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Nach Fallenlassen der Anklage : FBI ermittelt im Fall Jussie Smollett

  • -Aktualisiert am

Jussie Smollett hatte angegeben, vor zwei Monaten auf einer Straße in Chicago überfallen worden zu sein. Angeblich hatten ihn die beiden Angreifer wegen seiner Hautfarbe und sexuellen Orientierung zusammengeschlagen. Bild: AFP

Nachdem die Anklage gegen den Schauspieler fallen gelassen wurde, sollen nun die vertraulichen Absprachen zwischen ihm und der Staatsanwaltschaft überprüft werden. Auch Donald Trump hat sich zu dem Fall geäußert.

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          Das abrupte Fallenlassen der Anklage gegen Jussie Smollett hat ein Nachspiel. Die amerikanische Bundespolizei (FBI) nahm am Mittwoch Ermittlungen auf, um die vertraulichen Absprachen der Staatsanwaltschaft in Cook County (Illinois) mit dem kalifornischen Schauspieler zu überprüfen. Die Staatsanwaltschaft hatte am Dienstag unerwartet alle 16 Anklagepunkte wegen Falschaussage gegen Smollett fallengelassen. Der schwarze, homosexuelle „Empire“-Darsteller hatte angegeben, vor zwei Monaten auf einer Straße in Chicago überfallen worden zu sein.

          Angeblich hatten ihn die beiden Angreifer wegen seiner Hautfarbe und sexuellen Orientierung zusammengeschlagen. Während des nächtlichen Überfalls sollen sie zudem auf Präsident Donald Trumps Slogan „Make America Great Again“ verwiesen haben. Das vermeintliche Hassverbrechen schien sich aber in den folgenden Tagen als von Smollett orchestriert zu entpuppen. Wie amerikanische Medien meldeten, sagten die angeblichen Angreifer aus, von dem Schauspieler 3500 Dollar für die Vortäuschung eines Überfalls erhalten zu haben. Smollett wurde festgenommen und gegen Kaution vorerst wieder entlassen. Eine Grand Jury stellte fest, dass ausreichende Beweise für eine Anklageerhebung gegen ihn vorlagen.

          Dennoch ließ die Staatsanwaltschaft die Anklage am Dienstag überraschend fallen. „Ausgehend von den Fakten und Beweisen gehen wir davon aus, dass wir seine Schuld nachweisen könnten“, ließ die Bezirksstaatsanwältin Kim Foxx gleichzeitig wissen. Die Juristin hatte ihrem Stellvertreter Joe Magats den Fall übergeben, nachdem sie in den Tagen nach dem angeblichen Überfall am 29. Januar Kontakt zu der Familie Smollett aufgenommen hatte. Eine Freundin, die frühere Stabschefin der ehemaligen First Lady Michelle Obama, Tina Tchen, hatte sich bei Foxx für Smollett eingesetzt. Chicagos Bürgermeister Rahm Emanuel, der wie die Polizei von der Entscheidung der Staatsanwaltschaft überrascht wurde, nannte das Fallenlassen der Anklage einen Missbrauch des Rechtssystems.

          Auch Trump hat sich eingeschaltet

          „Es sieht so aus, als habe er eine Sonderbehandlung erhalten, weil er ein Schauspieler und eine Person mit Einfluss ist“, sagte Emanuel, zu Beginn von Barack Obamas Präsidentschaft Stabschef des Weißen Hauses, dem Sender ABC. „Die Staatsanwaltschaft sagt, Smollett sei nicht entlastet worden und habe den Schwindel tatsächlich begangen. Er behauptet dagegen, er sei unschuldig und sage die Wahrheit. Sie sollten sich besser absprechen.“ Auch für Smollett ist der Fall mit der Zahlung von 10.000 Dollar und 16 Sozialstunden, die er bereits am vergangenen Wochenende unbemerkt von der Öffentlichkeit absolvierte, noch nicht vorbei. Obwohl die Staatsanwaltschaft in Illinois die Anklage strich, droht dem Sechsunddreißigjährigen ein juristischer Schlagabtausch mit Bundesbehörden. Da Smollett sich in der Woche vor dem angeblichen Überfall selbst einen Brief mit rassistischen und homophoben Beschimpfungen geschickt haben soll, ermitteln nun auch FBI und Post gegen ihn.  

          Am Donnerstag meldete sich auch das Weiße Haus. Präsident Trump kündigte eine Untersuchung durch das Washingtoner Justizministerium an, um herauszufinden, aus welchem Grund die Staatsanwaltschaft in Illinois die Anklage gegen Smollett fallenließ. „Der Fall ist empörend“, twitterte Trump. „Er beschämt unser Land!“

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