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Prozess in Kiel : Falsche Lehrerin gesteht Betrug

  • Aktualisiert am

Hier muss sich die falsche Lehrerin verantworten: das Amtsgericht Kiel Bild: dpa

In mehreren Bundesländern unterrichtete eine Frau mit gefälschten Papieren als Lehrerin. Vor Gericht gesteht sie nun ihren Betrug – und rechtfertigt ihn mit den Hürden, die früheren DDR-Bürgern in den Weg gelegt worden seien.

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          Als falsche Lehrerin hat eine Frau jahrelang Behörden, Kollegen, Eltern und Schüler genarrt. Am Mittwoch gestand die Fünfzigjährige vor dem Amtsgericht Kiel, Hochschulabschlüsse und Diplome gefälscht zu haben. Die Frau aus Wismar gab zu, dass sie sich nach der Wende mit falschen Zeugnissen und Staatsexamina für das Lehramt beworben hatte. Die Anklage legt ihr gewerbsmäßigen Betrug und Urkundenfälschung zur Last.

          Sie habe mit der als Propagandafach geltenden DDR-Staatsbürgerkunde kaum Chancen auf Anstellung gehabt, sagte die Angeklagte. „Es war eine Zeit, in der Vergangenheiten gelöscht wurden. So war es auch bei mir.“ Unter Tränen zeigte sie sich reuig und bat um Entschuldigung. Sie habe schon seit ihrer Kindheit Lehrerin werden wollen, sagte sie.

          Die Lehrerin fiel wegen mangelhafter Leistungen auf

          Laut Anklage verfügt die Frau weder über Hochschulabschluss, Diplom noch Staatsexamina. Ihre Lehrerlaufbahn startete sie dennoch Anfang der neunziger Jahre in Wolgast. Von dort wechselte sie nach Brandenburg und dann nach Berlin, wo sie auch verbeamtet war. Von 2008 bis Anfang 2013 erschlich sie sich ihre Verbeamtung in Schleswig-Holstein.

          Die Unstimmigkeiten in ihren Unterlagen fielen im Bildungsministerium in Kiel erst auf, als Schulleiter in Mölln (Schleswig-Holstein) 2010 wegen mangelhafter Leistungen der Frau die Schulaufsicht einschalteten. Eine Vertreterin des Ministeriums sagte als Zeugin vor Gericht, inzwischen bezweifle sie sogar die Echtheit des vorgelegten Abiturzeugnisses der gelernten Krankenschwester.

          Die Angeklagte wurde Ende 2012 vom Bildungsministerium in Kiel suspendiert. Anfang 2013 wurde ihr der Beamtenstatus aberkannt. Da ermittelte bereits die Staatsanwaltschaft. Dennoch bewarb sie sich 2013 noch einmal an einer Schule bei Schwerin – wieder mit falschen Papieren, wie sie zugab. Schleswig-Holstein fordere rund 133.000 Euro von ihr zurück, sagte die Frau. Auch aus anderen Bundesländern gebe es Rückzahlungsforderungen.

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