

          Günther hatte vier Monate nach dem Anschlag in einem Interview gesagt: Er habe zwar eine Theorie, „die will ich aber für mich behalten“. Der Angriff habe nur wenige Sekunden gedauert, die Täter hätten nichts gesagt. Er sei dann nach Hause gelaufen, habe möglichst viel von der Säure abgewaschen und selbst den Notruf gewählt.

          Weitere Themen

          Zeichen gegen das Gift

          FAZ Plus Artikel: Nach dem Terrorakt in Hanau : Zeichen gegen das Gift

          Hanau steht unter Schock: Der Bundespräsident spricht von einer tiefen Wunde. Vertreter der Migranten-Community fordern von Innenminister Seehofer mehr Sicherheit. Und Hessens Ministerpräsident sagt, er könne die Angst verstehen.

          Südkorea kämpft gegen das Coronavirus

          Höchste Warnstufe : Südkorea kämpft gegen das Coronavirus

          Südkorea weist nach China und Japan die höchste Infektionszahl des Coronavirus auf. Die Krankheit hat sich innerhalb einer Woche im Land verzwölffacht. Ein Großteil der Neuansteckungen gehen auf Veranstaltungen einer Sekte zurück.

          Topmeldungen

          Klaus Wolfram im Februar im Prenzlauer Berg, dort also, wo früher Ostberlin war

          Ein Treffen mit Klaus Wolfram : Ostdeutscher Frühling

          Nicht nur in Thüringen versuchen rechte Demagogen den Osten zu usurpieren. Der DDR-Oppositionelle Klaus Wolfram kritisiert die ungleiche Verteilung der Diskursmacht in Deutschland.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.