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Falschgeld : "Noch werden die meisten Euros in der EU gefälscht"

  • Aktualisiert am

Ein falscher Fünfziger: Silberfaden und Wasserzeichen fehlen Bild: ZB

Das Ansehen des Euro und seine Bedeutung in der Welt wachsen - Zu diesen Schluß könnte man angesichts des sprunghaften Anstieg der Fälschungsquoten des Euro kommen. Interview mit Europol-Direktor Jürgen Storbek.

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          Vor kurzem hat die Europäische Zentralbank mitgeteilt, daß im zweiten Halbjahr 2003 mehr als 310.000 gefälschte Euro-Noten aus dem Verkehr gezogen wurden - ein Anstieg gegenüber dem ersten Halbjahr um 30 Prozent.

          Ist der Euro nicht so fälschungssicher, wie man den Bürgern weisgemacht hat?

          Nein, der Euro ist fälschungssicherer als die alten Währungen. Aber man kann Fälschungen nur erkennen, wenn man auch die fälschungssicheren Merkmale kennt. Die aber können von einem normalen Bürger in vielen alltäglichen Situationen, auf dem Markt, in einer Bar, in einem Restaurant, nur bei sorgfältiger Prüfung erkannt werden.

          Der UV-Test: Welcher Schein ist echt
          Der UV-Test: Welcher Schein ist echt : Bild: dpa

          Muß der Bürger also immer damit rechnen, daß ihm eine gefälschte Banknote untergeschoben wird?

          Im eigentlichen Euro-Bereich stellt sich dieses Problem nicht. Hier geht ein Geldschein recht häufig über einen Bankschalter oder wird bei einem Bezahlvorgang im Supermarkt geprüft. Dort sollte eine Fälschung erkannt und aus dem Verkehr gezogen werden. Aber der Euro dient nicht nur in der EU als Zahlungsmittel. Er ist auf dem Weg, eine globale Währung zu werden wie der amerikanische Dollar - wenn er es nicht schon ist. Und weltweit ist die Erkennung von gefälschten Banknoten sehr schwierig.

          Wird der Euro schon so häufig gefälscht wie der Dollar?

          Nein. Es ist viel einfacher, Dollarnoten zu fälschen als die Euro-Scheine. Aber weil der Euro auf der ganzen Welt verbreitet ist, ist seine Fälschung nicht mehr nur in und für Europa attraktiv, sondern auch in Asien und Südamerika.

          Wo werden die meisten Euros gefälscht?

          Noch werden die meisten Banknoten innerhalb der EU gefälscht. Aber seit einiger Zeit beobachten wir einen Anstieg der Fälschungen in den Beitrittsstaaten und in deren Anrainern außerhalb der EU-Zone - und ebendort, wo man sie am einfachsten in Verkehr bringen kann: Das gilt für den Balkan und ganz Osteuropa. Grund zu Hysterie gibt es aber nicht.

          Gleichwohl liegt die Zahl der gefälschten, aus dem Umlauf genommenen Banknoten jetzt nur noch um etwa zwanzig Prozent unter den von den nationalen Zentralbanken des Euro-Währungsgebiets 2001 gemeldeten Fälschungen der Vorgängerwährungen des Euro. Wie läßt sich diese Entwicklung erklären?

          Auch kriminellen Einzeltätern und vor allem kriminellen Organisationen stehen heute einfache und billige modernste Technologien für Fälschungen zur Verfügung. Allerdings spielen Fälschungen, die mittels Farbkopierer oder Computer hergestellt werden, keine große Rolle - und werden es wohl auch in Zukunft nicht. Man kann sie nicht in großer Stückzahl herstellen, und sie sind durch "fühlen, sehen, kippen" verhältnismäßig leicht als Fälschungen zu erkennen. Für Europol ist die organisierte Kriminalität das Problem: Es geht um Offset-Druckereien. Die werden von Gruppen betrieben, nicht von Einzeltätern.

          Was können Sie dagegen unternehmen?

          Mehr Prävention, aber auch mehr Repression. Die Zusammenarbeit mit den Beitrittsländern - Bulgarien und Rumänien rechne ich als Kandidaten dazu - ist ausgezeichnet. Dort sind wir zuletzt fast jeden zweiten Monat erfolgreich gewesen. Das ist das Positive. Das Negative: daß der Anreiz, den Euro zu fälschen, inzwischen so groß geworden ist.

          Wie steht es in Osteuropa um die Rechtslage? Ist es überall verboten, den Euro zu fälschen?

          Es gibt - etwa in Bulgarien - noch gewisse rechtliche Grauzonen. Die werden bald beseitigt. Aber trotz der bis in das Jahr 1929 zurückgehenden internationalen Konventionen gegen die Falschmünzerei schützen die meisten Staaten bis heute nur ihre eigenen Währungen. Und was Bulgarien betrifft: Dort waren Kriminelle schon immer technisch hervorragend ausgerüstet. Aber auch unsere Zusammenarbeit mit diesem Land ist inzwischen hervorragend.

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